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Mittwoch, 19. Juni 2013
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VDSL Telekom-Wettbewerber erwägen gemeinsamen Netzausbau

 ·  Für einen einzelnen Anbieter ist es fast unmöglich, die finanzielle Last eines eigenen VDSL-Ausbaus zu schultern und vor allem das Netz danach wirtschaftlich zu betreiben. Deshalb überlegen die Wettbewerber der Telekom, sich beim Netzausbau zusammenzuschließen.

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Die Wettbewerber der Deutschen Telekom erwägen einen gemeinsamen Netzausbau, um sich die hohen Kosten für die künftigen Hochgeschwindigkeits-leitungen einer VDSL-Infrastruktur zu teilen. Diese Idee ist in der Branche inzwischen häufig zu hören.

Der Grund: Es ist für einen einzelnen Anbieter fast ausgeschlossen, die finanzielle Last eines eigenen VDSL-Ausbaus zu schultern und vor allem das Netz danach wirtschaftlich zu betreiben. Auch macht es keinen Sinn - so reift die Einsicht bei den Wettbewerbern -, wenn jedes Unternehmen sein eigenes VDSL-Netz ausbaut, das dann nur zu einem Bruchteil ausgelastet werden kann. Diese Rechnung gilt unabhängig davon, ob die Telekom gezwungen wird, eine Zusammenschaltung ihrer Infrastruktur mit der der Wettbewerber innerhalb der Schaltstellen auf der letzten Meile zu ermöglichen oder nicht.

„Kein Platz“

Um diese auch als Kabelverzweiger oder KVZ bezeichneten grauen Kästen am Straßenrand gibt es derzeit mächtigen Ärger. Während die Telekom noch nicht einmal damit einverstanden ist, dass die Regulierungsbehörde den Wettbewerbern zugestanden hat, die Kabelschächte zu den Kabelverzweigern auf der letzten Meile nutzen zu dürfen, wollen die Wettbewerber eigentlich keine weiteren Kästen an den Straßenrand stellen, sondern eher mit der eigenen Technik in den Schaltkasten der Telekom hinein. Dagegen setzt sich der Konzern aber stark zur Wehr. „Kein Platz“, heißt es oft und lapidar aus verschiedenen Abteilungen der Telekom. Dennoch wollen die Wettbewerber ihre VDSL-Pläne keineswegs begraben.

Die Zahl der KVZ ist allerdings sehr groß. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 300.000 dieser Schaltkästen. Der Ausbau eines eigenen Netzes bis dorthin ist entsprechend eine Mammutaufgabe. So müssen beispielsweise, allein um die Hamburger Innenstadt mit VDSL zu versorgen, rund 2000 KVZ jeweils mit einer eigenen Glasfaser angeschlossen werden. Im gesamten Hamburger Stadtgebiet sind es etwa 7400. In den Stadtgebieten von Köln, Stuttgart oder Frankfurt sind es immerhin noch jeweils etwa 3000 dieser Kästen.

Notwendigkeit, die Kosten zu teilen

Von dort aus sind es dann jedoch nur noch wenige hundert Meter zum Kunden, und es können Bandbreiten weit über der heutigen DSL-Geschwindigkeit angeboten werden. Dafür hängen aber auch nur jeweils rund 250 bis 300 Kunden an einer einzelnen Schaltstelle. Zu wenig für die jeweiligen Anbieter. Die Investition rechnet sich nicht, da jedes Unternehmen aufgrund des harten Wettbewerbs im DSL-Markt wahrscheinlich nur einen kleinen Teil der Kunden an dem einzelnen Schaltkasten für sich gewinnen könnte.

Nach Berechnungen von Marktbeobachtern lohnt sich der Netzausbau mit eigener Infrastruktur nur, wenn ein Unternehmen einen Marktanteil von 30 bis 50 Prozent in dem einzelnen KVZ erreichen wird. Das schafft derzeit nur die Deutsche Telekom. So entsteht für die Wettbewerber die Notwendigkeit, sich die Kosten zu teilen, um VDSL auch mit kleineren Marktanteilen wirtschaftlich und auch konkurrenzfähig anbieten zu können.

Verschiedene Modelle

Bei den Überlegungen zu einer Kooperation beim Netzausbau, die sich noch in einem sehr frühen Stadium befinden, werden verschiedene Modelle der Zusammenarbeit diskutiert. Auf der einen Seite wird geprüft, ob die Gründung einer gemeinsamen Netzgesellschaft sinnvoll ist, über die die Wettbewerber einen großflächigen Ausbau finanzieren.

Diese Gesellschaft wiederum würde die Netzkapazität dann zu gleichen Konditionen an alle beteiligten Wettbewerber weiterverkaufen. Sie würde im Vorfeld sowohl die Verlegung der Glasfaser bis zum Kabelverzweiger als auch die Zusammenschaltung mit dem Netz der Telekom finanzieren.

„Im Einzelfall durchaus sinnvoll“

„Konkrete Pläne für eine Zusammenarbeit der Wettbewerber beim VDSL-Ausbau gibt es nicht. Im Einzelfall dürften aber Kooperationen durchaus sinnvoll sein“, sagt Peer Knauer, der Präsident des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko), der vor allem die Telekom-Wettbewerber mit eigenen Netzen vertritt.

Als mögliche Beteiligte an einer Zusammenarbeit werden immer wieder die großen Netzbetreiber genannt, die schon heute in den größeren Städten vertreten sind. Dazu gehören neben Arcor und Hansenet auch Versatel oder die Telefónica und das Unternehmen QSC aus Köln. Aber auch große Stadtnetzbetreiber könnten Interesse an einer Kooperation haben.

Als zweite Möglichkeit der Zusammenarbeit wird darüber nachgedacht, beim Ausbau der VDSL-Infrastruktur eine geographische Aufteilung vorzunehmen. So könnte der eine Wettbewerber beispielsweise Berlin und der andere München ausbauen und jeweils die Kosten übernehmen. In der Folge könnten dann jeweils Kapazitäten getauscht werden, und beide Beteiligten wären in beiden Städten präsent.

Gemeinsam mit der Telekom?

Eine dritte Möglichkeit wird derzeit von einigen Stadtnetzbetreibern ins Spiel gebracht. Sie denken darüber nach, ob es angesichts an sich schon hoher Investitionen in den Ausbau bis kurz vor den Haushalt nicht gleich sinnvoll wäre, die Häuser direkt mit einer Glasfaserleitung anzuschließen und die Telekom völlig außen vor zu lassen. Ein solches Projekt betreibt beispielsweise derzeit der Stadtnetzbetreiber Netcologne in Köln. Ob diese eigene Infrastruktur dann mit Wettbewerbern geteilt werden soll, um die Kosten in Grenzen zu halten, ist aber bisher nicht entschieden.

Eine letzte Möglichkeit besteht darin, dass die Wettbewerber gemeinsam mit der Telekom den Netzausbau vorantreiben und dann jeweils Kapazitäten tauschen. Diese Variante wird unter anderem auch vom Branchenverband VATM ins Spiel gebracht. „Die Wettbewerber begrüßen die Investitionen und Netzmodernisierungen und haben der Deutschen Telekom Gespräche über einen möglichen gemeinsamen Infrastrukturausbau angeboten, um bestehende Effizienzpotentiale bestmöglich zu nutzen“, sagte Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM, vor einigen Tagen. Die Hoffnung, dass sich die Telekom auf eine solche Lösung einlässt, wird von Marktbeobachtern allerdings als sehr gering eingeschätzt.

Aus der Not geboren

Unisono heißt es bei den Netzbetreibern aber auch, dass all diese Überlegungen eher aus der Not und aus der hohen Investitionslast eines eigenen Ausbaus geboren sind. Als am sinnvollsten wird immer noch eine Variante erachtet, die den Zugriff auf die Telekom-Technik im KVZ ermöglicht - gegen eine entsprechende Mietzahlung, wie sie heute schon bei der Übernahme der letzten Meile üblich ist.

Die Deutsche Telekom hingegen hat inzwischen 10 Städte mit VDSL versorgt und bietet den Kunden entsprechende Produkte - unter anderem das interaktive Internetfernsehen - an. Bis zum Jahr 2008 sollen 50 Städte mit DSL versorgt sein. Aus Kreisen des Unternehmens ist aber zu hören, dass die Planungen, den Ausbau auf 100 Städte und mehr auszudehnen, weit fortgeschritten sind. Die Investitionen für die ersten 50 Städte werden von dem Konzern auf rund 3 Milliarden Euro veranschlagt. Dieser Ausbau gilt vielen als einer der ersten Schritte des Konzerns zum Ausbau eines neuen Netzes auf der Basis des Internet-Protokolls (IP), das bis zum Jahr 2012 fertig- gestellt werden soll.

Quelle: F.A.Z., 16.07.2007, Nr. 162 / Seite 19
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