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Unterhaltungselektronik „Ein Preisverfall von bis zu 30 Prozent ist gesund für die Branche“

04.09.2006 ·  Gee Sung Choi, Vorstandschef von Samsung Digital Media Business, über die goldene Zukunft der Flachbildschirme und weiter fallende Preise in der Unterhaltungselektronik.

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Samsung Electronics ist heute nach eigenen Angaben der größte Hersteller von Unterhaltungselektronik der Welt. Darüber hinaus werden Computerchips und Mobiltelefone produziert. Das Unternehmen wächst weiter mit einer enormen Geschwindigkeit und hat seinen Umsatz seit dem Jahr 2001 auf rund 56 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Knapp ein Drittel davon entfällt auf das Geschäft mit den auf der Internationalen Funkausstellung (Ifa) gezeigten Geräten. Bis zum Jahr 2010 soll der Umsatz auf mehr als 100 Milliarden Dollar steigen.

Herr Choi, die Internationale Funkausstellung in Berlin präsentiert schon im dritten Jahr in Folge die flachen Fernseher als Treiber der Branchenkonjunktur. Wie lange hält dieser Aufschwung noch?

Was wir im Moment erleben, unterscheidet sich deutlich von den früheren Konjunkturzyklen dieser Geräte. Im Jahr 2000 und davor wußte kaum noch jemand, warum er sich einen neuen Fernseher kaufen sollte. Die Bildröhren wurden zwar auch damals schon immer größer, damit aber wurden auch die Geräte klobig, und man konnte sie kaum noch aufstellen. Der Markt stagnierte oder war sogar rückläufig. Schon damals gingen die Preise immer weiter zurück. Diese Stagnation ist durch die flachen Fernseher gebrochen worden. Sie sind heute zu sehr attraktiven Preisen auf dem Markt - und man kann sie vor allem überall hinstellen, wo sonst der Platz fehlte.

Und wie lange wird dieses außerordentliche Wachstum halten?

Dieser Trend wird mindestens zehn Jahre dauern. Wir sehen in der Branche ein dauerhaftes und nachhaltiges Wachstum. Die hohen Zuwachsraten werden uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben.

Welches Wachstum erwarten Sie?

In den kommenden Jahren werden wir die dreistelligen Zuwächse der Anfangsphase nicht mehr aufrechterhalten können. Aber wir rechnen dauerhaft mit einem jährlichen Wachstum von 10 Prozent oder mehr für den Umsatz mit Fernsehgeräten in der Welt. Traditionell lagen diese Raten eher bei 2 bis 3 Prozent. Daran wird deutlich, daß wir uns in einer boomenden Branche bewegen.

Die Konkurrenz wächst - gerade in Europa. Sharp hat während der Ifa angekündigt, hier mit preiswerten großen LCD-Bildschirmen anzugreifen, und auch der sonst eher auf Plasma-Displays konzentrierte Anbieter Panasonic geht stärker in das LCD-Segment des Marktes. Wie reagiert Samsung darauf?

Wir brauchen solche Herausforderungen. Samsung ist heute international und auch in Europa Marktführer bei den LCD-Bildschirmen. Daher begrüßen wir diesen verschärften Wettbewerb. Das macht uns härter und stärker. Wir haben zum Beispiel unseren Marktanteil im deutschen Markt für Unterhaltungselektronik in den vergangenen zwölf Monaten von 3,5 Prozent auf 10,7 Prozent gesteigert.

Drückt der härtere Wettbewerb nicht auf die Margen in dem Geschäft?

Samsung Electronics ist profitabel. Wir bringen keine Produkte auf den Markt, mit denen wir keinen Gewinn machen. Es schafft keinen dauerhaften Erfolg, unprofitable Geräte auf den Markt zu bringen, um sich dadurch Marktanteile zu kaufen. Auch weil wir das nicht tun, sind wir zu einem der profitabelsten Unternehmen der Branche geworden.

Deren durchschnittliche Marge liegt bei zwei bis drei Prozent ...

... und unsere Ertragskraft liegt darüber.

Wie kann das sein bei dem immensen Preisverfall?

Preisrückgänge von 20 bis 30 Prozent sind gesund für die Branche. Im vergangenen und in diesem Jahr sehen wir sogar einen Preisverfall von bis zu 45 Prozent für manche Produkte. Das kurbelt die Nachfrage an, vorher waren die Preise zu hoch. Wenn das der Fall ist, verkaufen sich auch die faszinierendsten und tollsten Geräte nicht.

Jetzt hat die erste Welle der Kunden einen flachen Fernseher gekauft, und die Verwandten, Freunde und Kollegen fragen sich, ob sie sich ein solches Gerät nicht auch zulegen sollten. Das bringt Schwung in den Markt, und es bleibt noch viel Raum für weiteres Wachstum. Wir machen uns um den Preisverfall keine Sorgen. Er ist gut für uns.

Wie halten Sie die Profitabilität?

Auf der einen Seite senkt die wachsende Nachfrage die Stückkosten, weil wir richtig in die Massenproduktion einsteigen können. Auf der anderen Seite überarbeiten wir ständig den Produktionsprozeß und senken hier die Kosten durch den Einsatz neuer Techniken deutlich.

Samsung ist die Nummer eins. Wo sehen Sie noch Schwächen im Konzern?

Wir sind noch nicht überall ganz vorne dabei, und es gibt Bereiche, in denen unsere Wettbewerber einen besseren Job machen als wir.

Zum Beispiel?

Der Markt für MP3-Abspielgeräte wird bisher von einem einzigen Unternehmen dominiert. Das ist nicht gesund für die Branche. Es war sehr geschickt von Apple, die Geräte mit der Software zum Herunterladen von Musik so eng zu verknüpfen. Wir hatten damals nicht die Nähe zu den Musikstudios. Daher ist uns eine solche Lösung nicht geglückt.

Sie haben vor einigen Tagen angedeutet, einen ähnlichen Musikdienst aufbauen zu wollen.

Wir haben jetzt einen besseren Kontakt zu den Studios. Der Markt befindet sich hier noch im Anfangsstadium.

Die Industrie leistet sich gerade den Zweikampf der neuen Speicherformate Blu-Ray und HD-DVD. Ist das nötig?

Für den Konsumenten wäre eine einheitliche Lösung besser. Es hat auch Gespräche darüber gegeben, die aber nicht zu einem Erfolg geführt haben. Jetzt wird der Wettbewerb entscheiden. Es wird darauf ankommen, wer die meisten Inhalte für die entsprechende Technik anbieten kann. Wir glauben, daß sich Blu-Ray durchsetzt, da die meisten Unternehmen der Unterhaltungselektronik und die meisten Hollywood-Studios diese Variante unterstützen.

Welche Trends sehen Sie, die die Branche in zehn Jahren prägen werden?

Der Wechsel von der analogen zur digitalen Technik wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen. Dieser Übergang führt dazu, daß immer mehr interaktive Elemente in die Unterhaltungselektronik einziehen werden, die bisher eher eine Einbahnstraßen-Kommunikation ist. Auch werden die Geräte noch individueller gestaltet sein.

Also wie ein Automobil, wo man sich alle möglichen Konfigurationen zusammenstellen kann?

Nicht ganz so. Wir werden bei Samsung aber noch stärker auf die Trends in der Branche achten und unsere Produktpalette immer wieder mit neuen Varianten erweitern.

Die Ifa findet jetzt jährlich statt, und auch Messeauftritte sind teuer. Wie sehen Sie die Messelandschaft nach dem Turnuswechsel?

Darauf geben die Trends in der Industrie die Antwort. Die amerikanische Computermesse Comdex ist zum Beispiel verschwunden, weil die Computerindustrie Sättigungstendenzen zeigte. Das war eine natürliche Entwicklung. Ebenso ist es richtig, daß die Ifa in dieser Wachstumsphase auf einen jährlichen Turnus einschwenkt. Aber die Cebit in Hannover kommt mit ihrer Ausrichtung auf die Informationstechnik unter Druck.

Sollte man sich also um die Cebit Sorgen machen?

Die Cebit hat - über die Trends in der Industrie hinaus - eine Menge limitierender Faktoren. Die Hotels in Hannover sind extrem teuer, der Transport oft schlecht. Die Stadt Hannover kümmert sich nicht um diese Probleme, und so kommen viele unserer Kunden lieber nach Berlin.

Hier ist es viel besser. Es gibt keine klare Differenzierung zwischen Informationstechnik und Unterhaltungselektronik mehr. Daher werden die Aussteller dorthin gehen, wo die bessere Umgebung geboten wird. Wenn wir einen Grund dafür finden, nicht mehr zur Cebit zu gehen, werden wir das tun.

Das Gespräch führte Johannes Winkelhage.

Quelle: F.A.Z., 04.09.2006, Nr. 205 / Seite 14
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