11.08.2004 · Der Softwarekonzern reagiert auf die Kritik an der Virenanfälligkeit seines Betriebssystems und renoviert Windows XP. Es ist das größte Update aller Zeiten. Probleme bereiten Kompatibilitäten.
Die bisher umfangreichste Softwareaktualisierung zwischen zwei vollständig neuen Versionen des Microsoft-Betriebssystems Windows ist fertig und steht zum Laden aus dem Internet zur Verfügung. Mit dem von Microsoft als Service Pack 2 (SP2) bezeichneten Softwarepaket soll das Versprechen des Microsoft-Mitbegründers Bill Gates eingelöst werden, das am weitesten verbreitete Betriebssystem sicherer zu machen.
Die Renovierung des Betriebssystems funktioniert allerdings nur mit der aktuellen Version Windows XP, die nach Angaben von Microsoft bei rund 40 Prozent der privaten und geschäftlichen Windows-Nutzer installiert ist. Alle Windows-Versionen insgesamt haben einen Anteil von rund 90 Prozent auf dem Markt für Betriebssysteme.
Reaktion auf Virenattacken
Der Softwarehersteller reagiert mit dem SP2 auf die harsche Kritik an der mangelhaften Absicherung seines Betriebssystems gegen Angriffe durch Computerviren oder -würmer sowie unerlaubte Zugriffe von Hackern auf fremde Rechner, die im vergangenen Jahr zu einem ernsthaften Problem für den Ruf des Unternehmens geworden sind.
Die Schwachstellen in Windows XP hatten in den vergangenen Jahren zu immer umfangreicheren Virenattacken geführt. Die bekanntesten Schädlinge dieser Art waren bisher "Blaster" und "I love You", die ganze Unternehmensnetze lahmlegten. Erst im Mai dieses Jahres sorgte der Wurm Sasser für den Ausfall von Millionen Computern - auch in Privathaushalten.
10 000 Programmierer auf das Thema konzentriert
Sicherheitsunternehmen schätzen die Ausgaben, die Unternehmen auf der Welt für den Schutz vor solchen Attacken tätigen, auf bis zu 55 Milliarden Dollar jährlich. Noch nicht eingerechnet sind hier die teilweise langen Ausfallzeiten der Rechner, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Abläufe in den Unternehmen führen.
Microsoft hat sich mit der Antwort auf diese imageschädigende Bedrohung durch die mangelhafte Softwarequalität einige Zeit gelassen. Schon im Januar des Jahres 2002 hatte Gates, der jetzt die Funktion des Chief Software Architect des Unternehmens innehat, die Möglichkeit zur vertrauenswürdigen Nutzung eines Computers - natürlich mit Windows-Betriebssystem - zum obersten Unternehmensziel erklärt. Kurz darauf wurden rund 10 000 Programmierer des Konzerns vorübergehend von ihren bisherigen Aufgaben abgezogen und auf dieses Thema konzentriert.
Nur für Großanwender gedacht
So schnell, wie die Hacker immer neue Sicherheitslücken im Windows-Geflecht ausfindig machten, konnte Microsoft aber trotz dieser Anstrengungen nicht reagieren. Immer neue Software-Bausteine (sogenannte Patches) wurden von Microsoft zur Aktualisierung des Betriebssystems herausgegeben - leider aber häufig nicht von allen Nutzern installiert. Auch deshalb blieben viele Computer nicht nur in privaten Haushalten ungeschützt.
Die jetzt zum Herunterladen freigegebene Version des SP2 ist vor allem für die Systemadministratoren in Unternehmen gedacht oder für andere Nutzer, die mehr als einen Rechner auf den neuesten Stand bringen wollen. Es ist mit einer Größe von fast 270 Megabyte sehr umfangreich und sollte nur geladen werden, wenn eine schnelle Internetanbindung besteht.
Eine kleinere Version, die die automatische Aktualisierungsfunktion von Windows nutzt, soll bis Mitte August zur Verfügung gestellt werden. Diese ist nach Angaben von Microsoft mit 80 bis 100 Megabyte deutlich kleiner, da sie die bisher schon auf dem entsprechenden Rechner installierten Aktualisierungen nicht mehr herunterlädt.
Verbesserte Firewall
Als wichtigste Neuerung des SP2 gilt - neben dem Stopfen der bekannten Sicherheitslücken - die verbesserte sogenannte Firewall, die den Datenverkehr zwischen dem Rechner, dem Heimnetzwerk und dem Internet kontrolliert. Diese wird von einem Sicherheits-Center genannten Programm unterstützt, das den Sicherheitsstatus des Rechners protokolliert.
Hier stehen dem Anwender jetzt deutlich mehr Möglichkeiten zur Konfiguration zur Verfügung. Die jetzt vorgestellte Lösung, für die das Service Pack das Betriebssystem gehörig umbauen muß, gilt nach Ansicht von Fachleuten als durchaus geeignet, um einen deutlich höheren Sicherheitsstandard zu gewährleisten. Sie birgt allerdings auch neue Probleme.
Kompatibilitätsprüfung notwendig
So warnt Microsoft selbst davor, das SP2 in Unternehmensnetzen ohne vorherige Kompatibilitätsprüfung zu installieren. Ähnliche Warnungen kommen inzwischen von IBM, wo den Mitarbeitern verboten wurde, das SP2 auf einem der 400 000 IBM-Computer zu installieren, solange nicht alle Anwendungen auf ihr Zusammenspiel mit der neuen Microsoft-Software getestet sind.
Auch die Hersteller von Sicherheitssoftware wie Symantec oder Trend Micro haben angekündigt, ihre Programme erst noch fit für die Zusammenarbeit mit dem SP2 machen zu müssen. Sonst könnte es zu der absurden Situation kommen, daß sich zwei Sicherheitswächter auf dem Rechner gegenseitig als Störenfriede identifizieren und dadurch den Computer lahmlegen. Ganz ohne Einfluß von außen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,67 | −0,97% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2444 | −0,36% |
| Rohöl Brent Crude | 105,94 $ | −0,85% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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