Die Lohn- und Gehaltszuwächse in Deutschland sind in den vergangenen Jahren im EU-Vergleich eher bescheiden ausgefallen. Laut eines neuen EU-Berichts zur europäischen Einkommensentwicklung 2008 stiegen die Einkommen in Deutschland im vergangenen Jahr real um 0,1 Prozent. Dies besagt eine Studie der EU-Behörde zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dublin (Eurofound), die im Internet veröffentlicht wurde.
2007 seien die Reallöhne sogar um 0,1 Prozent zurückgegangen, heißt es in dem Papier. Damit gehört Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa. Im EU-Durchschnitt hatten laut der Untersuchung die Arbeitnehmer im vergangenen Jahr 1,3 Prozent mehr Geld in der Tasche, im Jahr 2007 betrug der Anstieg der Reallöhne in der Europäischen Union sogar 3,6 Prozent. Allerdings: Die zahlen beziehen sich auf alle 27 EU-Mitgliedsländer plus Norwegen. Blickt man nur auf den Euro-Raum, relativiert sich das Bild deutlich: Hier gingen die Realeinkommen 2008 sogar um 0,1 Prozent zurück. 2007 ergab sich ein kleiner Zuwachs um 0,7 Prozent.
Insgesamt zeigten sich im europäischen Vergleich große Ost-West-Unterschiede in der Einkommensentwicklung: Die deutlichsten Anstiege konnten im Jahr 2008 Lithauen, Lettland und Rumänien für sich verbuchen. Die deutlichsten Realeinkommensrückgänge zeigten sich in Dänemark, Slovenien, Zypern und Malta. Aber auch Österreich, Frankreich, Spanien, Tschechien und Belgien mussten Rückgänge hinnehmen.
Frauen verdienen weniger als Männer
Wie es in dem neuen Bericht weiter heißt, verdienen Frauen in Deutschland 23 Prozent weniger als Männer. Nur in Zypern, den Niederlanden, der Slowakei, in Estland und in Tschechien sind die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern noch größer, wobei für Tschechien nur Zahlen aus dem Jahr 2007 vorlagen. Im EU- Durchschnitt verdienen Frauen 16,6 Prozent weniger als Männer. Am geringsten sind laut der Untersuchung die Unterschiede in Italien (4,4 Prozent), Portugal und Slowenien (jeweils 8,3 Prozent).
Die Europäischen Gewerkschaften kritisierten die Entwicklung der Löhne in Deutschland scharf. Die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen in Deutschland sei ein Skandal, sagte der stellvertretende Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, der Zeitung „Die Welt“.
Der Vizechef der europäischen Gewerkschaften verwies darauf, dass Frauen in Deutschland zwar besser ausgebildet seien, aber dennoch weniger verdienten. Hoffmann: „Die Arbeitgeber in Deutschland müssen endlich umdenken und Frauen gleiche Rechte bei der Entlohnung einräumen. Andere Länder zeigen doch, dass das geht.“
Lesen Sie die gesamte Studie unter: www.eurofound.europa.eu