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Terry Semel Auf dem Feuerstuhl

21.09.2006 ·  Sein Unternehmen enttäuscht, die Konkurrenz glänzt. Yahoo-Vorstandschef Terry Semel konnte die Serie an Enttäuschungen nicht beenden. Vor einem Jahr hatte er sich noch über die Strategie des Rivalen Google lustig gemacht; jetzt führt ihn der Wettbewerber vor.

Von Roland Lindner
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Terry Semel gehört ohne Zweifel zu den weniger auffälligen Topmanagern in der Internetbranche. Der 63 Jahre alte Vorstandschef der amerikanischen Internetgesellschaft Yahoo hat nicht den jugendlichen Popstar-Status von Larry Page und Sergey Brin, den Gründern des Yahoo-Rivalen Google, und nicht die Computerfreak-Aura von Google-Vorstandschef Eric Schmidt. Auch die öffentlichen Auftritte von Semel halten sich in Grenzen. Wenn er sich dann aber doch einmal zeigt, kann er für gehörigen Wirbel sorgen. Zum Beispiel vor fast genau einem Jahr, als er bei einer Internetkonferenz eine deftige Attacke auf Google losließ: „Die scheinen nicht wirklich einen Plan zu haben, aber vielleicht ja doch“, ätzte Semel damals. Er spielte damit auf das Feuerwerk neuer Internetdienste von Google an, das die Branche rätseln läßt, welche Strategie das Unternehmen verfolgt.

In dieser Woche hat Semel mit einem Auftritt wahre Schockwellen ausgelöst: Bei einer Investorenkonferenz gab er zu, daß das Werbegeschäft seines Unternehmens schlechter läuft als erhofft. Nun fragt sich die Branche, ob sich die Schwierigkeiten auf Yahoo beschränken oder ob es eine allgemeine Abschwächung in der Online-Werbung gibt, in der bislang die Bäume in den Himmel zu wachsen schienen. Eine Antwort darauf wird es wohl erst geben, wenn auch Wettbewerber wie Google neue Geschäftszahlen vorlegen.

Yahoo enttäuscht, der Konkurrenz geht es prächtig

Es wäre allerdings nicht das erste Mal, daß Yahoo enttäuscht, während es Konkurrenten gleichzeitig prächtig geht. So hat Yahoo im Juli einen schwächer als erhofften Quartalsbericht vorgelegt. Ein paar Tage später meldete Google glänzende Zahlen und führte damit Yahoo regelrecht vor. Gleichzeitig mußte Yahoo Verzögerungen bei einem Schlüsselprojekt in der Werbetechnologie melden, mit dem das Unternehmen Boden gegenüber Google gutmachen wollte. Spätestens danach drängte sich der Eindruck auf, daß Semel mit seinen despektierlichen Äußerungen in Richtung seines Wettbewerbers im vergangenen Jahr etwas zu überheblich war.

Sollte sich nun herausstellen, daß die Abschwächung bei Yahoo mehr ein unternehmensspezifisches Problem als ein Branchentrend ist, dürfte sich der Druck auf Semel weiter erhöhen. Semel ist ohnehin so etwas wie ein Exot in der kalifornischen Technologiehochburg Silicon Valley, der Heimat von Yahoo, Google und vielen anderen Internetunternehmen. Er kam als Branchenfremder auf den Chefposten des Internetunternehmens.

Vom „Batman“-Erfolg in die Internetkrise

Bevor er im Jahr 2001 zu Yahoo wechselte, war er einer der bekanntesten Manager in der amerikanischen Medienbranche. Er hat 40 Jahre in der Filmindustrie verbracht, einen Großteil davon stand er als Co-Chef an der Spitze des Studios Warner Bros. und verantwortete Streifen wie „Batman“. Die Verbindung zu Yahoo kam dadurch zustande, daß Semel gut mit dem Unternehmensgründer Jerry Yang befreundet war. Yang holte Semel zu Yahoo, als die Gesellschaft in eine schwere Krise gerutscht war: Die Internetblase war gerade geplatzt, die Umsätze brachen weg, und die Aktie hatte dramatisch an Wert verloren.

Semel, der bei seinem Amtsantritt doppelt so alt war wie der durchschnittliche Yahoo-Mitarbeiter, stieß zunächst bei den Finanzmärkten auf viel Skepsis. Auch wurde gemutmaßt, er werde Yahoo an ein Filmstudio verkaufen. Statt dessen verordnete er dem Unternehmen eine tiefgreifende Restrukturierung und ging selbst auf Einkaufstour: So holte sich Yahoo mit der Übernahme von Inktomi seine eigene Suchtechnologie ins Haus. Danach folgte der Kauf von Overture, einem Spezialisten für die Plazierung von Textanzeigen neben Suchergebnisse. Yahoo schaffte bald die Kehrtwende und kehrte auf einen starken Wachstumskurs zurück, angetrieben von einer rasanten Dynamik im Online-Werbemarkt.

Semel steht unter Zugzwang

Nach einer Serie von Enttäuschungen sind in diesem Jahr wieder Spekulationen aufgekommen, wonach Yahoo zu einem Übernahmekandidaten werden könnte. Auf jeden Fall steht Semel jetzt unter erheblichem Zugzwang, verlorenen Boden im Wettbewerb wieder gutzumachen.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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