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United Internet : Die neue starke Kraft am Mobilfunkmarkt

United Internet und Drillisch haben insgesamt 12 Millionen Verträge mit Kunden. Bild: dpa

Der Konzern hinter 1&1 und GMX möchte Mobilfunkanbieter Drillisch übernehmen. Dafür zahlt er 2,2 Milliarden Euro – und will so die Telekom, Vodafone und Telefónica angreifen.

          Ralph Dommermuth ist zwar schon Vorstandsvorsitzender des Mobilfunk- und Internetkonzerns United Internet, aber er möchte noch ein bisschen mehr Chef werden. Wenn alles so läuft, wie sich der Unternehmer das vorstellt und sowohl die Aktionäre auf der Hauptversammlung als auch das Kartellamt zustimmen, wird Dommermuth Ende dieses Jahres auch dem Mobilfunkunternehmen Drillisch vorstehen, das dann unter dem Dach von United Internet eine eigene Holdinggesellschaft bildet. „Ich habe die nötige Autorität – wenn man das so sagen darf – um die beiden Unternehmen richtig zu verbinden“, sagte Dommermuth in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Freitag.

          Aus dem Zusammenschluss der einstigen Konkurrenten könne die Chance entstehen, die „starke vierte Kraft“ im Mobilfunkgeschäft zu werden. Hinter der Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland, die im Gegensatz zu United Internet, Drillisch und dem Konkurrenten Freenet eigene Netze betreiben und sie vermieten. Am Freitag haben die beiden Unternehmen bekannt gegeben, dass ihre jeweiligen Aufsichtsräte einem komplizierten Zusammenschluss zugestimmt haben, an deren Ende United Internet mit einem Anteil von mindestens 72,7 Prozent Mehrheitsaktionär der Drillisch AG sein soll. Das Mobilfunkunternehmen aus Maintal soll ein eigenständig an der Börse notiertes Unternehmen bleiben.

          Profitieren die Anleger?

          United Internet hat in einem ersten Schritt zunächst rund 7,75 Prozent seiner Sparte 1&1 Telecommunication in Drillisch eingebracht und dafür im Gegenzug knapp 9,1 Millionen neue Drillisch-Aktien erhalten. Dem zweiten Schritt, in dem die restlichen 1&1-Anteile übertragen werden und dafür neue Drillisch-Aktien ausgegeben werden, müssen die Aktionäre in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juli zustimmen. 1&1 wird mit 5,85 Milliarden Euro bewertet. United Internet bietet allen Drillisch-Aktionären 50 Euro je Anteil, was einem Aufschlag von rund drei Prozent auf den Drillisch-Schlusskurs vom Donnerstag entspricht. Zuvor hatte United Internet 20 Prozent der knapp 55 Millionen Drillisch-Aktien gehalten. Das Übernahmeangebot hat deshalb ein Volumen von rund 2,2 Milliarden Euro.

          Am Freitag notierte der Aktienkurs von Drillisch zeitweilig mehr als zehn Prozent im Plus, der Kurs lag mit mehr als 53 Euro höher als das Angebot für die Aktionäre. Die Vorstände beider Unternehmen empfehlen den Aktionären auch, ihre Anteile zu halten. „Die Anleger werden deutlich von Synergien profitieren“, sagte Dommermuth. Der Aktienkurs von United Internet lag am Freitagnachmittag mehr als 13,5 Prozent im Plus, auch die anderen Telekommunikationswerte zogen an. United Internet profitiert besonders von besseren Netzkapazitäten, denn Drillisch kann bis zum Jahr 2030 bis zu 30 Prozent des Netzes vom Konkurrenten Telefonica Deutschland nutzen. Diese Vereinbarung hatten die Aufseher vorausgesetzt, als sie der Übernahme von E-Plus durch Telefonica im Jahr 2014 zugestimmt hatten.

          Außerdem kann United Internet nun auch seine 1&1-Marken in die Innenstädte bringen, wo Drillisch mit seinen Marken Smartmobile und Yourfone eigene Läden betreibt. Die Einsparungen sollen im Jahr 2020 rund 150 Millionen Euro im Jahr betragen und in den folgenden fünf Jahren auf 250 Millionen steigen. „Unser Vertrag mit Telefónica zahlt sich immer mehr aus. Er garantiert uns für die nächsten Jahre vollen Zugriff auf die Netztechnologien der neuesten Generation, und das zu sehr guten Konditionen“, sagte Vlasios Choulidis, Chef von Drillisch, der in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechseln wird.

          United-Internet-Chef Ralph Dommermuth
          United-Internet-Chef Ralph Dommermuth : Bild: dpa

          Schon früher war über eine Übernahme durch United Internet spekuliert worden, die Gespräche sind nun recht schnell abgelaufen: Erst Ende März haben sich Dommermuth und Choulidis zusammengesetzt. Die Unternehmer kennen sich schon lange: Mit Choulidis hatte Dommermuth schon vor gut zehn Jahren Nächte bei Anwälten verbracht, damals hatten sie den erfolglosen Plan geschmiedet, Freenet zu übernehmen. Der bisher größere Konkurrent im Geschäft mit Mobilfunkkunden wird von dem nun finanzstarken Zusammenschluss unter Druck gesetzt, vielleicht noch mehr als die drei Mobilfunkschwergewichte.

          Freenet hatte zuletzt 9,6 Millionen Mobilfunkkunden, United Internet und Drillisch kommen zusammen auf mehr als 12 Millionen Verträge, sie setzten im vergangenen Jahr mit Mobilfunk- und DSL-Verträgen mehr als 3,2 Milliarden Euro um. Die jüngste Marktanalyse des Mobilfunkverbandes VATM zeigt jedoch, wie groß der Abstand von Telekom, Telefonica und Vodafone noch ist: Bei einem geschätzten Gesamtumsatz einzig im Mobilfunkmarkt von 26,4 Milliarden Euro machen United Internet und Drillisch nur rund 6,5 Prozent aus.

          Torsten Gerpott, Universitätsprofessor für Telekommunikationswirtschaft und Mitautor des VATM-Berichts, sieht den Nummer-4-Plan als ambitioniert an und glaubt, dass United Internet dafür über kurz oder lang eigene Frequenzen kaufen müsste. Das würde dem Markt aber guttun. „Die E-Plus-Übernahme hat nämlich die Wettbewerbsintensität verringert und das war für Kunden nicht positiv“, sagte Gerpott der F.A.Z. Dass Preise für Kunden nun mit der Drillisch-Übernahme steigen, glaubt Dommermuth nicht. „Ich sehe aber auch ganz klar keine sinkenden Preise“, sagte der United-Internet-Chef. Denn die beiden Unternehmen seien schon im unteren Preissegment aktiv.

          Quelle: F.A.Z.

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