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Web 2.0 Das neue Internet und seine Finanziers

Die Web 2.0-Generation bildet ein verschachteltes Deutschland-Netzwerk: Seine Mitglieder sind reich, diskret und unkonventionell. Es sind immer wieder dieselben, die in der Branche die Fäden spinnen. FAZ.NET entwirrt das Geflecht.

© F.A.S., FAZ.NET Web 2.0: Das neue Internet und seine Finanziers

Der Gründer des Internet-T-Shirt-Versands Spreadshirt, Lukasz Gadowski, war Starthelfer für den virtuellen Studententreff „StudiVZ“. Als er für die Idee trommelte, hörte sein Schulfreund und Praktikant Ehssan Dariani davon. Er hatte diese Idee ebenfalls schon. Dariani wurde schließlich mit zwei Kommilitonen Gründer und Chef der jüngsten Erfolgsstory der deutschen Internetszene. Als Investoren gesellten sich später die inzwischen fast legendären Samwer-Brüder zu Gadowski und eine Reihe weiterer Privatinvestoren.

Es sind immer die gleichen Namen, die als sogenannte Business Angels in junge Firmen einsteigen, sie mit Geld und Rat nach oben treiben und dann zuweilen Kasse machen. „Fünf bis zehn Investoren finanzieren die deutsche Gründerszene, mehr nicht“, sagt ein Eingeweihter.

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Man kennt sich

Die Investoren haben gemeinsam, dass sie fast alle selbst Internetfirmen gegründet und geführt haben. Viele haben ihre Unternehmen verkauft oder sich wenigstens aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Jetzt haben sie Zeit, um der Gründergeneration nach ihnen auf die Sprünge zu helfen. Und als die New Economy in die Krise kam, haben sie sich nicht vom Internet verabschiedet - sondern abseits der Öffentlichkeit weiter neue Firmen finanziert und beraten.

Sie kennen sich, die wichtigen Investoren, nicht nur von den großen Branchenkongressen wie der „Digital Life Design“ vergangene Woche in München. Oliver Samwer und Lukasz Gadowski bezeichnen sich als Freunde, sie schicken sich sowieso ständig E-Mails hin und her.

Hochschulen als Kontaktbörsen

Auch zu ihren Schäfchen haben sie einen kurzen Draht. Zu Christian Vollmann zum Beispiel, dem Chef des deutschen YouTube-Klons „MyVideo“, auf der Nutzer selbstgedrehte Videos tauschen können. Vollmann begann während seines Studiums als Praktikant bei Alando, dem Vorläufer von Ebay Deutschland. Später übernahm er das Marketing bei Jamba. Beides waren Samwer-Firmen. Für MyVideo erhielt er sein Startkapital von den Samwers. Vollmann wiederum hilft der Medien-Tauschbörse Hitflip in die Gänge und demnächst der Website „GameGoods“, die Goldstücke für das Online-Spiel „World of Warcraft“ verkauft - und ebenfalls von den Samwers mitfinanziert wird.

Die Gamegoods-Gründer, MyVideo-Chef Christian Vollmann und Business Angel Oliver Samwer: Sie alle haben an der Privat-Uni „WHU Otto Beisheim School“ in Vallendar bei Koblenz studiert. Die WHU ist nicht allein; wichtige Rollen spielen auch die Handelshochschule in Leipzig und die Universität Sankt Gallen in der Schweiz.

„Wer eine Idee hat, kann mich anrufen“

Von diesen Unis kommen viele Kapitalgeber - und darum jetzt auch viele Gründer. „In der Absolventenliste der WHU steht meine Handynummer. Wer eine Idee hat, kann mich anrufen“, sagt Oliver Samwer. „Das ist viel einfacher, als eine Mail zu schicken“ - vor allem, weil die Samwers derzeit von sehr vielen Gründern Bewerbungen um Risikokapital erhalten. Und weil die WHU-Studenten das wissen, denken sie eher über eine eigene Firma nach.

Auch Medienkonzerne wie der Holtzbrinck-Verlag oder Pro Sieben Sat.1 wollen gerne im Web 2.0 mitmischen - doch für sie bleibt meist nicht mehr viel übrig. „Die Samwers sind oft schneller“, sagt der Chef der Risikokapital-Sparte des Holtzbrinck-Verlags, Martin Weber. „Das sind selbst ehemalige Gründer, die sind näher an den Gründern dran.“ Darum müssen die Medienkonzerne oft später einsteigen. Teils zu hohen Preisen, wie zum Beispiel beim „StudiVZ“: Das hat der Holtzbrinck-Verlag den anderen Business Angels Anfang des Monats für geschätzte 80 Millionen Euro abgekauft.

Die Investoren sind oft dieselben

Nur einer außer den Samwer-Freunden organisiert ähnlich erfolgreich Finanzierungen: „Brains to Ventures“, eine Business-Angel-Vermittlung, die drei ehemalige Studenten der Universität Sankt Gallen gegründet haben. Sie haben ein Netzwerk älterer Privatinvestoren aus unterschiedlichen Branchen - und haben damit zum Beispiel die Geschäftsleute-Kontaktseite OpenBC angeschoben, die jetzt Xing heißt.

Die Investoren freilich, das sind trotzdem oft dieselben: zum Beispiel Peter Schüpbach. Er hat mit „Brains to Ventures“ Geld in OpenBC gesteckt und in die Website Plazes, über die Freunde sich gegenseitig mitteilen können, wo sie gerade sind. Schüpbach hat aber auch mit den Samwers und Lukasz Gadowski das StudiVZ vorangetrieben und ist an dem Samwer-Investment Hitflip beteiligt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.01.2007, Nr. 4 / Seite 42

 
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