Home
http://www.faz.net/-gqe-798qp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Yahoo kauft Blog-Dienst Tumblr „Wir versprechen, es nicht zu versauen“

Weil Yahoo junge Nutzer fehlen, hat Konzernchefin Marissa Mayer die Übernahme der Blog-Plattform Tumblr für 1,1 Milliarden Dollar eingefädelt. Anders als bei vorherigen Zukäufen verspricht sie aber, das bisherige Team ungestört weitermachen zu lassen.

© dpa Das App-Logo von Tumblr

Der bei jungen Leuten beliebte Blog-Dienst Tumblr gehört künftig zu Yahoo. Das Internet-Urgestein lässt sich diese Verjüngungskur 1,1 Milliarden Dollar (855 Mio Euro) kosten. Um die vielen Millionen Tumblr-Nutzer nicht zu verschrecken, gewährt der Konzern seiner neuen Tochter nach eigenen Angaben größtmögliche Eigenständigkeit.

„Wir versprechen, es nicht zu versauen“, schrieb Yahoo-Chefin Marissa Mayer in einem extra aufgesetzten Tumblr-Blog. Gründer David Karp bleibt Chef der sechs Jahre jungen Firma. „Unser Team wird sich nicht verändern. Unsere Zukunftsplanung wird sich nicht verändern“, beteuerte Karp. Durch die Übernahme stünden nun sogar mehr Ressourcen zur Verfügung.

Marissa Ann Mayer © dpa Vergrößern Yahoo-Chefin Marissa Mayer

Bei vorherigen Zukäufen hatte sich Yahoo zwar gerne die Technik und die Talente gesichert, aber die Dienste oftmals direkt im Anschluss eingestellt. So war es beispielsweise im März bei der Nachrichten-App Summly des jungen britischen Entwicklers Nick D’Aloisio.

Aus dieser Sorge heraus flüchteten scheinbar bereits die ersten Tumblr-Nutzer zum Alternativdienst WordPress. An einem normalen Sonntag würden 400 bis 600 Tumblr-Einträge zu WordPress herübergeholt, schrieb dessen Chef Matt Mullenweg am Wochenende. „In der vergangenen Stunde waren es mehr als 72.000.“

Infografik / tumblr. © dpa Vergrößern

Tumblr macht es Nutzern leicht, einfache Blogs aufzusetzen und Inhalte zwischen ihnen zu teilen. Viele der inzwischen 105 Millionen Tumblr-Blogs setzen stark auf Bilder und Videos. Jeden Tag gibt es 120 000 Neuanmeldungen. „Tumblr ist eines der am schnellsten wachsenden Mediennetzwerke in der Welt“, schrieb Yahoo-Chefin Mayer.

Tumblr machte aber laut Medienberichten im vergangenen Jahr nur 13 Millionen Dollar Umsatz. Um das Geschäft anzukurbeln, werden Yahoo und Tumblr vor allem bei der Werbung zusammenarbeiten, der Haupteinnahmequelle. Yahoo betreibt neben Google und Facebook eines der größten Anzeigensysteme im Internet.

In der Vergangenheit war das Internet-Urgestein aber hinter seine Rivalen zurückgefallen. Die im vergangenen Sommer zur Konzernchefin berufene Mayer soll die Wende bringen. Sie verspricht sich durch den Tumblr-Zukauf eine 50-prozentige Zunahme der Besucher. Vor allem junge Leute sind gern gesehen: Der Konzern räumt selbst ein, dass er ein Defizit in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen hat.

ahoo! to buy blog-maker Tumblr for $1.1 billion: report © AFP Vergrößern Yahoo-Werbung am New Yorker Times Square

Die ehemalige Google-Managerin sondiere mehrere weitere Übernahmemöglichkeiten aus, hieß es im „Wall Street Journal“. Geld ist vorhanden, seitdem Yahoo seine Beteiligung am chinesischen Internetkonzern Alibaba teilweise verkauft hat. Der Tumblr-Kaufpreis fließt fast komplett in bar. Der Abschluss der Übernahme ist in der zweiten Jahreshälfte geplant.

Für Tumblr ist der Preis ein deutlicher Sprung im Vergleich zu bisherigen Bewertungen: Als sich die Firma zuletzt 2011 Geld von Investoren holte, gingen diese von einem Gesamtwert von 800 Millionen aus. Das bedeutet, dass die damals gekauften Anteile nun mehr wert sind - ein gutes Geschäft für die Investoren. Tumblr gehört zur New Yorker Start-up-Szene, die damit weiter gegenüber dem Silicon Valley wieder etwas aufgewertet.

Ein Problem für Yahoo könnte die lasche Kontrolle über Inhalte bei Tumblr werden. Unter anderem sind in vielen Blogs pornografische Inhalte zu finden.

Mehr zum Thema

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Startup Palantir Der mysteriöse Datensammler

Schon mal gehört? Ein Unternehmen namens Palantir soll 20 Milliarden Dollar wert sein. Doch nicht der hohe Wert macht das Unternehmen so interessant, sondern vor allem seine Geldgeber: Ein berühmter Deutsch-Amerikaner - und die CIA. Mehr Von Roland Lindner, New York

29.06.2015, 17:03 Uhr | Wirtschaft
Kommunikation Messaging-Services - die Zukunft sozialer Netze?

Mit mehr als 500 Millionen Nutzern ist WhatsApp der derzeit der erfolgreichste Messenger-Dienst. Smartphone-User verschicken über solche Apps Texte, Bilder, Videos und Sprachnachrichten. Gerade junge Leute verzichten dadurch vermehrt aufs SMS-Schreiben oder die Kommunikation über Facebook. Mehr

20.01.2015, 18:17 Uhr | Wirtschaft
Artikel im Einzelverkauf Wie Apple und Facebook den Journalismus filetieren

Apple und Facebook wollen mit neuen Diensten die Regie über den Nachrichtenmarkt übernehmen. Den Zeitungen bleibt die Zulieferung einzelner Artikel. Über Auswahl und Präsentation entscheiden intransparente Algorithmen. Mehr Von Adrian Lobe

28.06.2015, 13:40 Uhr | Feuilleton
EU-Finanzministertreffen Griechenland will Euro-Partnern entgegenkommen

Einen Durchbruch beim EU-Finanzministertreffen in Riga erwartete Wolfgang Schäuble nicht. Aus Griechenland kamen unterdessen erneut Vorschläge in ungewöhnlicher Form. Die Unstimmigkeiten seien nicht unüberwindbar, schrieb Finanzminister Varoufakis am Freitag in einem Blog-Eintrag. Mehr

27.04.2015, 14:14 Uhr | Wirtschaft
Musikstreaming Taylor Swift zwingt Apple zum Umdenken

Die Sängerin Taylor Swift hat Apple eindringlich dazu aufgerufen, bei seinem Musikstreamingdienst die Bedingungen für Künstler zu verbessern. Mit Erfolg. Mehr

22.06.2015, 10:05 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.05.2013, 19:40 Uhr


Aktienkurse
Name Kurs Änderung
  Nasdaq 100 --  --
  Facebook --  --
  Google --  --
  Apple --  --
  Zynga --  --

Nahles verblüfft

Von Dietrich Creutzburg

Arbeitsministerin Nahles überrascht mit einem Vorstoß zur Eindämmung von Mindestlohnbürokratie. Noch überraschender wäre es, wenn sie diesen neu gewonnenen Spielraum nicht bald ausnutzte. Mehr 0

Grafik des Tages Wo es das günstigste Bier gibt

In Berlin, Frankfurt und München kostet Bier weniger als in vielen anderen Großstädten auf der Welt. Es geht aber auch noch günstiger. Mehr 3