Home
http://www.faz.net/-gqm-u9oe
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Verbraucherschutz-Charta „Kunden brauchen starken Staat“

15.03.2007 ·  Verbraucherminister Seehofer legte eine Charta vor, die Konsumenten im Internet mehr Rechte und mehr Datenschutz bieten soll. Heftige Kritik kommt von deutschen Wirtschaftverbänden, die zu viel Bürokratie und Regulierung befürchten.

Von Konrad Mrusek
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Bundesminister Horst Seehofer (CSU) hat die Kritik von Wirtschaftsverbänden zurückgewiesen, dass im Verbraucherschutz Bürokratie und übermäßige Regulierung drohten. „Auf diesem Feld bin ich für einen starken Staat“, sagte der Minister am Donnerstag in Berlin. „Wenn man dafür sorgt, dass der Konsument auch bei Online-Geschäften auf gleicher Augenhöhe mit dem Produzenten ist, dann ist dies keine Bürokratie, denn schließlich gibt es im Internet auch betrügerische Energie.“

Seehofer machte die Aussage ganz bewusst im Beisein der neuen EU-Kommissarin für Verbraucherschutz, Meglena Kuneva, denn diese war vor kurzem von der deutschen Wirtschaft wegen ihrer Pläne heftig kritisiert worden.

Recht auf Privatkopien darf nicht blockiert werden

Seehofer legte am Rande einer Konferenz, die sich mit der Verbraucherpolitik in der digitalisierten Welt befasst, eine Charta vor, die Konsumenten mehr Rechte und auch mehr Datenschutz bei Online-Geschäften bieten soll. Diese Charta, die der Minister mit Verbraucherverbänden abstimmte, hatte sich um einige Monate verzögert, weil Einwände von Wirtschafts- und Innenministerium ausgeräumt werden mussten.

Darin werden Banken verpflichtet, Finanztransaktionen stets so sicher wie technisch möglich zu machen, um Risiken von Kunden zu minimieren. Daten von Verbrauchern dürfen nur „mit ausdrücklicher und freiwilliger Zustimmung“ erhoben werden. Das Recht auf Privatkopien bei digitalen Medien darf nicht völlig blockiert werden durch digitale Rechteverwaltung (DRM), und bei Abspielgeräten verlangt die Charta die sogenannte Interoperabilität.

Dies bedeutet, dass es auch in Deutschland demnächst zu juristischen Auseinandersetzungen kommen könnte, wenn etwa Musik, die etwa bei Apples iTunes erworben wurde, nicht auf Geräten anderer Hersteller abgespielt werden kann. Seehofer sagte, die Charta sei noch kein Gesetz, sondern formuliere lediglich Kernprinzipien.

Randstad steigt bei Second Life ein

Der Personaldienstleister Randstad wird künftig auch Arbeitsplätze in der virtuellen Internetwelt Second Life vermitteln. Wie der nach Umsatz und Mitarbeitern größte Zeitarbeitskonzern am deutschen Markt mitteilt, sollen über die virtuelle Niederlassung Personen erreicht werden, die auch im realen Leben auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind.

Der Spieler bekommt das Gehalt für sein virtuelles Ich, den Avatar, in der Second-Life-Währung Linden-Dollar ausbezahlt. Diese können gegen reale Dollar getauscht werden. Randstad erhält wiederum von Auftraggeber eine Provision für jede Vermittlung.

Auch der amerikanische Personalvermittler TMP Worldwide gab bekannt, künftig auf dem virtuellen Planeten in Personalmarketing- und Recruitingangelegenheiten aktiv zu werden. Unternehmen sollen dort Karrieremessen organisieren, Arbeitgeberpräsentationen halten oder Büros betreiben können. Mittlerweile tummeln sich mehr als 4,5 Millionen Mitspieler in Second Life.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1950, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

Jüngste Beiträge

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 10 12

30.05.2012 09:49 Uhr
  Vortag
Dax 6.333,90 −0,98%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.379,88 −1,02%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2455 −0,26%
Rohöl Brent Crude 105,97 $ −0,82%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.