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Telekommunikation Verdi droht mit Streik bei der Telekom

 ·  Die Verhandlungen über längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne für 50.000 Mitarbeiter stagnieren. Die Gewerkschaften drohen unverhohlen mit Streik. Konzernchef Obermann warnte in einer Mail, das Scheitern der Verhandlungen werde zusätzliche Jobs kosten.

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Die Gefahr eines Arbeitskampfes bei der Deutschen Telekom steigt. In den Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne für 50.000 Beschäftigte des Konzerns ist bisher keinerlei Annäherung zu erkennen.

Verdi-Vorstandsmitglied Lothar Schröder warnte vor einer Zuspitzung des Konfliktes. „Kein Unternehmen kann sich auf Kosten der Beschäftigten in seine Zukunft sparen“, sagte er. Schröder, der auch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, drohte unverhohlen mit einem Streik, sollte die Telekom nicht von ihren Forderungen abrücken.

„Die Alternative wäre mehr Fremdvergabe“

Am Donnerstagnachmittag hat die zweite Gesprächsrunde über die Auslagerungspläne begonnen. Als einziges Kompromissangebot stellte die Konzernführung eine vorzeitige Verlängerung des Ende 2008 auslaufenden Kündigungsschutzes in Aussicht.

Gleichzeitig warnte Vorstandschef René Obermann in einer Mail an die Mitarbeiter davor, dass ein Scheitern der Verhandlungen weitere Arbeitsplätze kosten werde. „Die Alternative zu unserem Konzept wäre mehr Fremdvergabe von Arbeit und ein zusätzlicher signifikanter Personalabbau - und genau das wollen wir vermeiden“, heißt es in seinem Schreiben.

„Es ist Mode sich über uns lustig zu machen“

Unmittelbarer Anlass für Obermanns Mail war der Brief eines Berliner Mitarbeiters der Festnetzsparte T-Com, der in beleidigender Art die Konzernführung angreift und ihr Versagen, Unfähigkeit und persönliche Bereicherung vorwirft. Viele Mitarbeiter sind nicht nur über die drohende Verschlechterung ihrer Konditionen erbost; auch der Umstand, dass das Management öffentlich Mängel im Service und in der Qualität anprangert, ist in der Belegschaft nicht gut angekommen.

„Der Vorstand sollte aufhören, das Unternehmen schlecht zu reden. Das zeugt von mangelnder Führungskompetenz“, sagte ein Sprecher der Kommunikationsgewerkschaft DPV. Ziel der Telekom ist es, zum 1. Juli die Call-Center-Aktivitäten, den technischen Kundendienst und den operativen Teil der technischen Infrastruktur in drei Gesellschaften innerhalb des Konzerns zu bündeln.

Die dort beschäftigten Mitarbeiter sollen statt der bei der Telekom üblichen 34 wenigstens 38 Stunden in der Woche arbeiten. Von längeren und flexibleren Arbeitszeiten erhofft sich die Telekom vor allem Verbesserungen im Service. Nur als Premium-Anbieter mit exzellentem Service, so argumentiert sie gegenüber der Gewerkschaft, könne sie sich von der preiswerteren Konkurrenz erfolgreich absetzen. Obermann schildert in seinem Schreiben unverblümt, wie der Telekom-Service bisher wahrgenommen wird: „Wir sind bevorzugtes Gesprächsthema in den Kneipen der Republik - es ist in Mode sich über uns lustig zu machen“.

Erbe der Behördenvergangenheit

In den neuen Untergesellschaften soll die Bezahlung „schrittweise und sozialverträglich“ dem marktüblichen Niveau angenähert werden. Dabei will der Konzern nicht zuletzt die Gehälter für neu eingestellte Mitarbeiter reduzieren. Vom Kapitalmarkt komme sogar häufig die Forderung nach weitaus drastischeren Personaleinsparungen, schreibt Obermann. Auf einigen Feldern liege die Telekom bis zum Dreifachen über den Fremdkosten, die bei externen Anbietern pro Stunde für vergleichbare Leistung anfielen.

Die hohen Personalkosten der Telekom, deren Belegschaft zu einem großen Teil beamtet oder wegen langer Betriebszugehörigkeit nicht kündbar ist, sind ein Erbe ihrer Behördenvergangenheit. Bei der Regulierung der Telekommunikationsmärkte nimmt die Bundesnetzagentur darauf jedoch keine Rücksicht. Auch deshalb hat die Telekom in den vergangenen Jahren hohe Marktanteile an ihre Wettbewerber verloren.

Man stellt sich auf sehr harte Verhandlungen ein

Während sich Verdi bei der Telekom gegen jede Änderung sperre, habe sie bei Konkurrenten Tarifverträge „zum halben Telekom-Gehalt“ abgeschlossen, hält Obermann Schröder vor. Im Konzern führt man Schröders unnachgiebige Haltung auch darauf zurück, dass er versuche, sich für seine Wiederwahl als Bundesvorstand zu profilieren.

„Ein Streik, der ihn in jede Nachrichtensendung bringt, wäre für Schröder genau das Richtige“, hieß es. Der Bundesvorstand wird im Spätsommer neu gewählt. In der Telekom stellt man sich deshalb auf sehr harte Verhandlungen und eine unnachgiebige Haltung der Gewerkschaft ein.

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