20.11.2005 · Das Internet kann Wachstum in armen Ländern antreiben. Dafür müssen aber erstmal Anschlüsse geschaffen und vor allem die Kosten gesenkt werden.
Entwicklungspolitik ist häufig Infrastrukturpolitik. Im gerade beginnenden Informationszeitalter ist daher ein kostengünstiger und verläßlicher Anschluß an das Internet oft eine wichtige Voraussetzung für den Zugang zu Märkten.
Doch in kaum einem Indikator haben die Entwicklungsländer so großen Rückstand gegenüber den Industriestaaten wie im Internet: „Trotz spektakulärer Erfolge wie in China, wo in drei Jahren 23 Millionen Breitbandverbindungen geschaffen wurden, sind in vielen Entwicklungsländern weiterhin keine Breitbandanschlüsse vorhanden“, schreibt die Handelsorganisation der Vereinten Nationen (Unctad) in ihrem „Information Economy Report 2005“.
Fast 20.000 Menschen waren daher in der vergangenen Woche nach Tunis gekommen, um beim zweiten Weltinformationsgipfel der Vereinten Nationen nach Wegen zu suchen, die Entwicklungsländer ins Netz zu bringen.
Kein attraktiver Markt in Entwicklungsländern
Neben der Verfügbarkeit der Anschlüsse spielen auch die Kosten eine wichtige Rolle. In den Entwicklungsländern, in denen bereits Internetverbindungen existieren, übertreffen die Zugangskosten das Niveau in den Industrieländern oft um ein Vielfaches. „In Afrika können die Kosten für Internet-Bandbreite hundertmal höher sein als in entwickelten Ländern“, schreibt die Unctad.
Der Grund liegt in der meist geringen Marktgröße der Länder. Damit fehlt den internationalen Netzbetreibern die Attraktivität, die Entwicklungsländer an ihre grenzüberschreitenden Hochgeschwindigkeitsnetze aus Glasfaser anzuschließen. Diese Länder können dann häufig nur über vergleichsweise teure Satellitenverbindungen an die Datenleitungen der Industrieländer angeschlossen werden.
Hohe Wachstumsraten für den Handymarkt
Fehlender Wettbewerb auf den nationalen Märkten sorgt ebenfalls für hohe Zugangskosten. Meist sind die leitungsgebundenen Netze nur schlecht ausgebaut. Eine Chance für Entwicklungsländer sind daher moderne Funktechniken wie Wimax, die schnelle Internetzugänge auch in dünnbesiedelten Regionen zu vertretbaren Kosten möglich machen.
Während Wimax aber noch die Marktreife fehlt, zeigen die Handymärkte in den Entwicklungsländern bereits sehr hohe Wachstumsraten. Mobile Telefonverbindungen lassen sich in Ländern ohne Infrastruktur schneller und günstiger ausbauen als teure Leitungen. Zum Beispiel hatten im vergangenen Jahr 31 von 100 Menschen in Botswana ein Handy. In Namibia betrug diese Zahl 14 Prozent, in Kenia immerhin 8 Prozent, hat die Unctad ermittelt.
Das Internet ist aber nicht nur wichtig für den Zugang zu internationalen elektronischen Marktplätzen. Nach Einschätzung der Unctad kann das Internet zum Beispiel eine wichtige Rolle spielen, um die Informationsasymmetrien auf den nationalen Finanzmärkten auszugleichen. Kreditgeber und -nehmer finden dann leichter zueinander. Einige Entwicklungs- und Schwellenländern haben daher Internetplattformen für Finanzdienste aufgebaut.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,98 | −0,94% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2455 | −0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 105,97 $ | −0,82% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?