11.03.2008 · 100.000 DSL-Kunden weniger als geplant hat United Internet im vergangenen Jahr geholt. Der Vorstandsvorsitzende Ralph Dommermuth schiebt die ganze Schuld auf die verzögerte Anschlusspraxis der Telekom. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
Von Holger SchmidtTrotz eines Rekordergebnisses: Die Zahlen von United Internet wäre besser ausgefallen, wenn die Deutsche Telekom die neuen DSL-Kunden schneller freigeschaltet hätte. Denn United Internet hat im vierten Quartal nur 130.000 DSL-Kunden gewonnen. Im Gesamtjahr waren es 400.000 neue Kunden für das schnelle Internet, gut 130.000 weniger als im Jahr zuvor und auch 100.000 unter der eigenen Prognose. Entsprechend fällt die Reaktion von United-Internet-Chef Ralph Dommermuth aus: „Damit sind wir nicht zufrieden. Der Grund für das langsamer als geplante Wachstum sehen wir vor allem in zu langen Aktivierungszeiten der Deutschen Telekom bei der Bereitstellung von Hausanschlüssen“. United Internet zählt die Kunden auch mit, wenn sie erst 30 Tage nach Quartalsende tatsächlich angeschlossen worden sind.
Zuvor hatte schon Konkurrent Freenet darüber geklagt, dass die Telekom die Anschlüsse der abgewanderten Kunden nur mit Verzögerung freischalte. Freenet hatte im ersten Quartal sogar nur 10.000 neue DSL-Kunden gewonnen, was aber sicher auch an der ungewissen Zukunft des Unternehmens liegt. Die Telecom-Italia-Tochtergesellschaft Hansenet hatte 105.000 DSL-Kunden für sich verbuchen können. Arcor und Vodafone legten zusammen um 144.000 Kunden im vierten Quartal zu.
„Telekom ist keine komplette Entschuldigung“
Dass United Internet die Schuld ganz auf die Telekom schiebt, genügt Marcus Sander, Analyst bei Sal. Oppenheim, aber nicht als Begründung. „Die DSL-Zahlen sind eine kleine Enttäuschung und das verzögerte Anschlussprozedere der Telekom keine komplette Entschuldigung. Vielmehr ist die DSL-Kundenzahl Ausdruck einer allgemeinen Schwäche der Telekom-Konkurrenten. Das Wachstum im DSL-Markt geht zurück, die Telekom ist stark und das Fernsehkabel wird wichtiger“, sagte Sander der F.A.Z. Die schwächer als erwartet ausgefallene DSL-Neukundenzahl habe zudem das Ergebnis positiv beeinflusst, denn die Kundenakquisitionskosten seien niedriger ausgefallen als geplant.
United Internet hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 27 Prozent auf 1,49 Milliarden Euro und das Vorsteuerergebnis um 37 Prozent auf 235 Millionen Euro gesteigert. Als Wachstumstreiber bezeichnete Dommermuth das Unternehmen das Geschäft mit dem Speicherplatz im Internet (Webhosting). „Hier konnte die Zahl der Kundenverträge im Vergleich zum Vorjahresstichtag um 430.000 auf 3,21 Mio. gesteigert werden. Wir gehen davon aus, dass diese Entwicklung sich fortsetzen wird. Insoweit erwarten wir auch von unserem kürzlich erfolgten Markteintritt in Spanien einen weiteren Wachstumsschub“, sagte Dommermuth.
Die Zahl der bezahlten E-Mail-Postfächer stieg um 2,5 Millionen auf 21,8 Millionen. Im der Sparte Online-Marketing stieg der Umsatz um 30 Prozent auf 224,8 Millionen Euro. Allerdings sucht United Internet einen Käufer für seine börsennotierte Tochtergesellschaft Adlink.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.379,88 | −1,02% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2455 | −0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 105,97 $ | −0,82% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?