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Veröffentlicht: 20.07.2007, 08:48 Uhr

Valleywag Wo über die Google-Jungs getratscht wird

Auf der Internetseite „Valleywag“ gibt es Tratsch aus der Welt der kalifornischen Technologiepromis. Ein Paradethema war die Hochzeit von Google-Gründer Sergey Brin. Die Seite hat im Internet eine ganz ansehnliche Leserschaft gefunden, auch wenn es manchem etwas peinlich ist.

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© F.A.Z./Roland Lindner Megan McCarthy, „Party-Korrespondentin”

Megan McCarthy ist nicht ganz bei der Sache. Sie sitzt im Coupa Café in der Innenstadt von Palo Alto, dem Herzen der kalifornischen Technologiehochburg Silicon Valley, und stochert in ihrem Salat herum. Dabei spitzt sie die Ohren und blickt immer wieder möglichst unauffällig zum Nebentisch. Zwei junge Männer sitzen da, beide vielleicht um die 30, und führen eine rege Unterhaltung. McCarthy schnappt ein paar Wortfetzen auf, von „Wikis“ (Online-Gemeinden) ist einmal die Rede, dann vom Internetmarktplatz Ebay. McCarthy kann sich nicht wirklich einen Reim darauf machen. Aber sie ist sich ziemlich sicher: Bei den beiden handelt es sich um Jungunternehmer aus dem Valley.

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McCarthy sollte es wissen: Das Coupa Café ist ihr Revier, sie ist mit der Kundschaft gut vertraut: „Das ist hier ein Tummelplatz für Unternehmer und Wagniskapitalgeber.“ Und damit ist das Café ein ideales Umfeld für McCarthy. Denn sie schreibt für die Internetseite Valleywag über Neuigkeiten aus der Technologieszene. In dem Blog geht es ganz ausdrücklich nicht nur um wirtschaftliche Themen (wobei eine Exklusivnachricht über einen großen Deal nicht verschmäht wird). McCarthy hat den Titel „Party-Korrespondentin“, und in dieser Funktion soll sie nach Klatsch und Tratsch stöbern, gerne auch aus dem Privatleben.

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Allerhand Buntes über Technologie-Promis

Und so erfährt man bei Valleywag allerhand Buntes über Technologie-Promis, das von klassischen Medien oft ignoriert wird - weil es nicht wirtschaftlich oder technisch genug ist oder von fraglicher Seriosität. Ein Paradethema war die Hochzeit von Google-Gründer Sergey Brin im Mai, über die Valleywag etliche Einträge auf der Seite hatte. Valleywag brüstet sich außerdem damit, im Januar exklusiv die Nachricht von der Verlobung Brins verbreitet zu haben. Die Seite feierte im Februar 2006 sogar ihren Einstand mit einem pikanten Bericht aus dem Google-Reich und meldete, der zweite Gründer Larry Page sei einmal mit Marissa Mayer liiert gewesen, heute eine der höchstrangigen weiblichen Google-Managerinnen. Das schlug im Silicon Valley ein wie eine Bombe und bescherte der Seite vom Start weg eine große Leserschaft, eine Bestätigung seitens der Beteiligten gab es selbstverständlich nie.

Es geht aber nicht immer nur um das Liebesleben der Technologie-Berühmtheiten. So ist es Valleywag auch einen Bericht wert, welches Auto Apple-Vorstandschef Steve Jobs fährt (einen Mercedes CL 500). Und auch Rivalitäten und Nickeligkeiten zwischen Figuren aus der Szene werden gerne aufgegriffen. Aktuelle Unternehmensnachrichten werden oft mit frechen Kommentaren begleitet, so wie zum Beispiel kürzlich der Führungswechsel bei der Internetgesellschaft Yahoo. Und ab und zu hat die Seite tatsächlich harte Wirtschaftsmeldungen zuerst, zum Beispiel im Mai den Kauf der Online-Fotoseite Photobucket durch Rupert Murdochs News Corp. für geschätzte 300 Millionen Dollar (der Preis wurde offiziell nicht genannt).

„Etwas peinlich“

In der Technologiebranche hat sich Valleywag mittlerweile eine ansehnliche Leserschaft aufgebaut: „Wenn ich ehrlich bin, schaue ich da schon ziemlich oft rein, auch wenn mir das etwas peinlich ist“, sagt zum Beispiel Wagniskapitalgeber Peter Thiel, der zu den wichtigsten Investoren bei der aufstrebenden Online-Gemeinde Facebook gehört und selbst schon oft Gegenstand von Schlagzeilen bei Valleywag war. Die Zahl der Besucher schwankt aber sehr stark je nach aktuellem Geschehen. An dem Juni-Tag, als Apple sein iPhone herausbrachte, hatte die Seite mehr als 125.000 Besucher. Manchmal sind es aber auch nur knapp mehr als 10.000.

Valleywag ist Teil eines großen Blog-Konglomerats. Die Seite gehört zum Unternehmen Gawker Media, das insgesamt 14 Blogs zu den unterschiedlichsten Themen betreibt: Zum Beispiel Wonkette für politischen Klatsch aus Washington, Gawker für Neuigkeiten aus der Medien- und Unterhaltungsbranche oder Gizmodo für Konsumelektronik-Fans. Gawker Media macht Umsätze mit Werbung auf seinen Blogs, Zahlen werden aber nicht genannt.

„Klatsch ist für die Wirtschaft relevant“

Für Party-Korrespondentin McCarthy sind die Themen auf Valleywag mehr als pure Unterhaltung: „Klatsch ist für die Wirtschaft relevant“, sagt sie. Das persönliche Beziehungsgeflecht zwischen den Leuten spiele auch im Geschäft eine große Rolle - und sie wittert hier die Chance auf einen Informationsvorsprung in ihrer Arbeit: „Wenn ich weiß, ob zwei Leute miteinander klarkommen oder nicht, dann kann ich auch besser beurteilen, ob Gerüchte über einen angeblichen Deal zwischen den beiden Sinn ergeben.“

Und deshalb mischt sich die 29 Jahre alte McCarthy ständig unters Volk. Tagsüber oft im Coupa Café, wo sie mit ihrem Laptop arbeitet und nach eigener Aussage fast immer ein bekanntes Gesicht aus der Technologieszene sieht. Und dann fast jeden Abend auf Parties, die meist von Unternehmen oder Investoren veranstaltet werden, sei es in Palo Alto oder im gut 50 Kilometer weiter nördlich gelegenen San Francisco. „Das sieht dann so aus: Ich habe den Drink in der einen Hand und den Notizblock in der anderen“, sagt sie. Probleme, Zutritt zu bekommen, hat McCarthy nie, behauptet sie, auch wenn es sich oft um Veranstaltungen für geladene Gäste handelt. „Ich bin ziemlich geschickt darin, mich bei Parties reinzuschleichen. Außerdem hat man es als Frau viel einfacher, weil es in der Szene einen Frauenmangel gibt.“

Der heutige Boom ist anders als 2000

Parties gibt es im Silicon Valley in diesen Tagen wieder sehr viele. Die neue Internetbegeisterung mit Erfolgsgeschichten von Google bis Facebook hat das Valley wieder munter gemacht, nachdem das Platzen der Technologieblase zwischenzeitlich für eine gewisse Lethargie gesorgt hatte. Die Exzesse aus den späten neunziger Jahren und zu Beginn dieses Jahrzehnts, als jede noch so kleine Internetbude zu rauschenden Festen einlud, wiederholen sich aber nicht, meint McCarthy: „Die Parties hier sind am Ende doch eher sachlich und ganz klar Geschäftsveranstaltungen.“

Der heutige Boom äußere sich in anderen Dingen als Ausschweifungen: „Ich erkenne das daran, dass die Unternehmen hier händeringend Softwareingenieure suchen. Ich kann nirgendwo hingehen, ohne gefragt zu werden, ob ich nicht jemanden kenne.“

Quelle: F.A.Z., 20.07.2007, Nr. 166 / Seite 16

 

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