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Videospiele Nintendo steigt aus Wettrennen mit Sony und Microsoft aus

Während sich Microsoft und Sony ein Wettrüsten um die technisch beste Spielekonsole liefern, will Nintendo mit seiner neuen Konsole „Revolution“ vor allem ein möglichst breites Publikum ansprechen - und damit sogar Weltmarktführer werden.

© AP Vergrößern Präsentation des „Gameboy”-Nachfolgers Nintendo DS

Der Markt für Videospiele steht vor einem Quantensprung: Sony, Microsoft und Nintendo stehen kurz vor der Einführung der nächsten Generation ihrer Spielekonsolen. Während sich Sony und Microsoft einen heißen Wettbewerb um den schnellsten Prozessor oder die beste Grafik liefern, geht Nintendo mit seiner neuen Konsole "Revolution" bewußt einen anderen Weg: "Unser Ansatz liegt darin, zusätzliche Nutzergruppen zu erschließen - nicht in neuer Technik. Wir erweitern die Spieletypen und damit die Zahl der Menschen, die mit einer Konsole spielen", sagt Jim Merrick, Marketingchef von Nintendo in Europa.

Während Microsoft und Sony ihre Spielekonsolen zu Multimediageräten aufrüsten, mit denen auch Musik gehört, Filme geschaut oder im Internet gesurft werden kann, besinnt sich Nintendo zurück auf seine Wurzeln. "Nintendo ist ein Unterhaltungskonzern. Wir besitzen keine Filmstudios, wir sind auch keine Hardwarefirma. Auf der "Revolution" lassen sich zwar DVD-Filme abspielen - aber das ist keine wichtige Funktion für uns. Wir bieten statt dessen gute interaktive Unterhaltung. Das ist aber keine Frage der Hardware oder der Leistung. Das ist alles irrelevant. Es kommt nur auf die Spiele an", sagt Merrick.

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Microsoft verfolge zwar ebenfalls die Strategie, eine breitere Zielgruppe anzusprechen. "Aber wir sehen nichts davon - sie produzieren immer noch die gleichen Spiele, die nur für eine bestimmte Gruppe perfektioniert werden. Wir gehen lieber einen Schritt zurück, um die Zielgruppe zu verbreitern", sagte Merrick.

„Nichts für Durchschnittsmenschen“

Das Problem der Branche sei klar: "Ein Durchschnittsmensch kann heute mit einem Videospiel nichts anfangen". Statt der üblichen Bediengeräte (Controller) setze Nintendo daher auf eine Art Fernbedienung wie beim Fernsehen, die alle Menschen gewöhnt seien. "Wenn man heute an einen Videospieler denkt, hat man einen blassen Jugendlichen vor Augen, der Cola trinkt und Chips ißt. Das sollte nicht sein." Ein Weg in Richtung neuer Zielgruppen seien die Nintendogs. Die kleinen Hunde sollen vor allem Mädchen ansprechen. "In Japan ist mehr als die Hälfte der registrierten Nintendogs-Spieler weiblich. Außerdem ist die Altersspreizung sehr viel größer", sagt Merrick. In Deutschland hat Nintendo in den ersten acht Tagen seit dem Marktstart 50 000 Nintendogs-Spiele verkauft.

Das Unternehmen hat traditionell eine starke Position unter den jungen Konsumenten, getragen von Spielen wie "Pokemon" oder "Mario". "Die jüngsten Spieler sind 4 bis 5 Jahre alt. Wir werden unsere Position in dieser Gruppe nicht aufgeben, aber zudem versuchen, bei den älteren Zielgruppen zu punkten. In Japan haben Spiele, die das Gehirn trainieren, großen Zuspruch in der Gruppe der Menschen, die 35 Jahre und älter sind. Das sind nicht die Menschen, die traditionell als Videospieler bezeichnet werden", sagt Merrick.

Revolution billiger als Xbox 360

Neben den Spielen soll auch der richtige Preis für die Verbreiterung des Marktes sorgen: "Wir sind uns der Preissensitivität im Spielemarkt sehr bewußt, vor allem wenn man den Massenmarkt erreichen will. Ich hoffe sehr, daß die "Revolution" weniger kosten wird als die 400 Euro der Xbox 360", sagt Merrick. Die neue Microsoft-Konsole sei so teuer, weil sie zum Beispiel hochauflösendes Fernsehen (HDTV) unterstütze. "Aber nur wenige Menschen können damit etwas anfangen. Wir werden das nicht tun", sagt Merrick. In einem Punkt habe Microsoft aber Maßstäbe gesetzt: der Bildung einer Spielegemeinschaft im Internet. "Nintendo wird ebenfalls eine Online-Spielegemeinschaft etablieren. Aber wir wollen nicht den Fehler machen, einen solchen Dienst zuerst zu monetarisieren und erst später einen Wert für den Konsumenten zu schaffen. Wir wollen mit unserer mobilen Konsole Nintendo DS den anderen Weg gehen: Wenn wir im November den Online-Dienst zum Spiel ,Mario Kart' starten, ist er kostenlos für die Spieler", sagt Merrick. Die Online-Spiele werden bei der Nintendo DS, die in Deutschland bisher 200 000mal verkauft worden ist, nicht als eigenständige Erlösquelle gesehen, sondern als Treiber, um mehr Spiele zu verkaufen. "Bei der Nintendo-,Revolution' werden aber nicht mehr alle Online-Spiele kostenlos sein für die Nutzer", verrät Merrick.

„Über die Xbox 360 machen wir uns nicht allzu viele Sorgen“

Im Weihnachtsgeschäft will Nintendo den Preis für seine aktuelle Konsole Gamecube von 99 Euro nicht senken. 800 000 Konsolen hat Nintendo in Deutschland bisher verkauft und erwartet ein gutes Weihnachtsgeschäft - auch wenn der Gamecube am Ende seines Lebenszyklus angekommen ist und mit der Xbox 360 starke Konkurrenz in den Läden steht. "Über die Xbox machen wir uns nicht zu viele Sorgen. Das Angebot wird begrenzt sein, und die Art der Spiele wird sich nicht an alle Zielgruppen richten. Es wird immer eine Gruppe von Technikfans geben, die sofort die neue Konsolengeneration kauft. Aber der Massenmarkt wird nicht auf das Gerät anspringen - zumindest nicht, bevor sie gesehen haben, was Sony und Nintendo im kommenden Jahr anbieten. Wenn unsere Strategie zieht, eine breitere Kundenschicht anzusprechen, haben wir sehr gute Chancen, bis Ende 2007 weltweiter Marktführer zu werden", hofft Merrick. Seit März habe das Unternehmen rund 1,5 Millionen Nintendo DS verkauft. Bis zum Ende des Jahres sollen drei Millionen DS in Europa verkauft werden.

Auf Handy-Spiele setzt Merrick allerdings keine zu großen Hoffnungen. "Jedes Jahr wird erwartet, daß Handy-Games sich zum großen Geschäft entwickeln. Das ist bisher nicht passiert. Nur sehr wenige Konsumenten kaufen Handy-Games. Die meisten Verbraucher spielen die Spiele, die auf dem Mobiltelefon vorinstalliert sind. Wir haben bisher kein Handy gesehen, auf dem sich unsere Spiele vernünftig spielen lassen. Die zweite Generation des Nokia N-Gage war viel besser als die erste Generation, aber der Ruf war schon verdorben."

Quelle: F.A.Z., 24.10.2005, Nr. 247 / Seite 21

 
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Veröffentlicht: 24.10.2005, 16:53 Uhr


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