Home
http://www.faz.net/-gqe-75hbf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.01.2013, 12:00 Uhr

Umstrittenes Internetunternehmen Unister-Geschäftsführer kündigt Rücktritt an

Gründer und Geschäftsführer Thomas Wagner wird in den kommenden Wochen von seinem Amt zurücktreten. Die laufenden Ermittlungen gegen sein Unternehmen mit den Portalen „fluege.de“ und „ab-in-den-urlaub.de“ sollen dabei keine Rolle gespielt haben, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens.

© dpa Thomas Wagner

Der Gründer der Leipziger Unister Holding GmbH hat seinen Rückzug als Geschäftsführer des Unternehmens angekündigt, das unter anderem die Reiseportale fluege.de und ab-in-den-urlaub.de betreibt. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung wird Wagner in die Funktion des „Direktors für Strategie und Produktentwicklung“ wechseln. Wer ihm als Geschäftsführer nachfolgt, ist noch nicht ausgemacht. Ein Nachfolger solle „in Kürze“ bekannt gegeben werden, hieß es weiter. Die Gesellschafterstruktur von Unister bleibe unverändert „Ich möchte mich zukünftig auf das konzentrieren, was mir selbst immer am meisten Freude gemacht hat: Die Weiterentwicklung unserer Portale und Geschäftsbereiche“, äußerte sich Wagner in der Mitteilung. Aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete, dass der plötzliche Wechsel nichts mit den laufenden Ermittlungen gegen Unister zu tun habe.

Martin Gropp Folgen:

Derzeit ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Dresden gegen Wagners Unternehmen wegen unbefugter Geschäftstätigkeit nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz und damit einhergehender Steuerhinterziehung. Unister soll ohne Erlaubnis ein Versicherungsgeschäft betrieben haben, indem das Unternehmen auf seinen Reiseportalen ein Produkt namens „Flexifly“ angeboten hat. Kunden, die auf Unister-Portalen buchten, konnten sich so gegen Gebühren versichern, die im Falle einer Stornierung ihres Flugs anfallen. Daraus soll ein Steuerschaden in Höhe von einer Million Euro entstanden sein. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und das Vorgehen der Staatsanwaltschaft als unverhältnismäßig kritisiert.

Am 11. Dezember hatten drei Staatsanwälte und 130 Polizeibeamte das Unternehmen durchsucht. Die Razzia stand unter Federführung  der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten „Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES)“. Zunächst nahmen die Ermittler zwei Manager wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr fest. Gegen einen dritten Manager wurde kurz danach ein Haftbefehl wegen Verdunklungsgefahr vollstreckt.

Ein Unister-Manager kommt unter Auflagen aus U-Haft frei © dapd Vergrößern Unister-Unternehmenszentrale in Leipzig

Laut einer Pflichtmitteilung der zu Unister gehörenden Travel24.com AG handelte es sich bei zwei der Festgenommenen um ein Vorstandsmitglied und den Aufsichtsrat der börsennotierten Gesellschaft. Wer die dritte Person war, die wegen der Ermittlungen in Haft saß, wurde nie offiziell bestätigt. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll Thomas Wagner selbst in Haft gesessen haben. Alle Festgenommenen sind inzwischen wieder auf freiem Fuß.

In einem schriftlich geführten Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hatte Thomas Wagner erklärt, die Vorwürfe seien unbegründet. „Ich bin sicher, dass sich die aktuellen Vorwürfe aufklären werden“, äußerte Wagner damals. Wegen der Ermittlungen hatte der Reiseveranstalter Tui Deutschland angekündigt, die Kooperation mit Unister mit sofortiger Wirkung zu beenden.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Im Fokus der Fahnder Mehr als 100 Millionen Euro Steuerschaden

Ein Leben lang hat der deutsche Milliardär und Unternehmer Curt Engelhorn keinen Deut auf Konventionen gegeben. Jetzt sieht es so aus, als hätten ihn die Steuerermittler. Mehr Von Bernd Freytag

27.01.2016, 07:21 Uhr | Wirtschaft
Frankfurter Anthologie Jan Wagner: requiem für einen friseur

Requiem für einen Friseur von Jan Wagner, gelesen von Thomas Huber. Mehr

05.02.2016, 16:50 Uhr | Feuilleton
Razzien Italiens Profifußball im Visier der Steuerfahnder

Die italienische Justiz ermittelt gegen 35 Fußballclubs aus den beiden ersten Ligen. Bei millionenschweren Transfers von Spielern sollen Steuern hinterzogen worden sein. Auch mehrere Nationalspieler sind ins Visier der Fahnder geraten. Mehr

26.01.2016, 13:07 Uhr | Wirtschaft
Ein Jahr Legida Lichterkette gegen Legida und Randale in Leipzig

Mit einer Lichterkette setzen die Leipziger ein Zeichen für Toleranz und protestieren gegen den Aufmarsch der fremdenfeindlichen Legida-Bewegung. Am Rande der Demonstrationen kam es zur Randale von Hooligans. Mehr

11.01.2016, 21:59 Uhr | Politik
Weitere Meldungen Schwacher PC-Markt schlägt auf Microsoft-Geschäft durch

Die Talfahrt des PC-Marktes sorgt für weniger Umsatz und Gewinn bei Microsoft. Der Kreditkarten-Anbieter Visa hat seinen Gewinn zum Jahresende dagegen überraschend deutlich gesteigert. Der weltweit größte Biotech-Konzern Amgen bleibt auf Wachstumskurs. Mehr

29.01.2016, 06:29 Uhr | Wirtschaft

Aktienkurse
Name Kurs Änderung
  Nasdaq 100 --  --
  Facebook --  --
  Google --  --
  Apple --  --
  Zynga --  --

Wachstum ohne Schulden

Von Gerald Braunberger

Die Finanzkrise hat die Staaten dazu bewogen, durch höhere Schulden die Weltwirtschaft zu stabilisieren. Dass Wachstum auch ohne Schulden möglich ist, zeigt ein Blick ins Silicon Valley. Mehr 48 12

Grafik des Tages Unser Gold ist etwas weniger wert

Die Bundesbank verwaltet das Gold der Deutschen. Es geht um mehr als 100 Milliarden Euro. Vor vier Jahren war der Wert sogar noch viel größer. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --