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Veröffentlicht: 14.02.2015, 16:35 Uhr

Google, Tesla, Apple Die Auto-Attacke aus dem Silicon Valley

Google, Tesla und jetzt auch Apple: Internetunternehmen drängen in den Automarkt. Unsere Industrie sollte sich Sorgen machen.

von
© dpa Sieht niedlich aus und fährt von selbst: das Google-Auto

Wenn es daran ging, die Gefährdung traditioneller Industriezweige durch freche Internetunternehmer aus Kalifornien zu debattieren, konnten sich die deutschen Autohersteller bisher immer ziemlich entspannt zurücklehnen. Andere Branchen mochten zittern, aber dass ein paar dahergelaufene Programmierer in Kapuzenpullis den Auto-Ingenieuren ihren in Jahrzehnten gewachsenen technischen Vorsprung streitig machen könnten, schien undenkbar.

An dieser Sicht der Dinge festzuhalten, dürfte in Zukunft noch schwieriger werden als bisher. Waren es bisher nur Googles Experimente mit Roboter-Autos und die Elektro-Luxusschlitten von Tesla, die den Autobauern Kopfzerbrechen bereiteten, verdichten sich seit ein paar Tagen die Hinweise darauf, dass die Autohersteller bald einen mächtigen neuen Mitbewerber im Kampf um ihre qualitätsbewussten Kunden haben werden: den Internetkonzern Apple. Laut Berichten der englischen „Financial Times“ (FT) und des amerikanischen „Wall Street Journal“ (WSJ) arbeiten Entwickler des Konzerns schon seit gut einem Jahr an einem elektrischen Auto.

In Online–Foren war über diese Pläne seit Längerem spekuliert worden. Schon vor Jahren hieß es, einer der großen Träume des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs sei es gewesen, durch die Entwicklung eines Apple-Autos die amerikanische Autoindustrie zu revolutionieren und wieder zum Weltmarktführer zu machen. In jüngster Zeit wollten mehrere Kommentatoren ein mysteriöses Vehikel ähnlich einem Minivan mit Dachaufbauten in der Nähe der Firmenzentrale gesichtet haben. Mitarbeiter der Elektroauto-Firma Tesla hatten angeblich Angebote erhalten, sich dem Apple-Team anzuschließen.

1000 Leute fürs Entwickler-Team

Apple hat sich bisher nicht offiziell dazu geäußert, aber die neuesten Berichte legen nahe, dass Jobs’ Nachfolger sich daran gemacht haben, seinen Traum in die Tat umzusetzen. Laut WSJ hat Apple unter dem Codenamen „Titan“ mehrere Hundert Entwickler abgestellt, um ein Apple-Auto zu bauen. Leiter des Teams ist demnach Steve Zadesky, der auch an der Entwicklung von iPhone und iPad federführend beteiligt war, und von Apple-Chef Tim Cook die Erlaubnis bekommen hat, bis zu 1000 Leute in sein Entwickler-Team zu holen.

33042727 © AFP Vergrößern Verbaut Apple seine CarPlay-Software bald im eigenen Auto?

Leitende Manager des Konzerns waren offenbar mehrmals in Österreich, um mit dem Werkbetreiber Magna Steyr über Fertigungsverträge zu verhandeln. Auch der ehemalige Daimler-Chefentwickler für Nordamerika, Johann Jungwirth, soll an dem Projekt beteiligt sein. Daimler hatte Jungwirths Ablösung im Dezember bekanntgegeben; laut seinem LinkedIn-Profil arbeitet er derzeit für Apple.

Von der Marktreife ist das Apple-Auto, so es denn entwickelt wird, sicherlich noch meilenweit entfernt. Einige Experten vermuten, dass Apple gar kein eigenes Auto entwickeln will, sondern nur einen Prototypen baut, um Angebote wie CarPlay zu verbessern. Diese Technik ermöglicht es, das iPhone mit dem Bordcomputer zu verbinden und ist auch schon in mehreren Autos deutscher Hersteller verbaut.

Sollte Apple tatsächlich ein eigenes Auto bauen, könnte die Entwicklung mehr als zehn Jahre in Anspruch nehmen, zumal der iKonzern keine eigenen Werke für die industrielle Fertigung hat und die Rekrutierung von genügend Ingenieuren sich in Amerika durchaus als Problem erweisen könnte: Selbst in der digitalen Welt ist ein Auto ein komplexeres Produkt als ein Mobiltelefon.

527792709 © AFP Vergrößern Anfang des Jahres präsentierte Daimler diesen Prototypen eines selbstfahrenden Autos in Las Vegas.

Auch könnte es gut passieren, dass das Auto sich in eine Reihe von Apple-Projekten einreiht, die von Fans zwar begeistert erwartet, aber nie umgesetzt wurden – wie zuletzt ein vollmundig angekündigter Fernseher. Apple hat, anders als viele Konkurrenten, als aktuell wertvollstes Unternehmen der Welt ausreichend Rücklagen, um auch in wenig aussichtsreiche Experimente viel Geld zu stecken.

Trotzdem sollte die deutsche Autoindustrie die neue Konkurrenz aus dem Silicon Valley ernster nehmen als ältere Mitbewerber wie Tesla, die es trotz anfänglicher Achtungserfolge bisher nicht geschafft haben, über einen kleinen Nischenmarkt hinaus zu wachsen. Schließlich hat Apple unter anderem bei Mobiltelefonen und Laptops gezeigt, dass der Konzern in rasantem Tempo Märkte aufrollen kann, die bisher fest in fremder Hand schienen.

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Abgesehen von den schier unbegrenzten Finanzmitteln, die Apple in die Entwicklung stecken kann, könnten die Kalifornier Konzernen wie Daimler und BMW vor allem deswegen gefährlich werden, weil sie mit einem der stärksten Markennamen der Welt eine ähnliche Zielgruppe bedienen wie die deutschen Premium-Autobauer: Menschen, die viel Wert auf schickes Design und hohe technische Standards legen und dafür auch gerne viel Geld ausgeben. Zudem setzt Apple offenbar wie die Deutschen auf teilautonomes Fahren.

Anders als beim Internetkonzern Google, der im vergangenen Jahr ein selbstfahrendes Auto vorstellte, das gerade massentauglich gemacht wird, soll der Apple-Computer helfen, wo er kann, während der Fahrer die Kontrolle behält. Während es selbst in Amerika noch Jahre dauern könnte, bis die rechtlichen Rahmenbedingungen für Googles selbstfahrendes Auto vollständig geklärt sind, könnte das iCar also direkt losfahren, sobald es einmal fertig ist.

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