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Web 2.0 AOL übernimmt Bebo für 850 Millionen Dollar

14.03.2008 ·  850 Millionen Dollar hat AOL für das soziale Netzwerk Bebo gezahlt. Das bewertet jeden aktiven Nutzer mit knapp 40 Dollar. Viel Geld für ein Netzwerk, das sogar auf seinem Heimatmarkt Großbritannien schon von Facebook überholt worden ist.

Von Holger Schmidt
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Das Internetunternehmen AOL hat das soziale Netzwerk Bebo für 850 Millionen Dollar in bar übernommen. Bebo hat nach eigenen Angaben 40 Millionen Nutzer in aller Welt und ist damit die Nummer drei unter den sozialen Netzwerken hinter MySpace und Facebook. Bebo war das letzte große, unabhängige Netzwerk. „Bebo ist die perfekte Ergänzung zu unseren Kommunikationsnetzwerken, dem AOL Instant Messenger (AIM) und ICQ. Kein anderes Netzwerk kann das vorweisen“, sagte Randy Falcon, Vorstandsvorsitzender von AOL. „Die Integration von Bebo mit AIM und ICQ bringt uns in eine führende Position im sozialen Internet“, sagte Falcon. AOLs „social graph“ werde dann auf 80 Millionen Menschen anwachsen. Bebo-Präsidentin Joanna Shields wird nach der Übernahme weiter die Geschäfte von Bebo leiten.

Bebo wurde 2005 in England gegründet und ist hinter Facebook die Nummer zwei unter den sozialen Netzwerken auf der Insel. In Deutschland ist das Unternehmen bisher nicht mit einer eigenen Version am Markt und daher wenig bekannt. 60 Prozent der Nutzer kommen zur Zeit aus Europa, 22 Prozent aus Nordamerika und 16 Prozent aus Asien.

Bebo liegt weit hinter Facebook und MySpace zurück

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Comscore hatte Bebo im Januar eine globale Reichweite von 22, 4 Millionen Nutzern, 76 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bebo liegt damit weit hinter den beiden Marktführern MySpace und Fracebook, die jeweils mehr als 100 Millionen Nutzern hatten. Während MySpace in einem Jahr aber nur um 10 Prozent gewachsen ist, hat Facebook 305 Prozent zugelegt.

In Großbritannien hat Facebook (12,8 Millionen Nutzer und 688 Prozent Wachstum) Bebo (11,4 Millionen Nutzer und 74 Prozent Wachstum) schon überholt. In den Vereinigten Staaten spielt Bebo keine große Rolle. Lediglich im Kriterium der Verweildauer liegt Bebo mit durchschnittlich 217 Minuten je Monat vor Facebook (199 Minuten) und MySpace ( 156 Minuten).

Auch Yahoo war an Bebo interessiert

Bebo stand seit einigen Monaten zum Verkauf und hatte bereits im vergangenen Jahr das Interesse von Yahoo geweckt. Damals gab es Gerüchte, Yahoo biete eine Milliarde Dollar für Bebo. Auch Microsoft, News Corp. und Google waren nach einem Bericht von Techcrunch an Bebo interessiert.

Die jetzige Übernahme lässt außerdem die Vermutung zu, dass AOL nun weniger Interesse (und Geld) hat, Yahoo im Übernahmekampf gegen Microsoft beizustehen. AOL war als Interessent für Teile des Yahoo-Geschäftes gehandelt worden.

AOL setzt Einkaufstour fort

AOL setzt nach mehreren Strategiewechseln inzwischen auf die Online-Werbung und baut dafür in ganz Europa neue Portale auf. Die Bebo-Übernahme soll vor allem der AOL-Werbeplattform einen Schub bringen. Die im vergangenen Herbst gestartete „Platform-A“ soll den Kunden die Möglichkeit geben, Werbung nicht nur auf AOL-Seiten, sondern in einem weit größeren Werbenetzwerk zu buchen.

Die 40 Millionen Bebo-Nutzer seien somit eine willkommene Ausweitung des Netzwerkes. AOL hat in Europa zuvor schon den Adserving-Spezialisten Adtech gekauft, war aber mit der Übernahme des Werbenetzwerkes Tradedoubler gescheitert.

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