Home
http://www.faz.net/-gqe-75t62
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Neue Internetseite Kim Dotcom geht in die Offensive

Kim Schmitz, Gründer der verbotenen Internet-Tauschbörse Megaupload, kostet gerade seinen Rachefeldzug gegen die Behörden aus: Seine neue Internetseite „mega.co.nz.“ soll als Nachfolger von Megaupload am Wochenende freigeschaltet werden.

© REUTERS Vergrößern Startet seine nächste Party: Megaupload-Gründer Kim Dotcom

Eine schwarze Lederkappe auf dem Kopf, eine Blondine zu seiner Linken und hunderte seiner neuseeländischen Fans vor ihm: Kim Dotcom verteilte Mitte der Woche kostenlos Eiscreme bei Giapo in Auckland. Auf den Böden von zehn Eisbechern fanden sich „goldene Mega-Tickets“, die den glücklichen Gewinnern Eintritt zu einer Party auf dem Anwesen des Gründers der verbotenen Internet-Tauschbörse Megaupload erlauben. Dort wird am Sonntag Andrang herrschen: Denn Kim Schmitz, wie Dotcom bei Geburt hieß, kostet gerade seinen Rachefeldzug gegen die Behörden aus. Am Wochenende will er seine neue Internetplattform „mega.co.nz“ öffentlich vorstellen.

Christoph Hein Folgen:    

„Wir versprechen. Wir liefern“ strahlt demjenigen entgegen, der die Internetadresse derzeit in seinen Computer eingibt. Wer weiter klickt, stößt auf Dotcoms wohl größtes Anliegen: „Wir haben ausreichend Geld eingesammelt, um die Internetseite an den Start zu bringen. Aber wir wollen Mega solange wie möglich kostenlos betreiben. Wenn Sie Teil einer Erfolgsgeschichte werden wollen, melden Sie sich bitte“, wirbt der gebürtige Deutsche um Investoren. Neuseeländische Medien berichten, reiche Inselbewohner hätten ihm beim Aufbau der Seite unter die Arme gegriffen. Besondere Verschlüsselungsformen sollen, so verspricht der 38 Jahre alte Unternehmensgründer, die Behörden daran hindern, Zugang zu den Daten auf Mega zu bekommen. Eigenen Angaben zufolge arbeitet er mit dem 2048-bit RSA SSL Code. Ein normaler Computer bräuchte 500.000 mal länger, diesen zu knacken, als das Alter des Universums mit 13 Milliarden Jahren betrage, wirbt der Hersteller des Verschlüsselungscodes.

„Feinde des Fortschritts verbrennen Internetseiten“

An großen Worten mangelt es Dotcom nicht: „In dunklen Zeiten haben die Feinde des Fortschritts Bücher verbrannt, heute verbrennen sie Internetseiten. Mega wird die Website sein, die all dies beendet“, verkündete er, während er Eis verteilte. Deren Vorgänger „Megaupload“ band 4 Prozent des weltweiten Internetverkehrs. Ganz sicher werden am Sonntag zahlreiche Strafverfolger rund um die Erde Mega ansteuern. Allerdings hat Dotcom sich den Aufbau von Mega zuvor in Neuseeland genehmigen lassen. Seine Kautionsbedingungen erlauben ihm neue Geschäfte.

Selbst wenn die Seite unangetastet bleibt, muss sich Dotcom gegen seine drohende Ausweisung nach Amerika verteidigen. Das amerikanische Justizministerium wirft ihm vor, mit Megaupload auf kriminelle Weise mehr als 175 Millionen Dollar eingenommen zu haben, da auf der Seite gegen alle Urheberrechte Filme, Bücher, Computerprogramme und Musik schwarz getauscht wurden. In Amerika drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.

Anders sieht es in seiner neuen Heimat Neuseeland aus: Nach einem Spruch der Richterin Helen Winkelmann könnte Dotcom dort auf Millionen von Dollar Schadenersatz klagen. Denn der Geheimdienst überwachte ihn und seinen Helfer Bram van der Kolk, obwohl er dies bei neuseeländischen Staatsbürgern nicht darf. Auch die Hausdurchsuchung könnte unrechtmäßig gewesen sein.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schweden Polizei-Razzia gegen The Pirate Bay

Die schwedischen Behörden gehen erneut massiv gegen den Betreiber von Web-Servern vor, die den Austausch von Musik- und Filmdateien ermöglichen. Auch The Pirate Bay ist unter den üblichen Adressen offline. Allerdings die Site im Netz trotzdem erreichbar. Mehr

10.12.2014, 12:03 Uhr | Wirtschaft
Internet-Prozess Keine U-Haft für Kim Dotcom

Kim Dotcom, Gründer der Internetplattform Megaupload, muss zunächst nicht ins Gefängnis. Ein Richter im neuseeländischen Auckland hat entschieden, dass keine Fluchtgefahr oder Verstöße gegen Bewährungsauflagen vorliegen. Mehr

01.12.2014, 12:25 Uhr | Wirtschaft
Türkei Wasserwerfer gegen demonstrierende Lehrer

Eine Demonstration für säkulare Erziehung in Ankara ist von der türkischen Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern aufgelöst worden. Staatspräsident Erdogan verteidigte die Festnahme mehrerer Journalisten und das Vorgehen gegen seinen Widersacher Gülen. Mehr

20.12.2014, 21:01 Uhr | Politik
Neuseeland Cricket-Fan gelingt spektakulärer Fang

Andrew McCulloch schnappte den über das Spielfeld hinaus geschlagenen Ball mit einer Hand. Der sensationelle Fang bringt ihm 5000 neuseeländische Dollar ein. Mehr

12.11.2014, 10:46 Uhr | Sport
Belgien Falscher Zeuge warnt vor Geiselnahme

Im belgischen Gent berichtet ein 18-jähriger von einer Geiselnahme in einem Wohnhaus - und löst damit einen Großeinsatz der Polizei aus. Mittlerweile geht die Polizei von einer Falschaussage aus. Mehr

15.12.2014, 20:19 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.01.2013, 22:59 Uhr

Gabriels falsches Signal

Von Heike Göbel

Sigmar Gabriel hat weiteren Sanktionen gegen Russland eine Absage erteilt. Das ist das falsche Signal. Mehr 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Lehrer und Schüler sind zufrieden mit der Computerausstattung an Schulen

Lehrer und Schüler sind eigentlich zufrieden mit ihrer Internet- und Computer. Doch welche Gruppe ist kritischer mit der Ausstattung? Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden