http://www.faz.net/-gqe-75t62
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --
Integrated Industry

Veröffentlicht: 17.01.2013, 22:59 Uhr

Neue Internetseite Kim Dotcom geht in die Offensive

Kim Schmitz, Gründer der verbotenen Internet-Tauschbörse Megaupload, kostet gerade seinen Rachefeldzug gegen die Behörden aus: Seine neue Internetseite „mega.co.nz.“ soll als Nachfolger von Megaupload am Wochenende freigeschaltet werden.

von
© REUTERS Startet seine nächste Party: Megaupload-Gründer Kim Dotcom

Eine schwarze Lederkappe auf dem Kopf, eine Blondine zu seiner Linken und hunderte seiner neuseeländischen Fans vor ihm: Kim Dotcom verteilte Mitte der Woche kostenlos Eiscreme bei Giapo in Auckland. Auf den Böden von zehn Eisbechern fanden sich „goldene Mega-Tickets“, die den glücklichen Gewinnern Eintritt zu einer Party auf dem Anwesen des Gründers der verbotenen Internet-Tauschbörse Megaupload erlauben. Dort wird am Sonntag Andrang herrschen: Denn Kim Schmitz, wie Dotcom bei Geburt hieß, kostet gerade seinen Rachefeldzug gegen die Behörden aus. Am Wochenende will er seine neue Internetplattform „mega.co.nz“ öffentlich vorstellen.

Christoph Hein Folgen:

„Wir versprechen. Wir liefern“ strahlt demjenigen entgegen, der die Internetadresse derzeit in seinen Computer eingibt. Wer weiter klickt, stößt auf Dotcoms wohl größtes Anliegen: „Wir haben ausreichend Geld eingesammelt, um die Internetseite an den Start zu bringen. Aber wir wollen Mega solange wie möglich kostenlos betreiben. Wenn Sie Teil einer Erfolgsgeschichte werden wollen, melden Sie sich bitte“, wirbt der gebürtige Deutsche um Investoren. Neuseeländische Medien berichten, reiche Inselbewohner hätten ihm beim Aufbau der Seite unter die Arme gegriffen. Besondere Verschlüsselungsformen sollen, so verspricht der 38 Jahre alte Unternehmensgründer, die Behörden daran hindern, Zugang zu den Daten auf Mega zu bekommen. Eigenen Angaben zufolge arbeitet er mit dem 2048-bit RSA SSL Code. Ein normaler Computer bräuchte 500.000 mal länger, diesen zu knacken, als das Alter des Universums mit 13 Milliarden Jahren betrage, wirbt der Hersteller des Verschlüsselungscodes.

„Feinde des Fortschritts verbrennen Internetseiten“

An großen Worten mangelt es Dotcom nicht: „In dunklen Zeiten haben die Feinde des Fortschritts Bücher verbrannt, heute verbrennen sie Internetseiten. Mega wird die Website sein, die all dies beendet“, verkündete er, während er Eis verteilte. Deren Vorgänger „Megaupload“ band 4 Prozent des weltweiten Internetverkehrs. Ganz sicher werden am Sonntag zahlreiche Strafverfolger rund um die Erde Mega ansteuern. Allerdings hat Dotcom sich den Aufbau von Mega zuvor in Neuseeland genehmigen lassen. Seine Kautionsbedingungen erlauben ihm neue Geschäfte.

Selbst wenn die Seite unangetastet bleibt, muss sich Dotcom gegen seine drohende Ausweisung nach Amerika verteidigen. Das amerikanische Justizministerium wirft ihm vor, mit Megaupload auf kriminelle Weise mehr als 175 Millionen Dollar eingenommen zu haben, da auf der Seite gegen alle Urheberrechte Filme, Bücher, Computerprogramme und Musik schwarz getauscht wurden. In Amerika drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.

Anders sieht es in seiner neuen Heimat Neuseeland aus: Nach einem Spruch der Richterin Helen Winkelmann könnte Dotcom dort auf Millionen von Dollar Schadenersatz klagen. Denn der Geheimdienst überwachte ihn und seinen Helfer Bram van der Kolk, obwohl er dies bei neuseeländischen Staatsbürgern nicht darf. Auch die Hausdurchsuchung könnte unrechtmäßig gewesen sein.

Keine Zeit mehr für politische Spielchen

Von Tobias Piller, Rom

Matteo Renzi hat den Italienern falsche Illusionen vermittelt. Dabei braucht vor allem die leidende Wirtschaft jetzt eine erfahrene Regierung. Mehr 28 35

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden
Zur Homepage