Home
http://www.faz.net/-gqm-x5uw
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Web 2.0 Eine Million Weblins bis Jahresende

16.06.2008 ·  Seit dem Ende des Trubels um Second Life ist es in Deutschland auch um Weblin still geworden. Doch im Ausland wächst die Avatar-Gemeinschaft schnell. Nun soll erstmals Umsatz erzielt werden. ...

Von Holger Schmidt
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Die Idee ist preisgekrönt: Menschen treffen andere Menschen mit gleichen Interessen im Internet ganz einfach über den Besuch derselben Internetseite. Sichtbar werden die Besucher in Form der Weblins, kleiner Avatare am unteren Rand des Bildschirms, die sich dann wie in einem Chat miteinander unterhalten können. Das können Google-Nutzer ebenso wie Hundebesitzer sein. Die Idee stammt aus Deutschland, floriert aber nur im Ausland. "Wir werden im Ausland besser aufgenommen als in Deutschland", sagt die Mitgründerin Christine Stumpf. Weniger als 10 Prozent der Nutzer, deren Zahl sechsstellig sei, komme aus Deutschland. Seit dem Ende der Welle um Second Life sei es in Deutschland auch ruhig um Weblin geworden, gibt Stumpf zu. "Das Wachstum kommt vor allem aus dem Ausland. Am Jahresende werden wir eine Million Nutzer haben", hofft Stumpf.

„Henne-Ei-Problem“

Je Tag kommen ein paar tausend Weblins hinzu. In acht Sprachen und mehr als 50 Ländern werde Weblin inzwischen genutzt und komme dort besonders gut an, wo es mit der Demokratie nicht so weit her sei. Die meisten Nutzer seien zwischen 25 und 35 Jahre alt und im Durchschnitt 30 Stunden im Monat aktiv. Besonders häufig treffen sich Weblins auf Seiten wie Ebay, Youtube oder SchülerVZ. Weil es auf diesen populären Seiten manchmal eng wird am unteren Bildrand, können die Avatare jetzt Fahnen schwenken, um die Nationalität ihrer Besitzer anzuzeigen.

Zudem sollen die Weblins künftig auch Kategorien erkennen können, also zum Beispiel die Antiquitätenseiten bei Ebay. Auf kleineren Seiten kann es dagegen schon mal schwierig werden, einen anderen Weblin zu treffen. "Wir haben ein Henne-Ei-Problem", gibt Stumpf zu. Aber selbst wenn sich gleichgesinnte Weblins auf einer Seite treffen, kommt nicht automatisch eine Kommunikation zustande. "Auf Google-Mail hat man sich nichts zu sagen", sagt Stumpf.

Werbe-Avatare und Quiz-Bots

In diesem Jahr steht für Weblin und die 22 Mitarbeiter der dahinter stehenden Zweitgeist GmbH viel auf dem Spiel. Die Weblin-Erfinder müssen beweisen, dass sich mit den Avataren auch Geld verdienen lässt. Spätestens seit dem vergangenen Herbst, als die Deutsche Telekom über ihren T-Online Venture Fund bei Weblin eingestiegen ist, steigt der Druck: "Wir möchten den Investoren zeigen, dass sich damit Geld verdienen lässt", sagt Stumpf. Eine Art, Geld zu verdienen, ist Online-Werbung.

Dann schickt das Unternehmen Avatare los, die sich zum Beispiel über Schuhe unterhalten. Diese Werbe-Avatare lassen sich von echten Nutzern nicht unterscheiden, "weil die Werbekunden das nicht möchten", sagt Stumpf. Die Nutzer werden ihrer Meinung nach aber sehr schnell lernen, welche Avatare mit Werbung daherkommen. Möglich sei auch, "Quiz-Bots" mit Fragen loszuschicken, deren Antworten auf einer Internetseite eingetragen werden müssen. Hinter der Werbung sollen Systeme wie Zanox oder Google-Adsense stehen. Gelangt ein Nutzer über einen Link in einem Werbe-Avatar auf die Internetseite eines Werbekunden, teilen sich Zanox oder Google den Werbeerlös mit Weblin.

Komplett neues Werbeformat

Da Weblin keine Nutzerdaten erhebt, ist die Auslieferung zielgerichteter Werbung schwieriger als in Web-2.0-Gemeinschaften. "Wir können allerdings der Internetseite, auf der sich ein Nutzer bewegt, auch den Inhalt entnehmen und die Werbung darauf anpassen", sagt Stumpf. Das Werbeformat sei allerdings komplett neu und kann daher nur in Einzelkooperationen mit Werbekunden vermarktet werden. Allerdings werde Weblin nur sehr langsam in die Werbung einsteigen. "Bei unserer Nutzerbasis werden wir zu Beginn wenig Werbung machen; unsere Nutzer müssen sich erst daran gewöhnen", sagt Stumpf.

Als zweiter Erlösstrom soll der Verkauf digitaler Güter wie Blumen, Haustiere oder Rauchbomben angekurbelt werden, mit denen sich die Nutzer gegenseitig beschenken können. Da erst Ende 2008 vorsichtig mit der Monetarisierung begonnen wird, werde es Mitte 2009 finanziell wieder eng. Dann sei noch eine weitere Finanzierungsrunde nötig. Gesucht werde ein internationaler Investor. Bis dahin arbeitet das Unternehmen daran, die Zielgruppe zu vergrößern. Im Herbst sollen auch Apple-Nutzer die Software installieren können. Schon in der nächsten Woche soll eine Anwendung für das soziale Netzwerk Facebook online gehen.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Gute Wirtschaftspolitik

Von Winand von Petersdorff

Der Vorwurf: Deutschland lebt mit seinem parasitären Wirtschaftsmodell auf Kosten anderer Länder. Doch die Taktik der Bundesregierung stiftet Vertrauen für die nächsten Jahre. Mehr 15

17.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.848,03 +1,42%
 OK
Umfrage

Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.