14.11.2006 · Computer verschmutzen die Umwelt genauso wie Autos mit Verbrennungsmotor, rauchende Fabrikschlote oder Kraftwerke. Langsam entdeckt auch die IT-Branche Umweltschutz als Marketinginstrument.
Von Carsten KnopVerschmutzen Computer die Umwelt? Auf diesen Gedanken kommen nur wenige. Autos mit Verbrennungsmotor, rauchende Fabrikschlote oder Kraftwerke scheinen in dieser Hinsicht problematischer zu sein.
Aber auch auf die Hersteller von Informationstechnologie (IT) kommt eine Umweltdiskussion zu. In Teilen des Marktes ist sie schon deutlich zu hören. Nur als Marketinginstrument setzt den Umweltschutz bisher kein Computerhersteller ein.
Grund genug dazu gäbe es: Traditionelle Rechenzentren zum Beispiel brauchen mehr als 60 Prozent ihrer Energie zum Kühlen der dort eingesetzten Netzwerkrechner (Server). Viele IT-Organisationen verwenden inzwischen 4 bis 8, in einigen Fällen sogar 10 Prozent ihres gesamten IT-Budgets für Energiekosten.
Problem PC-Entsorgung
Chiphersteller wie Advanced Micro Devices (AMD) und Intel haben darauf durchaus reagiert - und AMD hat sich gegenüber Weltmarktführer Intel einige Wettbewerbsvorteile nicht zuletzt dadurch erarbeitet, das Energieproblem in seiner Entwicklungsarbeit früher erkannt und auf eine größere Leistungsfähigkeit seiner Chips je verbrauchtem Watt geachtet zu haben.
Ein anderes Beispiel für die Umweltprobleme, mit denen sich die IT-Branche auseinandersetzen muß, ist die Entsorgung von Personalcomputern (PC). Nach einer Untersuchung der Marktforschungsagentur Gartner werden Verbraucher und Unternehmen in den kommenden fünf Jahren mehr als 800 Millionen PC auswechseln und hiervon voraussichtlich 64 Prozent oder 512 Millionen entsorgen.
Deutlich mehr als zwei Drittel dieser zu entsorgenden PC werden aber nicht ordnungsgemäß und umweltschonend recycelt, sondern landen auf Mülldeponien oder werden irgendwo gelagert.
Gelähmte Branche
PC-Hersteller sind beim Blick auf die Umwelt aber ein wenig gelähmt. Denn der Markt ist von harten Preiskämpfen beherrscht. Die Anbieter stehen unter Margendruck. "Und anders als bei den Betreibern von Rechenzentren spielen Umweltaspekte für Privatkunden bei der Anschaffung eines neuen Computers bisher eine untergeordnete Rolle", bestätigt Gartner-Analyst Steve Prentice.
Doch werde sich diese Wahrnehmung ändern, wenn die ersten PC-Hersteller das Thema schließlich doch als Marketinginstrument für sich entdeckten. Das sollten sie nach der Ansicht von Prentice noch aus einem anderen Grund tun. "Wartet die Industrie zu lange mit eigenen Initiativen, wird sie bald von den Gesetzgebern vor sich hergetrieben werden."
Dann würden Politiker plötzlich Einfluß auf die technische Entwicklung des IT-Marktes nehmen, was bisher nur in Ausnahmefällen geschieht. Das wäre für die Hersteller nach der Meinung von Gartner auch höchst unwillkommen - weshalb sie aus eigenem Antrieb gesetzlichen Regelungen zuvorkommen sollten.
Umweltschutz im Verborgenen
In der EU gilt zum Beispiel ab Januar 2007 eine einheitliche Regelung, die sehr genau regelt, auf welchen Wegen man sich von elektrischen und elektronischen Geräten trennen darf. In Deutschland stehen seit Mitte des vergangenen Jahres kommunale Entsorgungscontainer für Elektroschrott bereit.
Der deutsche Marktführer Fujitsu-Siemens glaubt, für künftige gesetzliche Regelungen gut gerüstet zu sein. "Unsere umweltfreundlichen Systeme legen in Sachen Umweltschutz in Europa immer noch die Meßlatte hoch, und wir sind in der Tat der kommenden EU-Gesetzgebung in diesem Punkt ein Stück voraus", heißt es dort.
Die Umweltpolitik des Unternehmens stütze sich auf formale Richtlinien, die die modulare Montage, die Verpackung, die leichte Zerlegbarkeit und die Verwendung von ungiftigen Substanzen regeln, wie sie in den Umweltzertifikaten ("Blauer Engel", "Nordic Swan" und anderen) beschrieben seien.
Daneben würden die künftigen EU-Richtlinien zu Elektronikschrott und zum Umgang mit gefährlichen Substanzen schon heute proaktiv umgesetzt. "Und wir sind zur Zeit der einzige Hersteller, dessen PCs nicht mehr als 1 Gramm Blei enthalten." Ob das aber alle Kunden wissen? Denn beworben wird dieser Vorteil kaum.
„Interessante Erweiterung der Marke“
Ein anderes Unternehmen, das eine Vorreiterrolle übernehmen könnte, ist bisher - zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung - noch längst nicht soweit: "Apple scheint auf dem Markt das beste Gespür für die Wünsche seiner Kunden zu haben und setzt sehr auf das Design seiner Produkte", sagt Prentice, der ein stärkeres Umweltengagement gerade von Apple nicht zuletzt für eine "interessante Erweiterung der Marke" hielte.
Bisher nutzt Apple diese Möglichkeit aber nicht. Auf der Website des Unternehmens findet sich nur sehr versteckt ein Hinweis auf "Apple und die Umwelt", wo dann die steigende Recyclingquote, Fortschritte bei der umweltfreundlichen Verpackung, der frühe Verzicht des Unternehmens auf Röhrenmonitore und der sinkende Energieverbrauch der hauseigenen Rechner gelobt werden. Allerdings war es bisher offenbar nicht nötig, diese in englischer Sprache verfaßte Seite auf deutsch zu übersetzen.
Auch bei Dell und Hewlett-Packard muß man etwas suchen, um auf der Website der Unternehmen die Verbindung zur Umwelt zu finden. Immerhin macht sich Dell die Mühe, jährlich einen dicken Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen, und stellt im Internet einen Planer zur Verfügung, mit dem sich der Energieverbrauch eines Rechenzentrums hochrechnen läßt. Bei HP gibt es einen "Global Citizenship Report", der sich auch mit Umweltthemen befaßt, sowie ein besonderes Umwelt-Unterrichtsprogramm für amerikanische Schulen.
"Der finanzielle und ökologische Druck wird alle IT-Anbieter dazu zwingen, sich über Stromprobleme hinaus mit weiterführenden Punkten zu beschäftigen", ist Prentice überzeugt: Dabei gehe es beispielsweise um die Reduzierung von Kohlenstoff- und Treibhausgasen, die Verwendung von erneuerbaren Ressourcen und wiederverwertbaren Materialen.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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