06.01.2004 · Die Computer- und Elektronikbranche auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas ist davon überzeugt, daß dem Zusammenrücken von Fernseher, Stereoanlage und Computer die Zukunft gehört. Intel und Microsoft arbeiten eng zusammen.
Ordentliche Zimmer gibt es zum Beginn der "Consumer Electronics Show" (CES) in Las Vegas höchstens noch beim Softwarekonzern Microsoft. Denn der hat vor den Messehallen vorübergehend gleich eine ganze Modellwohnung mit Schlaf- und Speisezimmern und sogar einer Garage eingerichtet. Ziel von Microsoft ist es, dort die Vorzüge des digital vernetzten Haushalts zu demonstrieren. Die Hotels in Las Vegas hingegen sind ausgebucht. Denn die Computer- und Elektronikbranche ist davon überzeugt, daß dem Zusammenrücken von Fernseher, Stereoanlage und Computer die Zukunft gehört. Dafür bietet in Amerika die CES in Las Vegas genau das richtige Forum; das Erscheinen in großer Zahl ist daher Pflicht.
Und wie einst beim Siegeszug des Personalcomputers (PC) zeichnet sich auch bei der Eroberung des Haushalts durch die moderne Computertechnik eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Chiphersteller Intel und Microsoft ab. Die traditionellen Anbieter von Unterhaltungselektronik sind der Gefahr ausgesetzt, künftig alle wertschöpfenden Teile ihrer Produkte wie etwa die Steuerungselektronik und die zugehörige Software von Intel oder Microsoft zugeliefert zu bekommen.
Facetten der Entwicklung werden deutlicher
Das ist keine neue Entwicklung, inzwischen werden ihre Facetten aber immer deutlicher sichtbar. Gemeinsam mit PC-Herstellern bietet Microsoft schon seit dem Herbst des Jahres 2002 einen auf die Verarbeitung digitaler Medien zugeschnittenen Computer mit dem Namen Media Center PC an, dem ein eher schleppender Start beschieden war, der sich inzwischen aber rund eine Million Mal verkauft hat. Für seine Media-Center-Software will Microsoft-Mitbegründer Bill Gates in Las Vegas nun weitere Partner unter den PC-Herstellern finden. Auch die Videospielkonsole Xbox von Microsoft hat mit ihrer Netzwerkfähigkeit und der Möglichkeit, als DVD-Spieler zu dienen, einen Schritt hin zur Eroberung der Wohnzimmer durch den größten Softwarekonzern der Welt markiert. Auf der CES wird Intel-Präsident Paul Otellini nach den Erwartungen von Branchenkennern nun einen Mikroprozessor vorstellen, der speziell für den Betrieb neuer Fernsehgeräte mit Großbildschirm gedacht ist.
Schon zur Internationalen Funkausstellung in Berlin im vergangenen Jahr hatte Intel angekündigt, in den Geräten der Unterhaltungselektronik "mehr Silizium unterbringen" zu wollen. Die Centrino-Chips, die bisher vor allem in Laptops für einen leisen Betrieb bei niedrigem Stromverbrauch und für die Fähigkeit zur drahtlosen Datenkommunikation sorgen, können die Grundlage für diese Strategie sein. Jürgen Thiel, Geschäftsführer der deutschen Intel-Tochtergesellschaft, ist davon überzeugt, daß in der Unterhaltungselektronik künftig noch viele neue Geräte entwickelt werden, die im Prinzip nichts anderes sind als Computer in einem anderen Gehäuse. Das gelte schon heute für die sogenannten Festplattenrekorder.
Präsent in Wohn-, Kinder- und Schlafzimmern
Thiel kann es sich vorstellen, daß speziell dafür gebaute PC künftig die Rolle eines zentralen Rechners (Servers) übernehmen, der das heimische Unterhaltungsnetzwerk steuert. "Wir werden mit den unterschiedlichsten Produkten in Wohn-, Kinder- und Schlafzimmern vertreten sein", sagt auch Intel-Vizepräsident Louis Burns. Die Hoffnungen von Intel und Microsoft stützen sich vor allem auf die Flut von digitalen Daten, die in einem modern eingerichteten Haushalt inzwischen erzeugt wird: Digitale Still- und Videokameras sind schon seit Jahren Absatzrenner im Weihnachtsgeschäft. T-Online bietet seinen Kunden Spielfilme in voller Länge zum Herunterladen auf die heimische Festplatte an. Musikkonzerne wollen 2004 endlich in größerem Stil Musikstücke online vertreiben.
Vor diesem Hintergrund machen sich Netzwerkspezialisten wie Cisco Systems, die auch Unternehmen dabei helfen, ihre Computer untereinander in Kontakt treten zu lassen, zunehmend Gedanken über bequemere Möglichkeiten zur Vernetzung der Privathaushalte. Gemeinsam mit Motorola, Matsushita, Toshiba und anderen arbeitet Cisco deshalb zur Zeit an einer Technik, die die Datenübertragung über die in den Häusern und Wohnungen schon vorhandenen Fernsehkabel ermöglichen soll. Die Technik hierzu wurde ursprünglich von einem kleinen Unternehmen mit dem Namen Entropic Communications entwickelt.
Intel wiederum wird sich in Las Vegas wenigstens in einer Beziehung gegen Microsoft stellen: So haben sich die fünf Technologiekonzerne Intel, Nokia, Samsung und wiederum Toshiba und Matsushita zu einem Konsortium zusammengetan, um gemeinsame Lösungen zur Wahrung und Verwaltung von Urheberrechten bei der Übertragung von digitalen Medien vorzustellen. Der größte Wettbewerber auf diesem Markt ist abermals Microsoft.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,88 | −1,02% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2455 | −0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 105,97 $ | −0,82% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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