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„Unter fünf Euro“ Die zweite Fernsehgebühr ist da

01.03.2006 ·  Die Zeiten des sogenannten „freien Fernsehens“ sind im Privatfernsehen bald endgültig vorbei: Der Satellitenbetreiber Astra und die Privatsender bitten die Zuschauer künftig zur Kasse, wenn das Bundeskartellamt nicht noch einschreitet.

Von Michael Hanfeld
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Lange, lange wurden die entsprechenden Berichte der F.A.Z dementiert (Privatsender wollen Geld von den Zuschauern), doch jetzt ist es endgültig offiziell: Nach der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 hat nun der Satellitenbetreiber SES Astra bestätigt, daß es das digitale Fernsehen auch für Zuschauer, die ihr Programm über Satellit empfangen, kostenlos nicht mehr gibt.

Es fällt vielmehr eine monatliche Gebühr an, die nach den Worten des Astra-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Kayser „unter fünf Euro“ liegen soll. Die Zuschauer müssen jedoch nicht nur diese neue Gebühr bezahlen, viele müssen sich auch neue Decoder mit einer Zugangskarte anschaffen und darüber hinaus eine einmalige Freischaltgebühr zahlen.

Nicht mehr zum Nulltarif

Die Pläne werden offenbar von den beiden großen Privatfernsehkonzernen Pro Sieben Sat.1 und RTL unterstützt. Die Zeiten des sogenannten „freien Fernsehens“ oder „Free TV“ sind im Privatfernsehen damit bald endgültig vorbei. Die über Rundfunkgebühren finanzierten Sender ARD und ZDF lehnen dagegen ein zusätzliches Entgelt für den Empfang ihrer Programme ab. Zur Begründung für die Gebühr, die allgemein verbindlich ist, gibt Astra an, daß die Erweiterung der digitalen Satellitentechnik Investitionen erfordere. Das Satellitenfernsehen der Zukunft könne es deshalb nicht mehr zum Nulltarif geben. Zudem ermögliche die Gebühr den Sendern den Aufbau neuer interaktiver Anwendungen sowie die Verbreitung des hochauflösenden Fernsehens HDTV. Mit der Verschlüsselung könnten zudem Programmrechte wie etwa im Sport geographisch präzise abgegrenzt werden.

Für die Sendeabwicklung sei die Münchner Astra-Tochter APS zuständig. Die Infrastruktur sei offen, das Angebot wende sich an alle Sender. SES Astra übernehme die Codierung der Sendesignale, die Verbreitung von Zugangskarten sowie den Kundendienst. Astra verbreitet über dreizehn Satelliten mehr als 1500 analoge und digitale Fernseh- und Radiokanäle an etwa 130 Millionen Satelliten- und Kabelhaushalte in Europa. Zwei bis drei Jahre lang wird es einen „Simulcast“-Betrieb geben, das heißt, es werden die Programme zunächst parallel kostenfrei weiterverbreitet. Danach kommt die zweite Rundfunkgebühr.

Schützen kann die Zuschauer vor diesem Schritt, mit dem die Sender und Astra die Kosten der digitalen Revolution ganz allein auf die Nutzer abwälzen, zunächst das Bundeskartellamt. Die Behörde prüft die Verabredung zwischen Pro Sieben Sat.1, RTL und Astra bereits. Auch die Medienpolitik und die Landesmedienanstalten sollten sich aufgerufen sehen, die Entwicklung zu beobachten. An ihnen geht die Umwälzung des Mediensystems im Augenblick in jeder Hinsicht vorbei - sehenden Auges gewärtigen sie, daß sich heimische Unternehmen, die bereits auf dem Medienmarkt aktiv sind, nicht vergrößern können und der Weg frei ist vor allem für Finanzinvestoren aus aller Welt. Und nun kommt sogar eine lang geheimgehaltene Generalverabredung heraus, die bedeutet, daß wer Fernsehen und Radio empfangen will, gleich zwei- oder dreifach zur Kasse gebeten wird.

Quelle: F.A.Z., 01.03.2006, Nr. 51 / Seite 40
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