Vittoria Colao lässt keinen Zweifel, woran der britische Mobilfunkmarkt aus seiner Sicht krankt: Zu viele Unternehmen balgen sich um die Marktanteile. „Strukturell herausfordernd“ sei das Geschäft in Großbritannien, klagte der Vorstandschef von Vodafone, als der Weltmarktführer vergangenen Monat seine Jahreszahlen veröffentlichte. Jetzt hat Vodafone ein Auge auf die britische Mobilfunksparte der Deutschen Telekom geworfen. Zusammen könnten beide Betreiber Größenvorteile (Synergien) ausnutzen und damit
kostengünstiger arbeiten.
Seit drei Quartalen schrumpfen im Heimatmarkt die Umsätze von Vodafone dahin. Der gilt als der schwierigste in Europa. Kein Wunder, denn auf der Insel ringt fast alles, was in der Mobilfunkbrache Rang und Namen hat, um die Gunst der Kunden. Außer Vodafone ist die spanische Telefonica mit ihrer Tochter O2 vor Ort, ebenso wie France Telecom mit ihrer Marke Orange und der asiatische Konzern Hutchison Whampoa mit seinem Ableger 3 UK. Auch die deutsche Telekom sucht seit Ende der neunziger Jahre so hartnäckig wie vergeblich den geschäftlichen Erfolg auf der Insel.
In der Bonner Telekom-Zentrale wächst der Handlungsdruck rapide, seit der Konzern Anfang Mai Abschreibungen von rund 1,8 Milliarden Euro auf sein trostloses britisches Mobilfunkgeschäft bekanntgeben musste. Auf der Hauptversammlung mussten sich Telekom-Vorstandschef René Obermann und T-Mobile-Chef Timotheus Höttges von Großaktionären vorrechnen lassen, das Unternehmen habe seit 1999 insgesamt 13 Milliarden Pfund (rund 14 Milliarden Euro) im britischen Mobilfunkmarkt verbrannt.
Vodafone hätte Interesse, sollte die Telekom die Notbremse ziehen und T-Mobile UK zum Verkauf stellen. Zwar wollen sich weder Vodafone noch die Telekom zu dem Thema äußern. Doch in informierten Kreisen heißt es, dass Vodafone gegebenenfalls wohl den Finger heben werde. Vodafone-Chef Colao hat schon vor Monaten klargestellt, dass er an Zukäufen interessiert ist. „Alles ist noch in einem sehr frühen Stadium“, hieß es am Montag allerdings mit Blick auf T-Mobile einschränkend.
Das liegt vor allem an der Telekom, die sich bisher noch nicht im Klaren darüber ist, wie es in Großbritannien weitergehen soll. Telekom-Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim rechnet damit, dass ein Verkauf an Vodafone bis zu 4,5 Milliarden Euro einbringen könnte. Statt einem Komplettverkauf käme auch eine Kooperation in Frage. So dürfte auch Hutchison Whampoa nach einem Partner Ausschau halten.
Nach einer möglichen Übernahme von T-Mobile wäre Vodafone im britischen Mobilfunkgeschäft klarer Marktführer. Genau das könnte zu kartellrechtlichen Schwierigkeiten führen, warnen Analysten. Andererseits wären auch nach einem Zusammenschluss beider Anbieter mit O2 und Orange noch zwei potente Mitbewerber am Markt. Für kartellrechtlich aussichtslos hält Vodafone einen möglichen Milliardenzukauf jedoch offensichtlich nicht.
1998 - Mannesmann
thomas ackermann (chefmixer)
- 29.06.2009, 15:08 Uhr
