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Computerspiele : Was will Amazon mit Twitch?

  • -Aktualisiert am

Twitch hat auch live von der Spielemesse E3 in Amerika gestreamt. Bild: dpa

Für fast eine Milliarde Dollar kauft Amazon die Streamingplattform Twitch, die außerhalb der Computerspiele-Szene kaum jemand kennt. Was steckt dahinter?

          Computer- und Videospiele sind doch nur was für Gamer. Nichts für die Mehrheit. Aber was will Amazon dann mit Twitch? Und warum zahlt der Versandriese auch noch fast eine Milliarde Dollar für die Plattform?

          Auf Twitch kann jeder mit einer kostenlosen Software (Open Broadcaster) streamen, was er will: Videospiele, Online-Tutorials oder sich selbst bei einer kleinen Comedy-Einlage – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dennoch findet man fast nur Let’s Plays auf der Seite. Man schaut also Gamern dabei zu, wie sie ein Spiel zocken und live kommentieren. Mit Kommentaren im Live-Chat kann man sich auch selbst daran beteiligen.

          Auch große E-Sport-Wettkämpfe werden live übertragen, in denen sich Spieler in einem Spiel gegenseitig messen. Genau darauf hat Twitch sich spezialisiert. Im Jahr 2013 hatte es der Streaming-Dienst laut dem Online-Magazin „The Verge sogar geschafft, dass 32 Millionen Menschen sich die Weltmeisterschaft in dem Spiel League of Legends online anzuschauen. Zum Vergleich: Den Super Bowl haben 108,7 Millionen Menschen in Amerika vor dem Fernseher verfolgt.

          Mittlerweile kann man auch Partner von Twitch werden, wenn man selbst streamt, vorausgesetzt man hat regelmäßig mehr als 500 Zuschauer auf seinem Kanal. Ähnlich wie bei Youtube. Man macht also während dem Stream Werbepausen und erhält dafür einen Teil der Einnahmen. Auch ähnlich wie bei Youtube. Das beantwortet aber noch nicht die Frage: Was will Amazon mit Twitch?

          Computer- und Videospiele nehmen doch nur eine Nische ein?

          Die Antwort ist gar nicht so schwer: Amazon hat erkannt, dass Computer- und Videospiele längst nicht mehr nur eine Nische einnehmen. Laut eigenen Angaben hat Twitch 55 Millionen Zuschauer im Monat. Die meisten sitzen in Amerika vor den Bildschirmen. Somit liegt Twitch laut Zahlen von DeepField im „Wall Street Journal“ auf Platz vier der Unternehmen, die den meisten Internetdatenverkehr in den Vereinigten Staaten verursachen. Somit liegt der Streaming-Dienst vor Facebook und Amazon.

          Und die Gamer tummeln sich nicht nur auf Twitch, das außerhalb der Szene bislang kaum bekannt war. Auch auf der populären Konkurrenzplattform Youtube sind sie stark vertreten: Der Youtuber mit den meisten Abonnenten weltweit, Pewdiepie, ist berühmt für seine Kommentare zu allerlei Computer- und Videospielen. Der Youtuber mit den meisten Abonnenten in Deutschland, Gronkh, ist auch ein Let’s Player. Auch auf der Youtube-Startseite ist mindestens ein Video zu einem Computerspiel zu sehen. Und nicht zu vergessen: Die Spielemesse Gamescom ist eine der größten Besuchermessen Deutschlands. Klein ist die Gaming-Branche also auf keinen Fall.

          Amazon und Google haben den Wert von Twitch erkannt und Geld geboten, laut Gerüchten boten beide rund eine Milliarde Dollar. Den Zuschlag hat Amazon gekriegt. Laut Emmett Shear, dem Geschäftsführer von Twitch, lag es daran, dass Amazon die gleiche Auffassung wie Twitch vertrete. Google mit seiner mächtigen Videoplattform Youtube sei aber wegen möglicher Probleme mit Wettbewerbshütern besorgt gewesen, berichtete hingegen das Magazin „Forbes“ unter Berufung auf informierte Personen. Der Branchendienst „The Information“ schrieb, es habe vor allem Differenzen über die Zukunft als Teil von Google gegeben.

          Somit geht der Kampf zwischen Amazon und Google in die nächste Runde: Twitch gegen Youtube, Amazon Prime Instant Video gegen Google Play und den Chromecast. Der Gewinner wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Sicher ist: Die Gaming-Branche wird das Ergebnis mitbestimmen.

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