16.06.2005 · Die beiden EU-Beitrittskandidaten Bulgarien und Rumänien haben bemerkenswerte Reformfortschritte gemacht. Das wirtschaftlich stärkere Kroatien wartet noch auf den Termin für Beitrittsverhandlungen.
Die beiden EU-Beitrittskandidaten Bulgarien und Rumänien sind deutlich ärmer als die acht mittel- und osteuropäischen Staaten, die am 1. Mai 2004 Mitglieder der EU geworden sind. Beide Länder haben jedoch bemerkenswerte Reformfortschritte gemacht. Das Interesse der Auslandsinvestoren wächst. Der näher rückende EU-Beitritt garantiert Stabilität. Attraktiv ist auch der große südeuropäische Markt von 55 Millionen Menschen. Im vergangenen Jahr investierten ausländische Investoren 8 Milliarden Euro in der Region, davon fast 80 Prozent in Bulgarien, Rumänien und Kroatien.
Auch Kroatien hat den Status eines Kandidatenlandes, es wartet allerdings aufgrund der Schwierigkeiten mit dem Haager Kriegsverbrecher-Tribunal auf den Beginn der Beitrittsverhandlungen. Dabei ist Kroatien mit einem Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 6200 Euro reicher als Rumänien (2700 Euro) und Bulgarien (2500 Euro). Der wirtschaftliche Entwicklungsstand Kroatiens ist eher vergleichbar mit mitteleuropäischen Staaten als mit Rumänien oder Bulgarien. Im Vergleich zu dem hohen ausländischen Kapitalstock in den acht neuen EU-Mitgliedern in Mittel- und Osteuropa gibt es jedoch auch in Kroatien noch viel Nachholbedarf. Diese Lücke zeigt sich etwa im niedrigen Produktivitätsniveau.
Enge Handelsbeziehungen
Schon jetzt ist die EU der wichtigste Handelspartner der drei südosteuropäischen Kandidatenländer. Sie nimmt 60 Prozent des Exports auf und liefert 55 Prozent der Einfuhren. Die regionalen Handelsbeziehungen nehmen sich dagegen sehr bescheiden aus. Doch sind die regionalen Chancen durch den gemeinsamen Energiemarkt und die 29 bilateralen Freihandelsabkommen, die jetzt in eine Freihandelszone umgewandelt werden sollen, besser geworden.
Der Privatsektor trägt in Bulgarien mehr als 75, in Rumänien 70Prozent zur Wertschöpfung bei. In Kroatien, wo die Privatisierungen nur stockend vorankommen, liegt der Beitrag des Privatsektors mit 60 Prozent darunter.
Gute und preiswerte Arbeitskräfte
In Bulgarien und Rumänien gibt es ein großes Angebot von gut ausgebildeten und preiswerten Arbeitskräften. Der gute Ruf rumänischer Ingenieure oder bulgarischer Mathematiker und Software-Spezialisten ist bekannt. Ungeachtet der Reformdefizite drängen immer mehr ausländische Unternehmen in den bulgarischen und vor allem in den rumänischen Markt mit seinen 23 Millionen Konsumenten. Die wirtschaftliche Dynamik der Region, die 2004 mit über 6 Prozent gewachsen ist, lockt. Die Automobil-Zulieferindustrie in Rumänien zeigt, daß die Integration einer Branche in die internationalen Netzwerke auch von diesem Standort möglich ist.
Der positive Investitionstrend dürfte sich mit dem näherrückenden Beitrittstermin verstärken. Es dürfte die Investoren kaum schrecken, sollte der Beitritt von Rumänien und Bulgarien - wie dies immer häufiger gesagt wird - um ein Jahr auf 2008 verschoben werden. Vorausgesetzt natürlich, der Reformprozeß geht voran. Die Verzögerung der Beitrittsgespräche hat in Kroatien schon dazu geführt, daß die Reformen stocken. Ein Weiteres kommt hinzu: Unter dem Eindruck des französischen und holländischen Nein zur Verfassung fragen sich die Kandidatenländer bereits, ob sie in der EU noch willkommen sind.
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