20.08.2008 · In Amerika liefern sich die Videospielehersteller Electronic Arts und Take-Two Interactive einen feindlichen Übernahmekampf. Electronic Arts versucht seit Monaten, Take-Two zu kaufen - aber der umworbene Wettbewerber wehrt sich hartnäckig.
Von Roland LindnerVom heutigen Donnerstag richten sich die Scheinwerfer der Videospieleindustrie auf die Branchenmesse Games Convention in Leipzig. Aber eines der beherrschenden Themen spielt sich jenseits des Atlantiks ab: In Amerika liefern sich die Videospielehersteller Electronic Arts und Take-Two Interactive einen feindlichen Übernahmekampf. Electronic Arts versucht seit Monaten, Take-Two zu kaufen, aber der umworbene Wettbewerber wehrt sich hartnäckig.
Neue taktische Manöver
Es sind zwei der prominentesten Adressen in der Branche, die sich hier gegenüberstehen: Auf der einen Seite Electronic Arts, kürzlich vom fusionierten Konzern Activision Blizzard entthronter Marktführer in der Videospieleindustrie. Auf der anderen Seite Take-Two, ein chronisch krisengeschütteltes Unternehmen, das aber in diesem Jahr mit „Grand Theft Auto IV“ das erfolgreichste Videospiel aller Zeiten auf den Markt gebracht hat. Handelnde Manager sind John Riccitiello, der Vorstandsvorsitzende von Electronic Arts, und Strauss Zelnick, der Verwaltungsratsvorsitzende von Take-Two.
In dieser Woche starteten sie neue taktische Manöver. Electronic Arts zog sein Übernahmeangebot zurück, erklärte sich aber gleichzeitig zu einem Treffen mit Take-Two bereit. Take-Two will Electronic Arts Einblicke in künftige Produktneuheiten und Finanzprognosen geben. Damit will Zelnick demonstrieren, warum das bisherige Angebot von rund 2 Milliarden Dollar nach seiner Ansicht zu niedrig ist. Electronic Arts wiederum ließ verlauten, dieses Angebot sei womöglich sogar zu hoch, da die Übernahme von Take-Two wegen des langen Tauziehens nun nicht mehr vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft über die Bühne gebracht werden kann. An den Finanzmärkten herrschte Verwirrung, ob diese Schachzüge eine Übernahme nun wahrscheinlicher machen oder nicht.
Mit Bilanzierungsmethoden ins Zwielicht geraten
Es ist auch ein Kampf zwischen Riccitielli und Zelncik, Letzterer mit bewegter Geschichte. Der 51 Jahre alte Zelnick kam im Jahr 1994 zum deutschen Bertelsmann-Konzern und stieg dort zum Vorstandsvorsitzenden der Musiksparte BMG auf. Im Jahr 2000 verließ er BMG nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff, Bertelsmann brachte BMG später in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem japanischen Sony-Konzern ein und hat gerade angekündigt, seinen Anteil ganz an Sony zu verkaufen.
Zelnick begann nach seinem Abschied von Bertelsmann, eine eigenen Medien-Holding aufzubauen. Er kaufte angeschlagene Firmen wie den Direktvermarkter Time Life und verkaufte sie wieder. Mittlerweile agiert seine Gesellschaft Zelnick Media weniger als Investor, sondern mehr als Anbieter von Management-Diensten. So wurde Zelnick im Frühjahr 2007 zu Take-Two geholt, nachdem die vormalige Führung auf Druck von Großinvestoren aus dem Unternehmen gedrängt wurde.
Take-Two litt zu diesem Zeitpunkt unter hohen Verlusten und war mit seinen Bilanzierungsmethoden ins Zwielicht geraten. Zelnick übernahm das Amt des Verwaltungsratsvorsitzenden und brachte aus seiner Mediengesellschaft Ben Feder mit, der Vorstandsvorsitzender wurde. Doch im Übernahmekampf mit Electronic Arts tritt Zelnick und nicht Feder öffentlich in Erscheinung.
Das Unternehmen gilt als innovationsschwach
Der drei Jahre jüngere John Riccitiello rückte im vergangenen Jahr fast zum gleichen Zeitpunkt auf den Chefposten bei Electronic Arts, zu dem auch Zelnick bei Take-Two das Ruder übernahm. Ricitiello war zwischen den Jahren 1997 und 2004 schon einmal als Chief Operating Officer beim Spielehersteller. Doch nach dieser Zeit stieg er bei der Beteiligungsgesellschaft Elevation Partners ein, zu deren Gründern der Rocksänger Bono gehört.
Seine Herausforderung bei Electronic Arts liegt nun vor allem auf der Kreativseite: Das Unternehmen gilt als innovationsschwach und lebt vorwiegend von Fortsetzungen etablierter Titel. Riccitiello versuchte, Impulse zu setzen, indem er den Entwicklungsstudios für neue Videospiele mehr Unabhängigkeit gegeben hat. Mit der Übernahme von Herstellers der erfolgreichen „Grand Theft Auto“-Reihe könnte er nun sein Produktportfolio auf einen Schlag um einen Kassenschlager erweitern.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,76 | −0,07% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2534 | −0,32% |
| Rohöl Brent Crude | 107,26 $ | +0,38% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
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