04.01.2006 · Auf der Messe CES in Las Vegas wird von diesem Donnerstag an die Unterhaltungselektronik vorgestellt, die im Jahresverlauf in den Läden stehen soll. Nicht nur Bill Gates spekuliert darauf, daß der Computer seinen Umzug vom Arbeits- ins Wohnzimmer vollzieht.
Was haben Bill Gates, Howard Stringer und Larry Page gemeinsam? Abseits der Tatsache, daß der Chief-Software Architect von Microsoft, der Sony-Chef und der Google-Gründer zu den Top-Managern der Informations- und Unterhaltungselektronik gehören, werden sich die drei in den nächsten Tagen in Las Vegas treffen, um ihre Strategie für das Jahr 2006 zu enthüllen.
Dort ist ab Donnerstag Show-Time der besonderen Art: Als erste Leitmesse des Jahres öffnet die Consumer-Elektronic-Show (CES) in der amerikanischen Wüstenstadt ihre Pforten. Traditionell werden während dieser - rein auf den Endkundenmarkt konzentrierten - Veranstaltung Neuheiten der Branche vorgestellt, die im Jahresverlauf in den Läden stehen sollen. Die drei Manager - ergänzt durch Intel-Chef Paul Otellini und Terry Semel von Yahoo - werden die zentralen Reden der CES halten, die meist mehr als floskelhafte Grußworte sind.
Erwartungen übertroffen
Die Zusammenstellung der Redner für die Veranstaltung in diesem Jahr zeigt symptomatisch, welche Kräfte in der Unterhaltungselektronik derzeit wirken. Im Vordergrund steht die Frage, wie die Wertschöpfungskette der Unterhaltungsindustrie künftig aussehen wird und welche Unternehmen an der Verbreitung und Wiedergabe von Inhalten wie Filmen, Musik oder Bildern künftig beteiligt sein werden.
Dabei geht es keineswegs um kleine Summen. Der Markt für Unterhaltungselektronik hat in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr ein Volumen von fast 126 Milliarden Dollar erreicht und damit die hoch gesteckten Erwartungen des Branchenverbandes Consumer Electronics Association's übertroffen. Für das laufende Jahr wird mit einem Wachstum von rund 8 Prozent auf mehr als 135 Milliarden Dollar gerechnet. In Europa wurden 2005 mehr als 55 Milliarden Euro für Fernseher oder MP3-Player ausgegeben.
Vom Arbeits- ins Wohnzimmer
Angesichts dieser Wachstumszahlen will auch Microsoft nicht abseits stehen. Bill Gates spekuliert darauf, daß der Computer seinen Umzug vom Arbeits- in das Wohnzimmer der Verbraucher im kommenden Jahr beschleunigt fortsetzt und sich dort endgültig als Wiedergabe- und Speichergerät für unterschiedlichste Inhalte einnistet - natürlich gesteuert durch ein Microsoft-Betriebssystem, das speziell diesen Anforderungen genügt. Die Media-Center-Edition genannte Spezialversion von Windows ist schon seit einiger Zeit auf dem Markt, hat aber harte Konkurrenz durch das freie Betriebssystem Linux, ist nicht besonders erfolgreich und bedarf daher zumindest einer Marketing-Auffrischung. Auch wird erwartet, daß Gates etwas zur Rolle der neuen Spielkonsole X-Box-360 im digitalen Wohnzimmer sagt.
Während Gates auf die Steuerung der Geräte durch Microsofts Software aus ist, will Paul Ontellini seine Intel-Chips am liebsten direkt in den Fernseher einbauen. Der größte Halbleiterhersteller der Welt hat dafür extra eine neue Marke geschaffen und will mit der Chip-Generation Intel Viiv - gesprochen Wife - dafür sorgen, daß die Annehmlichkeiten der bisherigen Geräte der Unterhaltungselektronik mit der Leistungsfähigkeit der Computer verknüpft werden. Dazu gehört eine kurze Einschaltzeit oder auch die geringe Hitzeentwicklung, welche lüfterlose und damit leise Geräte ermöglicht.
„Spring voraus“
Viiv wird eine der drei Kernmarken für Intel-Prozessoren unter der neuen Dachmarke Intel „Leap ahead“ - zu deutsch ungefähr „Spring voraus“. Branchenbeobachter rechnen damit, daß der Chiphersteller während der CES eine Reihe von Kooperationen mit Unternehmen der klassischen Unterhaltungselektronik, wie Sony, Philips oder auch Panasonic bekanntgeben wird, die Viiv-Geräte ins Programm nehmen werden.
Sony-Chef Howard Stringer hingegen muß in Las Vegas um verlorenes Vertrauen in die Innovationskraft der Marke Sony kämpfen. Der Konzern steckt in Schwierigkeiten und hat in den vergangenen Jahren gleich mehrere Markt-Tendenzen völlig verschlafen. Konkret erhoffen sich die Besucher in Las Vegas von ihm Neuigkeiten und vielleicht erste Bilder zur Spielekonsole Playstation 3, die im Verlauf des Frühjahres auf den Markt kommen soll.
Per Mausklick Filme bestellen
Terry Semel und Larry Page auf der anderen Seite gehen ganz eigene Wege, die die Branche aber umkrempeln könnten. So plant Google Gerüchten zufolge ein preiswertes Endgerät mit eigenem Betriebssystem, das in der Lage ist, Inhalte wie Filme oder Musik aus dem Internet auf den Fernseher auszugeben. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein Breitbandanschluß wie zum Beispiel DSL. Damit würde Google - wahrscheinlich in Kooperation mit dem Partner AOL - in das Mediengeschäft einsteigen und zum direkten Wettbewerber von Microsoft und Intel. Yahoo hingegen hat gerade durch seine Kooperation mit Tivo, einem Hersteller von Festplattenrekordern, von sich reden gemacht.
Hierbei kann der Kunde dierekt von der Yahoo-Internetseite per Mausklick Filme bestellen, die dann von dem Tivo-Gerät aufgezeichnet werden. Diese direkte Verknüpfung von Internetinhalten wie Programmführern oder Filmkatalogen gilt als Paradebeispiel für die künftige Struktur der Medienangebote für den privaten Haushalt und deren Nutzung.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,88 | −1,02% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2455 | −0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 105,97 $ | −0,82% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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