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Zukunft der Menschheit : Künstliche Intelligenz überall

Künstliche Neuronale Netze sind eine große Hoffnung - Computer sollen so lernen wie das menschliche Gehirn. Bild: © Steven T. Caputo, CereberallHack.com

Selbstfahrende Autos, digitale Helfer und asiatische Brettspiele: Google setzt zunehmend schlaue Computerprogramme ein. Eine bahnbrechende Erfindung kommt von zwei Deutschen.

          Ke Jie hatte keine Chance. Der 19 Jahre alte Chinese gilt als der Weltbeste im traditionsreichen asiatischen Brettspiel Go, und im Mai traf er auf einen besonderen Gegner. Er stand Alphago gegenüber, einem Computerprogramm der Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google. Der Chinese verlor drei Spiele hintereinander. Es ging ihm dabei nicht besser als dem Koreaner Lee Sedol, ebenfalls ein Weltklassespieler, der im vergangenen Jahr von fünf Partien gegen Alphago nur eine einzige gewann.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ke Jie zeigte sich nach seiner Niederlage frustriert. Im vergangenen Jahr habe der Google-Computer noch wie ein Mensch gespielt, aber diesmal sei er „wie ein Gott“ gewesen.

          Tatsächlich hat die Alphabet-Tochtergesellschaft Deepmind, in der Alphago entstanden ist, das Programm erheblich weiterentwickelt. Ursprünglich bekam es Millionen von Zügen aus Duellen menschlicher Go-Spieler eingespeist. Dann aber fing Deepmind an, Alphago gegen sich selbst spielen zu lassen. Das tat das Programm millionenfach und machte sich damit selbst zu einem immer besseren Go-Spieler. Es wurde sein eigener Lehrer und machte sich ohne großes menschliches Zutun unschlagbar. Der Sieg gegen Ke Jie war eine Demonstration, wozu künstliche Intelligenz imstande sein kann.

          Es geht um viel mehr als Spielerei

          Es hat in der Technologiebranche eine gewisse Tradition, Menschen zu spielerischen Duellen gegen Maschinen antreten zu lassen. Schon im Jahr 1997 sorgte IBM mit seinem Supercomputer Deep Blue für Furore, der den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow bezwang. Im Jahr 2011 gelang dem Konzern ein weiterer Coup mit dem Hochleistungsrechner Watson, der in der amerikanischen Quizshow „Jeopardy“ seinen menschlichen Mitkandidaten keine Chance ließ. Go galt freilich als besonders große Herausforderung: Das Spiel ist komplexer als Schach und erlaubt mehr mögliche Züge.

          Die Go-Duelle waren für Alphabet ein öffentlichkeitswirksames Spektakel. Aber Künstliche Intelligenz ist für den Konzern viel mehr als eine Spielerei. Sie ist gerade dabei, ein zentraler Teil von vielem zu werden, was er heute tut. Das gilt nicht nur für die Tochtergesellschaft Waymo, die selbstfahrende Autos entwickelt und mit Hilfe Künstlicher Intelligenz daran arbeitet, dass sich solche Fahrzeuge sicher im Straßenverkehr bewegen können.

          Auch in der Kerngesellschaft Google, zu der die gleichnamige Suchmaschine und eine ganze Reihe anderer Produkte wie das Handy-Betriebssystem Android und die Videoseite Youtube gehören, spielt Künstliche Intelligenz eine immer größere Rolle. Der Vorstandsvorsitzende Sundar Pichai hat für Google sogar die Devise „AI First“ ausgegeben, also „Künstliche Intelligenz zuerst“.

          Eine neue Ära

          Er meint damit, die Welt bewege sich vom Smartphone-Zeitalter in eine neue Ära. Hätten sich die vergangenen zehn Jahre darum gedreht, Smartphones zu Fernsteuerungen für das Leben zu machen, werde die Interaktion mit Informationstechnik künftig vielfältiger sein und auf einer Reihe verschiedener Plattformen stattfinden. Beispiele aus dem eigenen Haus sind der digitale Assistent „Google Home“ und die zugehörige Software „Google Assistant“, künstliche Helfer, die auf Sprachbefehle reagieren.

          Im Mai demonstrierte Google auf seiner jährlichen Konferenz für Softwareentwickler einmal mehr, wie wichtig Künstliche Intelligenz für das Unternehmen ist. Nicht nur wurde angekündigt, dass die „Assistant“-Software bald auch Deutsch und viele andere Sprachen verstehen werde – die deutsche Version ist am 8. August auf den Markt gekommen.

          Das Unternehmen stellte auch neue Produkte vor, die mit Künstlicher Intelligenz arbeiten. Etwa den Dienst „Google Lens“, der Smartphones in die Lage versetzt, Objekte wie Blumen zu identifizieren, wenn man die Kamera auf sie richtet. Google demonstrierte auch, wie sich das Programm automatisch in ein W-Lan-Netzwerk einwählen kann, wenn die Handy-Kamera auf das zugehörige Passwort gehalten wird.

          Auch Informatiker müssen dazulernen

          Und Google rüstet mit Künstlicher Intelligenz auch existierende Produkte auf. Der E-Mail-Dienst Gmail zum Beispiel schlägt jetzt Antworten auf Nachrichten vor, und Googles Foto-Software regt an, mit welchem Bekanntenkreis man bestimmte Bilder teilen könnte. Pichai sagte auch deutlich: In der „AI First“-Welt überarbeitet das Unternehmen alle seine Produkte.

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