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Telekommunikation Wende bei Telecom Italia

11.09.2006 ·  Das Direktorium von Telecom Italia hat einem Mitglied des Gremiums zufolge einstimmig eine Aufspaltung des Telekommunikationsunternehmens beschlossen. Demnach wird der Konzern in ein Festnetz- und ein Mobilfunkunternehmen aufgeteilt.

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Das Direktorium von Telecom Italia hat einem Mitglied des Gremiums zufolge einstimmig eine Aufspaltung des Telekom-Unternehmens beschlossen. Der Konzern werde in ein Festnetz- und ein Mobilfunkunternehmen aufgeteilt, sagte Direktoriumsmitglied Gilberto Benetton am Montag nach der Sitzung des Gremiums zu Journalisten. Zudem sei eine Vereinbarung über die Lieferung von Medieninhalten mit der News Corp
getroffen, hieß es weiter.

Die Aussichten auf eine strategische Wende bei Telecom Italia hatten am Montag der Holdinggesellschaft Pirelli kräftige Kurssprünge nach oben beschert. Pirelli kontrolliert indirekt den Konzern Telecom Italia, weshalb die Hoffnungen auf eine bessere Börsenbewertung von Telecom Italia auch eine gute Nachricht für die Pirelli-Aktionäre bedeutet.

Nach den Spekulationen der vergangenen Tage plant Marco Tronchetti Provera, maßgeblicher Aktionär bei Pirelli und zugleich Konzernchef bei Pirelli und Telecom Italia, eine komplett neue strategische Ausrichtung für den Telecom-Konzern.

Offenbar auch Videos und Fernsehen im Angebot

Aus dem bisherigen, eher stagnierenden Festnetzgeschäft soll vermutlich ein integriertes Telekommunikations- und Medienunternehmen werden. Dazu ist offenbar geplant, künftig über schnelle Datenverbindungen (DSL) den Telecom-Kunden auch Videos und Fernsehen anzubieten. Ein Teil des Programms könnte dabei von der börsennotierten Tochtergesellschaft „Telecom Italia Media“ kommen, die in Italien das allgemeine Fernsehprogramm „La 7“ und den Musikkanal „MTV“ betreibt. Weitere Inhalte soll ein Bündnis mit dem australischen Medienmagnaten Rupert Murdoch sichern.

Die bisherige Festnetzsparte der Telecom Italia namens „Wireline“ wird nach dem neuen Strategieplan vermutlich aufgeteilt. Der Strategieplan ist allerdings noch nicht offiziell bestätigt. Aus dieser Sparte, die im vergangenen Jahr mit 56.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 17,8 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 4,6 Milliarden Euro erwirtschaftete, soll der Betrieb des eigentlichen Telefonnetzes ausgegliedert werden. Damit kann Telecom-Chef Tronchetti Provera den Forderungen nach einer vollständigen Abtrennung des nationalen Telefonnetzes den Wind aus den Segeln nehmen.

Telecom Italia Mobile soll selbständig werden

Konkurrenten und Aufsichtsbehörden hatten der Telecom Italia unterstellt, mit ihrer Kontrolle über das Telefonnetz die Konkurrenz im italienischen Telefonmarkt zu behindern. Eine Verselbständigung des Netzbetriebes soll nun erst einmal die den Konkurrenten in Rechnung gestellten Verbindungspreise rechtfertigen.

Gleichzeitig mit den Veränderungen für die Festnetzsparte soll der Mobilfunk der „Telecom Italia Mobile“ oder „Tim“ wieder zu einer selbständigen Gesellschaft werden. Diese Sparte war erst in den Jahren 2004 bis 2006 in die Telecom Italia eingegliedert worden. Sie hatte 2005 mit 21.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 13 Milliarden Euro einen Gewinn vor Steuern und Zinsen von 3,7 Milliarden Euro erzielt. Als „Telecom Italia Mobile“ war die Sparte noch bis Juni 2005 an der Börse notiert gewesen und hatte dabei zuletzt eine Börsenkapitalisierung von 37,2 Milliarden Euro. Daher wurde während der vergangenen Tage in allen italienischen Medien darüber spekuliert, ob die - für die Strategie nun nicht mehr zentralen - Mobilfunkaktivitäten verkauft werden sollen.

Einziger Mobilfunkanbieter in italienischem Besitz

In den Zeitungen war bereits von einer Versteigerung der Mobilfunksparte die Rede. In der Politik und bei den Gewerkschaften zeigte sich aber Widerstand, noch bevor dieses Vorhaben bestätigt wurde. Denn nach dem Verkauf von Omnitel an Vodafone, von Wind an den Ägypter Sawiris und der Gründung von „Tre“ durch den chinesischen Konzern Hutchison Whampoa ist die „Telecom Italia Mobile“ der einzige Mobilfunkanbieter in italienischem Besitz.

Unterdessen gehen die Spekulationen über mögliche Partner der Telecom Italia weiter. Als möglicher Interessent für den Mobilfunk (Tim) der Telecom Italia wird auch die Deutsche Telekom genannt. Wie in solchen Fällen üblich, wollte der Konzern die Spekulationen nicht kommentieren. Auf der Hand liegt, daß der auf 35 bis 40 Milliarden Euro veranschlagte Preis für die komplette Sparte die Telekom finanziell überfordern könnte.

Tim wird vermutlich nicht als Ganzes verkauft

Neue Schulden in dieser Größenordnung wären vor allem für den Großaktionär Blackstone schwerlich hinnehmbar. Sie würden eine Rating-Herabstufung auslösen und die Dividendenfähigkeit gefährden, meinte Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim. Branchenbeobachter erwarten jedoch, daß Tim ohnehin nicht als Ganzes verkauft würde. Besonders attraktiv sei die brasilianische Tochtergesellschaft Tim Brasilia, deren Umsatz rasch wächst.

Neben der Deutschen Telekom kämen als strategische Investoren France Telecom, Vodafone und möglicherweise amerikanische Konzerne in Frage. Rothauge taxiert den Wert von Tim Brasilia auf bis zu zehn Milliarden Euro, einen Betrag, der für die Deutsche Telekom zu verkraften sei. Das Inlandsgeschäft der Italiener gilt hingegen als weniger chancenreich, weil der Markt hart umkämpft ist und Einbußen durch die Regulierung drohen. Für diesen Teil sollen sich angeblich mehrere Beteiligungsgesellschaften interessieren.

Quelle: Reuters / F.A.Z./ bü. / tp.
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