06.10.2005 · Die neue Spielekonsole Xbox 360 soll die Playstation von Sony überflügeln. Nach dem Flop der ersten Generation setzt Microsoft auf technische Erweiterungen und zeitlichen Vorsprung - und kooperiert mit Adidas.
Von Holger Schmidt, AmsterdamDieses Mal will es Microsoft wissen. Wenn am 2. Dezember die zweite Generation seiner Spielekonsole Xbox 360 in Europa in die Läden kommt, will der Softwaregigant aus den Vereinigten Staaten die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. „Wir haben unsere Lektion gelernt“, sagte Robbie Bach, Chef der Microsoft-Unterhaltungssparte, während der Präsentation der neuen Konsole in Amsterdam.
In Europa hatte Microsoft beim Start der ersten Xbox vor allem bei der Wahl des Preises danebengelegen: Für 479 Euro wollte kaum jemand die Konsole kaufen. Die neue Generation kostet - je nach Ausstattung - schon zum Verkaufsbeginn 300 oder 400 Euro.
Erste Xbox machte Verlust
Auch andere Fehler wie das zu geringe Spieleangebot will Microsoft nicht wiederholen: „25 Titel werden bis Weihnachten verfügbar sein“, sagte Stephan Brechtmann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er ist für die Xbox in der deutschen Microsoft-Geschäftsführung zuständig. Mehr als 200 Titel seien für die Xbox 360 in Vorbereitung.
Microsoft steht unter hohem Erfolgsdruck. Denn mit der ersten Generation der Konsole, die zweiundzwanzigmillionenmal verkauft wurde, hat das Unternehmen geschätzte 4 Milliarden Dollar Verlust eingefahren, während Marktführer Sony mit dem Verkauf von rund 90 Millionen Playstation-2-Konsolen immer noch satte Gewinne erzielt.
Microsoft hat es mit seinem Erstlingswerk gerade einmal geschafft, den anderen japanischen Konkurrenten Nintendo vom zweiten Platz in der Rangliste der Konsolenhersteller zu verdrängen und einen Marktanteil von rund 17 Prozent in aller Welt zu erobern.
Steilvorlage im Weihnachtsgeschäft
Damit geben sich die Strategen in Redmond selbstverständlich nicht zufrieden. „Unser Ziel lautet, die Nummer 1 im globalen Konsolengeschäft der nächsten Generation zu werden. In 18 Monaten wollen wir die Gewinnzone erreichen“, sagte Bach der F.A.Z. Beim zweiten Anlauf hat Microsoft nun einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Der Softwareriese hat seine neue Konsolengeneration früher fertig bekommen als Sony oder Nintendo.
Beide Konkurrenten werden ihre neue Konsole erst im kommenden Jahr auf den Markt bringen. Microsoft kann also im Weihnachtsgeschäft vorlegen: „Die Produktion läuft auf vollen Touren“, sagte Brechtmann. Auftragsproduzenten wie Flextronics bauen die neue Box in China zusammen. Allerdings läuft die Produktion erst in zwei der drei Werke, sagte Bach.
Genaue Zahlen nennt Microsoft nicht, aber nach Schätzungen könnten drei bis fünf Millionen Xbox 360 bis zum Jahresende über die Ladentische gehen - wenn Microsoft mit der Produktion nachkommt. „Wahrscheinlich werden nicht alle Interessenten sofort ein Gerät bekommen können. Aber wir werden schnell nachliefern“, verspricht der Chef der Unterhaltungssparte.
Außer Spielen auch Musik und Filme
Drei Jahre haben die Microsoft-Techniker an der Entwicklung der Xbox 360 gearbeitet. „Das Design ist um Lichtjahre besser. Auch der Prozessor ist 10- bis 15mal schneller“, sagte Gerhard Florin, Europa-Chef des weltgrößten Spieleherstellers Electronic Arts, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Allerdings wird die Branche noch Zeit brauchen, um Spiele zu entwickeln, welche die technischen Möglichkeiten der Xbox 360 ausnutzen können, sagte Florin. „Neue Spielegenres werden erst in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen“, sagte Florin.
Daher dominieren zum Verkaufsbeginn die üblichen Action-, Renn- und Sportspiele, die vor allem für die „Hardcore-Spieler“ gemacht sind. Den Vorwurf, Microsoft fehlten neue Ideen für den Spielemarkt, um die erhofften neuen Zielgruppen zu erschließen, läßt Xbox-Manager Peter Moore aber nicht gelten: „Die Gewaltspiele sind ein Problem der ganzen Industrie, vor allem in Deutschland“, sagte Moore.
Gesellschafts- oder Strategiespiele, die in Deutschland mehr Akzeptanz als die Gewaltspiele finden, sind in der Entwicklung, aber zum Verkaufsbeginn noch nicht fertig. Dabei will Microsoft mit der zweiten Generation heraus aus der Nische der jungen, meist männlichen Spielefans und zusätzliche Zielgruppen ansprechen. „Alle Mitglieder eines Haushalts sollen mit der Xbox 360 etwas anfangen können“, hofft Bach. Daher kann die neue Konsole auch Musik abspielen und Filme in hochauflösender Qualität zeigen, die bisher allerdings noch kaum auf dem Markt sind.
Absage an Internettelefonie
Große Hoffnungen setzt Microsoft auf seinen Online-Dienst Xbox Live, bei dem Spieler über das Internet gegeneinander antreten können. Zur Zeit hat der Dienst zwei Millionen Nutzer. „Am Ende der nächsten Generation wird die Hälfte aller Spieler miteinander verbunden sein“, sagte Moore. Die steigende Zahl der Breitbandanschlüsse an das Internet schafft die technische Voraussetzung für die vernetzten High-Tech-Spiele.
In Deutschland strebt Microsoft die Zusammenarbeit mit einem Internetzugangsdienst an, um schnell neue Kunden für Xbox Live zu gewinnen. Die Spieler können dann auch miteinander sprechen. Im kommenden Jahr werde es zudem die passende Internetkamera geben, damit sich die Spieler auch sehen können.
Spekulationen, Microsoft werde mit dem Gerät in das Telefongeschäft einsteigen, erteilte Bach allerdings eine Absage. „Technisch wäre die Internettelefonie nur ein kleiner Schritt, aber das ist nicht unser Markt. Wir sind im Unterhaltungsgeschäft“, sagte Bach.
Kooperation mit Adidas
Auch für das Herunterladen von Filmen oder Musik sei die Xbox 360 nicht geeignet. „Die Festplatte ist für hochauflösende Filme einfach zu klein. Die Xbox ist kein PC“, sagte Bach. Vielmehr nutzt das Unternehmen seine Vormachtstellung auf den heimischen Personalcomputern. Neun von zehn Rechnern arbeiten mit Betriebssystemen von Microsoft. Über ein lokales Funknetz sollen Computer und Spielekonsole künftig miteinander verbunden werden, erwartet Microsoft.
Eine Kooperation mit dem Sportartikelhersteller Adidas soll zudem neue Käuferschichten erschließen. „Wir werden Spielekonsolen in Adidas-Geschäften aufstellen“, sagte Brechtmann. Im Gegenzug wird Adidas die Konsole als Werbeplattform nutzen können. Immer mehr Markenartikelhersteller, die eine junge Zielgruppe ansprechen wollen, arbeiten mit der Spieleindustrie zusammen.
Bandenwerbung in Sportstadien oder Autos in Rennspielen sind schon heute meistverkaufte Werbeplätze. Solche Kooperationen sollen die Akzeptanz der Konsolen in Deutschland erhöhen, die nur in jedem zehnten Haushalt stehen. In anderen Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Großbritannien besitzen rund 30 Prozent der Haushalte eine Konsole.
| Name | Kurs | Prozent |
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| Rohöl Brent Crude | 105,94 $ | −0,85% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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