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Telekommunikation Zu viel Gedränge auf dem Breitbandmarkt

19.10.2009 ·  Zu viele Anbieter konkurrieren um die Kunden auf einem immer langsamer wachsenden deutschen Breitbandmarkt. Die Renditen sinken, während die Unternehmen viel in neue Netze investieren müssen. Eine Branche vor dem Umbruch.

Von Helmut Bünder
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bü. BONN, 18. Oktober. Zu viele Anbieter, niedrige Margen, schrumpfendes Neugeschäft: Auf dem deutschen Breitbandmarkt wird es eng. In kaum einem anderen EU-Land tummeln sich so viele Konkurrenten. Die Kunden haben die Wahl zwischen fünf bundesweit vertretenen Unternehmen, Deutsche Telekom, Vodafone, O2, Hanse Net und United Internet), Kabelnetzbetreibern und regionalen DSL-Anbietern. Mehr oder weniger haben sie alle das Gleiche zu bieten: schnelles Internet, Telefon, Fernsehen.

Einer Produktdifferenzierung sind enge Grenzen gesetzt, auch Service und Qualität spielen für die meisten Interessenten eine untergeordnete Rolle. "Es bleibt nur der harte Preiswettbewerb", fasst Arndt Rautenberg von der Strategieberatung OC&C Strategy Consultants die Marktsituation zusammen. Für viele Anbieter dreht sich die Abwärtsspirale zu schnell. "Weitere Übernahmen und Fusionen sind nur noch eine Frage der Zeit", glaubt auch Frank Rothauge, Telekommunikationsexperte von Sal. Oppenheim.

Die Aussichten für die Branche sind düster

In einer umfangreichen Studie haben die Investmentbank und OC&C mögliche Optionen und Szenarien unter die Lupe genommen. Die Aussichten für die Branche sind düster. Der Breitband-Boom geht langsam, aber sicher zu Ende. Im vergangenen Jahr waren noch 3,3 Millionen neue Anschlüsse geschaltet worden, im Jahr 2009 dürften es deutlich weniger als 2 Millionen werden. Für das kommende Jahr sagen die beiden Analysten nur noch einen Wert knapp über der Millionengrenze voraus - zu wenig, um den Umsatzrückgang infolge des Preisverfalls kompensieren zu können. Der Markt nähert sich der Sättigungsgrenze. Gleichzeitig hat der Marktführer Deutsche Telekom binnen weniger Jahre seinen Neukundenanteil auf fast 50 Prozent gesteigert.

Weil auch die Kabelunternehmen mächtig zulegen - 2008 haben sie ein Fünftel der Neukunden gewonnen -, schrumpft das Potential der alternativen DSL-Anbieter. Hatten sie 2006 noch drei von vier Neukunden gewonnen, werden es in diesem Jahr allenfalls noch 19 Prozent sein, schätzen Rautenberg und Rothauge. Glaubt man ihrer Prognose, wird schon 2012 die Grenze des Wachstums im Festnetz erreicht, weil dann auch in Deutschland der Siegeszug mobiler Breitbandangebote beginnen wird. Sie verweisen auf Österreich, wo schon 40 Prozent aller Breitbandverbindungen über den Mobilfunk laufen.

Analysten erwarten rasche Konsolidierung

Als "Prototyp einer erfolgreichen Marktkonsolidierung" wird in der Studie Frankreich beschrieben. Nur drei Anbieter kämen dort zusammen auf mehr als 90 Prozent des Breitbandmarktes. Die Größenvorteile seien der wichtigste Grund für die in Frankreich deutlich höheren Margen, heißt es in der Studie. In Deutschland haben Rothauge und Rautenberg DSL-Anbieter wie Versatel, Hanse Net und Net Cologne sowie die auf Breitbandanschlüsse für Geschäftskunden spezialisierten Unternehmen QSC und Colt als potentielle Übernahmekandidaten identifiziert. Als Käufer kämen in erster Linie Telefónica, O2 und Vodafone in Frage, wobei die beiden Analysten ein Szenario bevorzugen, in dem Telefónica nach Hanse Net greift. Mit 2,3 Millionen Festnetzanschlüssen würden die Spanier dann knapp hinter Vodafone zur Nummer vier auf dem deutschen Breitbandmarkt.

Dass United Internet, als DSL-Reseller zweitgrößter deutscher Anbieter, ernsthaft für Hanse Net biete, sei angesichts des erwarteten Kaufpreises von etwa einer Milliarde Euro eher unwahrscheinlich, sagte Rothauge. Auch mit einem Übernahmeversuch von United Internet für den Partner Freenet rechnet er nicht vor 2011 oder 2012. Auf die Liste möglicher "Konsolidierer" haben die beiden Telekomfachleute auch die niederländische KPN gesetzt, die bisher nur mit der Tochtergesellschaft E-Plus in Deutschland vertreten ist. Ein strategisches Interesse von KPN vermuten sie an United Internet, um auch in Deutschland den Sprung zu einem integrierten Anbieter mit Mobilfunk und Festnetz zu schaffen. Die Deutsche Telekom kommt in keinem der Szenarien vor: Jeder Übernahmeversuch des Ex-Monopolisten würde am Einspruch des Bundeskartellamtes scheitern.

Unter den Kabelgesellschaften geben Rothauge und Rautenberg Orion und Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) die geringsten Chancen, ihre Eigenständigkeit zu erhalten. Als potentielle Käufer werten sie in erster Linie die beiden Branchenriesen Kabel Deutschland GmbH (KDG) und Unitymedia, beide finanzstark und in den Händen von Private-Equity-Gesellschaften, die einen Konsolidierungszug unterstützen könnten. Dass sich das Bundeskartellamt einem Zusammengehen der Kabelnetzbetreiber dauerhaft in den Weg stellt, glauben beide Fachleute nicht.

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Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

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