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Vom Nischenkult zum Trend Wie das Internet Fernsehflops zum Erfolg verhilft

26.09.2006 ·  Der Pilotfilm zur geplanten „Aquaman“-Serie war derart schlecht, daß der Fernsehsender CW das ganze Projekt fallen ließ. Auf iTunes allerdings wurde der Film zum Renner. Kein Einzelfall.

Von Nina Rehfeld, Phoenix
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Es war eine künstlerisch wertvolle Entscheidung der Fernsehmanager des aus den Sendern WB und UPN fusionierten Networks CW, die von WB entwickelte Serie „Aquaman“ nach dem gleichnamigen DC-Comic nicht auf Sendung zu schicken. Schon der Pilotfilm der Superhelden-Saga über einen jungen Atlantier im Überwasser-Exil, die als Kompagnon zur erfolgreichen WB-Serie „Smallville“ über den jungen Superman konzipiert war, ist derart hölzern inszeniert, daß man sich sehnlich wünscht, die dem Exilanten nach dem Lebenden trachtende Killer-Sirene möge das Ensemble mit Haut und Haar verschlingen.

Aber welche Ahnung hat schon das Management eines Fernsehsenders oder gar die Fernsehkritik, was beim Publikum ankommt? Gar keine, wie CWs Verschrottungsversuch von „Aquaman“ auf dem Musik- und Videoportal iTunes zeigt. Dort entwickelte sich der Pilotfilm, Preis: 1,99 Dollar, nämlich überraschend zum meistheruntergeladenen Video der letzten Juliwoche. Und einmal mehr kratzt man sich in den Topetagen der amerikanischen Fernsehwelt am Kopf. Denn erst wenige Wochen zuvor war der nie gesendete Pilotfilm zu einer NBC-Comedy mit dem unheilvollen Titel „Nobody is Watching“ nach seinem plötzlichen Auftauchen auf dem Videoportal Youtube zu solcher Popularität gelangt, daß NBC prompt den Sargdeckel öffnete und sechs weitere Episoden der Comedy bestellte - als fürs Internet gemachte „Webisodes“.

Vom Nischenkult zum Trend

Für die amerikanischen Fernsehsender, die Jahr für Jahr Dutzende von neuen Serien und Shows teuer „anproduzieren“, um sie nach ersten Kritiker- und Zuschauerreaktionen zugunsten anderer Projekte zu verwerfen, tun sich hier ganz neue Perspektiven auf. Denn das Fernsehen ist noch immer ein Mehrheits-Medium - anders als das Internet, wo exzentrische Fangemeinden ein Stück zum Kultobjekt erklären, das dann zum Trend wird. Hier lassen sich für die Sender, je nach Interesse der launischen Web-Gemeinde, auch Stücke aus dem Papierkorb noch lukrativ fürs Netz recyceln, sprich: refinanzieren. iTunes will sich über die Anzahl der „Aquaman“-Downloads zwar nicht äußern, aber Experten schätzen zumindest 15.000 zahlende Fans.

Im Fall von „Aquaman“ fragt sich mancher, ob dem Hype nicht von interessierter Seite ein wenig nachgeholfen wurde. HBOs Comedy-Sendung „Entourage“ über einen aufstrebenden Hollywoodstar und sein Gefolge brachte kürzlich eine Episode über eine „Aquaman“-Verfilmung, die am fiktiven Boxoffice sogar den Rivalen Spider-Man aus dem Feld schlug. HBO gehört ebenso wie DC Comics zum Konzern TimeWarner, und Mark Wahlberg, der Produzent von „Entourage“, hat in den vergangenen Monaten mehrfach sein Interesse an einem „Aquaman“-Projekt fürs Kino bekundet.

Immer mehr gezielte Lecks

Doch während Hollywoods ausgeschlafenere Kreative die Marketingmöglichkeiten von Video-Webseiten entdecken, müssen sich immer mehr Studios mit gezielten Lecks herumschlagen, durch die ungesendete Stücke ins Netz gelangen - sicher nicht selten befeuert vom gekränkten Stolz abgekanzelter Produzenten. Das ist zwar nicht rechtens, könnte aber nicht zuletzt deshalb dem einen oder anderen mittelmäßigen Stück doch noch ein Publikum und dem Studio Einnahmen bescheren.

20th Century Fox jedenfalls zeigte sich entschlossen, die Kontrolle wieder an sich zu reißen, als auf der (kostenfreien) Video-Website Break.com eine Episode der abgelehnten Serie „The Adventures of Big Handsome Guy and His Little Friend“ auftauchte. Man nehme den Schutz seines intellektuellen Eigentums sehr ernst, hieß es in einer Erklärung des Studios, und die Betreiber von Break.com sperrten das Video. Nun bleibt abzuwarten, ob es demnächst über iTunes zu erwerben ist.

Quelle: F.A.Z., 26.09.2006, Nr. 224 / Seite 40
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