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Vodafone Vorstandschef geht in die Offensive

28.05.2006 ·  Konzernchef Sarin kontert die Kritik von Vodafone-Aktionären mit einer Neuausrichtung des Konzerns. Straffere Organisation, erweitertes Angebot und ein Sparkonzept hat er im Programm. Letzteres wird 6.000 Arbeitsplätze kosten.

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Am Dienstag schlägt für Arun Sarin die Stunde der Wahrheit. Der Vorstandsvorsitzende von Vodafone will die Vorlage der Jahresbilanz, in der ein Rekordverlust von voraussichtlich 15 Milliarden Pfund (22 Milliarden Euro) zu Buche schlägt, mit einer neuen Wachstumsstrategie und Sparplänen verbinden.

Gelingt ihm der große Wurf, dürften seine Gegner in der Londoner Finanzmeile verstummen, die den seit fast drei Jahren amtierenden Konzernlenker wegen seines Zauderns bei wichtigen Vorhaben und des Verfalls des Börsenwertes kritisieren. Die Marktkapitalisierung von Vodafone ist innerhalb eines Jahres von etwa 96 Milliarden Pfund auf rund 72 Milliarden Pfund gefallen.

Die Grundlage für die Präsentation am morgigen Dienstag hatte Sarin erst kürzlich geschaffen. Anfang April kündigte er für das britische Mobilfunkunternehmen, das weltweit mehr als 180 Millionen Handykunden unter Vertrag hat, einen umfassenden Konzernumbau an. Danach werde sich Vodafone künftig auf drei Geschäftsfelder konzentrieren: Europa, Schwellenländer und neue Dienste.

Schlüsselposition für Thomas Geitner

Mit der neuen Struktur, die seit Mai wirksam ist, entfällt die direkte Berichterstattung der jeweiligen Landesfürsten an den Konzernvorstand. Im Gegenzug übernahmen drei Bereichsleiter die Regie bei den neu formierten Geschäftseinheiten, die bislang zum engsten Führungszirkel Sarins gehörten.

Die Schlüsselposition im neuen Trio fällt dabei Thomas Geitner zu. Der deutsche Topmanager, der einst im Zuge der Mannesmann-Übernahme zu Vodafone gestoßen war, soll als Chef der Sparte „Neue Dienste und Innovation“ den von Sarin propagierten Wandel vom Mobilfunkbetreiber zum integrierten Medienkonzern schaffen. Auf Basis der Internet-Technik (IP) wolle Vodafone sein Handy-Angebot möglichst mit Kombinationen aus Fernsehen, Festnetz- oder Internet-Diensten via Breitband erweitern, lautet die Vision des Konzernchefs.

Gerüchte über den Kauf eines Festnetzanbieters dementierte die Zentrale in Newbury. Vielmehr dürfte der britische Konzern etwa auf die Dienste seiner deutschen Tochtergesellschaft Arcor zurückgreifen, die voraussichtlich schon im Herbst mit einer Kombination aus Handy und Festnetz im Markt startet. Gleichzeitig werde aber geprüft, ob sich ein weltweit aktiver Online-Anbieter zukaufen oder mit einer strategischen Allianz an das Unternehmen binden lasse, umschreiben Manager von Vodafone die Optionen.

6.000 Arbeitsplätze fallen weg

Geitners Kollege Bill Morrow soll dagegen das Handygeschäft in den angestammten Märkten Westeuropas auf Wachstum und Rendite trimmen. Der Amerikaner hatte sich zuvor als Landeschef in Großbritannien sowie als Sanierer von Vodafone Japan bewährt, bevor Sarin die japanische Gesellschaft jüngst für fast 13 Milliarden Euro an den Internetkonzern Softbank verkaufte. Auch im neuen Amt wird sich Morrow wohl als Sparkommissar profilieren.

Durch den Wegfall von bis zu 6.000 Arbeitsplätzen im Konzern und straffere Arbeitsabläufe sollen in fünf Jahren bis zu 20 Prozent der Fixkosten in zentralen Bereichen wegfallen, lautet die Vorgabe. Allein durch die Übertragung der Informationstechnik auf externe Spezialisten wie IBM oder Hewlett-Packard will Morrow dabei ein Sparvolumen von mindestens 400 Millionen Euro pro Jahr realisieren.

Die harten Schnitte erscheinen angesichts der jüngsten Entwicklung bitter nötig. Ende Februar schockte Sarin seine Aktionäre mit der Nachricht, daß sein Konzern für das vergangene Geschäftsjahr Wertberichtigungen von umgerechnet bis zu 41 Milliarden Euro vornehmen muß.

Keine Eile mit Ausstieg aus Großbritannien

Die Abschreibungen in Rekordhöhe fielen im Zuge der trüben Geschäftsaussichten für Deutschland und Großbritannien sowie im Nachgang der Übernahme von Mannesmann an: Den deutschen Konkurrenten hatte einst Sarins Amtsvorgänger Chris Gent im Jahr 2000 für 190 Milliarden Euro erworben. Gleichzeitig warnte Sarin, daß das Umsatzwachstum im laufenden Geschäftsjahr mit höchstens 6,5 Prozent deutlich unter dem Planwert von 9 Prozent liegen werde.

Die Ernüchterung an der Börse folgte prompt. Die Aktie des mit 105 Milliarden Euro viertgrößten Börsenwertes der britischen Industrie steht seit Monaten unter Druck. Von mehr als 150 Pence Anfang November fiel der Kurs auf weniger als 120 Pence. Namhafte Großaktionäre in der Londoner City fordern, sich von strategisch unwichtigen oder unrentablen Bereichen zu trennen. Größten Handlungsbedarf macht beispielsweise Standard Life beim amerikanischen Investment aus.

Dort ist Vodafone zu 45 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Verizon Wireless engagiert. Das wirft jedoch regelmäßig hohe Gewinne ab. Mit einem Ausstieg hat der Juniorpartner aus Großbritannien deshalb keine Eile: „Wir stellen unsere Beteiligung bei Verizon regelmäßig auf den Prüfstand“, sagt Sarin. Bislang gebe es aber keine Pläne, den lukrativen Pakt in Nordamerika aufzugeben.

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Von Heike Göbel

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