09.11.2009 · Die goldenen Zeiten in der Telekommunikation sind vorbei. Der Preisverfall drückt den Umsatz trotz steigender Nutzung. Auch der Breitbandmarkt fällt als Wachstumstreiber aus.
Die goldenen Zeiten in der Telekommunikation sind vorbei. In diesem Jahr werden die Umsätze auf dem Festnetzmarkt ebenso sinken wie im Mobilfunk. Der Breitbandmarkt wächst zwar weiter, allerdings mit deutlich weniger Elan als in den vergangenen Jahren. Das ergab eine Studie des Marktforschungsunternehmens Dialog Consult. Der Grund für den Umsatzrückgang sind vor allem sinkende Preise für die Endkunden. Obwohl die Deutschen in diesem Jahr so viel telefonieren und surfen wie noch nie, sorgen Pauschaltarife im Festnetz- und Mobilfunkmarkt für 3,6 Prozent Umsatzrückgang im wettbewerbsintensiven Telekommunikationsmarkt.
Folgen der schwachen Umsätze sind geringere Investitionen und ein Arbeitsplatzabbau in der Branche. Die Telekommunikationsunternehmen haben ihre Sachinvestitionen in diesem Jahr um 600 Millionen Euro auf 5,9 Milliarden Euro gesenkt. Davon entfallen 2,5 Milliarden Euro auf die Deutsche Telekom und 3,4 Milliarden Euro auf ihre Wettbewerber wie Vodafone oder Telefónica/O2. Beide Gruppen haben jeweils etwa 300 Millionen Euro weniger investiert als 2008.
Telekom baut mehr als 10.000 Arbeitsplätze ab
Auf dem Arbeitsmarkt laufen die Deutsche Telekom und ihre Wettbewerber allerdings nicht im Gleichschritt: Während die Telekom in diesem Jahr vermutlich weitere 16 000 Stellen abbaut und dann nur noch 115 000 Menschen beschäftigt, haben die Wettbewerber in diesem Jahre weitere 500 Arbeitsplätze geschaffen und haben nun 54 000 Menschen in Lohn und Brot.
Dominanter Anbieter auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt ist weiterhin die Deutsche Telekom. Der Marktanteil des ehemaligen Monopolisten beträgt im Festnetz- und Breitbandgeschäft rund 52 Prozent, auf dem Mobilfunkmarkt etwa 30 Prozent. Besonders stark ist die Stellung der Telekom auf dem DSL-Markt: Nach Schätzung von Dialog Consult gewinnt die Telekom in diesem Jahr 83 Prozent aller DSL-Neukunden. Werden auch die Haushalte mitgerechnet, die schnelles Internet über das Fernsehkabel beziehen, beträgt der Anteil der Telekom am Neukundengeschäft im Breitbandmarkt knapp 60 Prozent.
Telekom gewinnt Marktanteile zurück
In den vergangenen Monaten seien deutliche Anstrengungen der Telekom festzustellen, den Wettbewerb insgesamt, aber auch den Ausbau der neuen schnellen Netze zu erschweren, kritisiert der VATM, der Verband, in dem die Telekom-Wettbewerber organisiert sind. „Eine zunehmend aggressive Verdrängungsstrategie führt zu einem deutlich ansteigenden Neukundenanteil der Telekom“, klagt Verbandspräsident Gerd Eickers.
„Bei den Wiederverkäufern erleben wir dramatische Einbrüche, da die Deutsche Telekom keine marktgerechten Vorprodukte anbietet.“ Die starke Position der Telekom hat ihre Ursache aber eher in der Schwäche der Wettbewerber, die vor drei Jahren noch 3,5 Millionen DSL-Kunden gewonnen haben, in diesem Jahr aber nur rund 200 000 Kunden hinzufügen können. Damit sind die neuen DSL-Anbieter auch schwächer als die Kabelnetzbetreiber, die 2009 voraussichtlich 900 000 Breitbandkunden für sich gewinnen können.
Integrierte Angebote aus einer Hand gefragt
Auf dem Mobilfunkmarkt haben die Kunden zwar deutlich mehr telefoniert und auch Daten heruntergeladen, aber die gesunkenen Endkundenpreise sind voll auf die Umsatzzahlen durchgeschlagen. „Das Minutenwachstum führt angesichts zunehmender Flatrates nicht zu mehr Umsatz. Die Kunden nutzen insbesondere dann intensiver Mobilfunk, wenn keine zusätzlichen Kosten damit verbunden sind“, sagte Torsten Gerpott, Gründungsgesellschafter von Dialog Consult. Für 2010 erwartet er einen weiteren Umsatzrückgang um 2 bis 3 Prozent.
Ein Trend auf dem Telekommunikationsmarkt geht in Richtung integrierter Angebote. Nach der Deutschen Telekom, die Breitband und Mobilfunk aus einer (Konzern-)Hand anbieten kann, ist auch Vodafone nach der Komplettübernahme der Festnetztochtergesellschaft Arcor zu einem integrierten Anbieter geworden. Auch der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica geht nach der Übernahme des Mobilfunkbetreibers O2 und des DSL-Anbieter Hansenet diesen Weg. Diese Tendenz ist auch bei Firmenkunden immer häufiger zu sehen, da integrierte Angebote ihre technischen Vorteile in Preisvorteile ummünzen können. Nach einer Umfrage des Innovationen Instituts zur Konvergenz zwischen Festnetz- und Mobilfunk finden es zwei Drittel der befragten Entscheider aus Unternehmen heute wahrscheinlicher als vor zwei Jahren, einen Anbieter für alle Telekommunikationsdienste zu wählen. Dabei sind Konvergenzprodukte wie ein Mobiltelefon als vollwertige Nebenstelle oder DSL, UMTS und W-Lan-Anschluss in einem Gerät vielen Befragten als Produkt und damit auch die damit verbunden Kostenvorteile noch nicht einmal bekannt. Viele Unternehmen überprüfen die Kosten, die ihre Telekommunikationsprodukte verursachen, nur sehr selten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,67 | −0,97% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2444 | −0,36% |
| Rohöl Brent Crude | 105,94 $ | −0,85% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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