09.11.2005 · Die Musikindustrie hat im Kampf gegen Online-Piraterie einen symbolträchtigen Sieg errungen: Grokster, eine der prominentesten Tauschbörsen, hat nach einem außergerichtlichen Vergleich ihre Internetseite geschlossen.
Die amerikanische Musikindustrie hat im Kampf gegen Online-Piraterie einen symbolträchtigen Sieg errungen: Grokster, eine der prominentesten Tauschbörsen, hat nach einem außergerichtlichen Vergleich mit der Musikindustrie ihre Internetseite geschlossen. Nach Jahren der juristischen Auseinandersetzungen mit der Musikindustrie hat Grokster damit kapituliert. Die Gesellschaft plant nun einen Neustart als kostenpflichtiger Dienst.
Bislang hat Grokster den Nutzern seiner Software das kostenlose und illegale Herunterladen von Dateien über den Austausch mit anderen Nutzern ermöglicht. Die Musikindustrie sieht in solchen Diensten einen der wichtigsten Gründe für ihre schwachen Verkaufszahlen in den vergangenen Jahren. Lange Zeit versuchte die Branche erfolglos, die Dienste vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen. Statt dessen behalf sich die Industrie damit, gegen die Nutzer selbst vorzugehen, und startete vor rund zwei Jahren eine Klagewelle gegen Einzelpersonen. Rund 15 000 Personen sind bislang verklagt worden. In vielen Fällen gab es außergerichtliche Vergleiche, und die Nutzer zahlten einige tausend Dollar.
Für den Handel ihrer Nutzer haftbar gemacht
Eine entscheidende Wende im Streit mit den Tauschbörsen brachte im Juni eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Washington: Die Richter entschieden, daß die Betreiber der Online-Dienste für das illegale Handeln ihrer Nutzer haftbar gemacht werden können. Das machte die Tauschbörsen anfällig für Schadenersatzforderungen. In dem Verfahren in Washington stand die Unterhaltungsindustrie Grokster und dem Wettbewerber Morpheus gegenüber, dem Urteil wurde allerdings eine Signalwirkung für alle Tauschbörsen bescheinigt.
Grokster hat nun zugestimmt, sein Tauschprogramm mit sofortiger Wirkung nicht mehr verfügbar zu machen. Auf der Internetseite von Grokster findet sich nun nur noch ein Hinweis auf den illegalen Charakter von Tauschbörsen sowie die Ankündigung, möglicherweise bald einen legalen Dienst zu starten. Allerdings kann Grokster nicht seine bisherigen Nutzer davon abhalten, weiter zu tauschen. Grokster betreibt das Netzwerk nicht selbst, sondern stellt lediglich die Software zur Verfügung. Die Entscheidung von Grokster bedeutet nun lediglich, daß keine neuen Nutzer zum Netzwerk hinzukommen. Die Musikindustrie hofft aber, daß dies Grokster als Tauschplattform auf Dauer schwächt und für die Nutzer unattraktiv macht.
Der Kampf für die Musikindustrie geht weiter
Anders war die Ausgangsposition der Branche im Kampf gegen die Urtauschbörse Napster, die das Netzwerk selbst betrieben und damit eine aktivere Rolle beim Tausch gespielt hat. Napster wurde im Jahr 2001 geschlossen, die Marke gibt es aber mittlerweile wieder als kostenpflichtigen Musikdienst.
Auch nach dem Erfolg gegen Grokster steht der Musikindustrie noch ein langer Kampf bevor. Die Popularität kostenloser Online-Dienste ist trotz des höheren juristischen Risikos für die Nutzer und die Plattformen bislang ungebrochen. Nach Angaben des Marktforschungsdienstes Big Champagne waren weltweit zu jedem Zeitpunkt im September im Schnitt 9,3 Millionen Nutzer an eine kostenlose Online-Börse angeschlossen, vor einem Jahr waren es 6,8 Millionen. Auch der Erfolg legaler Möglichkeiten, etwa der Online-Dienst iTunes von Apple, konnte diese Entwicklung nicht aufhalten. Selbst wenn nun einzelne Gratisdienste so wie jetzt Grokster geschwächt werden, muß die Industrie befürchten, daß neue Tauschkonzepte entstehen - Grokster kam ebenso wie Kazaa auf, nachdem Napster geschlossen wurde. Ohnehin hat Grokster zuletzt bereits Nutzer an andere, oft leistungsstärkere Dienste verloren.
Grokster steht Medienberichten zufolge vor dem Verkauf an das amerikanischen Gründerunternehmen Mashboxx LLC und könnte danach als Marke für einen legalen Online-Musikdienst seine Wiederauferstehung feiern. Mashboxx plant noch in diesem Jahr ein Angebot, das Nutzern vor dem Kauf mehrmaliges kostenloses Anhören von Musik erlaubt. Dazu soll das Unternehmen bereits Lizenzabkommen mit einzelnen Musikgesellschaften geschlossen haben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,88 | −1,02% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2455 | −0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 105,97 $ | −0,82% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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