Home
http://www.faz.net/-gqm-ojx8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Telekommunikation Telekom verabschiedet sich von Aktienoptionsplänen

29.03.2004 ·  Die Deutsche Telekom wird Vorstand und Führungskräften keine Aktienoptionen mehr gewähren und führt statt dessen eine erfolgsabhängige Vergütung ein. Der Vorstand verzichtet zudem auf ein Monatsgehalt.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Der Telekommunikationskonzern wird Vorstand und Führungskräften keine Aktienoptionen mehr gewähren. Statt dessen führt die Deutsche Telekom in diesem Jahr eine erfolgsabhängige Vergütung ein, die sich an den Empfehlungen des Corporate-Governance-Kodex orientiert. Das kündigte Vorstandsvorsitzender Kai-Uwe Ricke im Gespräch mit dieser Zeitung an.

"Unser neues Vergütungsmodell ist sehr leistungsorientiert, obwohl es keine Aktienoptionen enthält und die Beträge gekappt sind. Es werden klare absolute und relative Erfolgsparameter zugrunde gelegt", stellte Ricke heraus.

Vorstand verzichtet auf ein Monatsgehalt

Zugleich teilte er mit, daß der Vorstand in diesem Jahr auf ein Monatsgehalt verzichte. Ricke betrachtet dies als "Solidarbeitrag" im Rahmen des mit der Gewerkschaft vereinbarten Beschäftigungspakts, der für die Mitarbeiter mit Einschränkungen verbunden ist. "Dabei kann man das Management nicht ausnehmen", versicherte Ricke. Die Aufsichtsräte der Telekom beteiligen sich, indem sie ihre Vergütung um ein Fünftel reduzieren.

Vor Rickes Amtsantritt im November 2002 hatte die Höhe der Vorstandsgehälter, vor allem aber die Ausgestaltung des Aktienoptionsplans 2001, heftigen Streit auf den Hauptversammlungen ausgelöst. Das Erfolgsziel zum Bezug der Aktien - eine Kurssteigerung um 20 Prozent - galt vielen als "lächerlich niedrig". Der Vorstand hatte 2002 und 2003 auf neue Optionen verzichtet.

12,9 Millionen Aktienoptionen, gewährt an rund 4000 Führungskräfte, stehen aus, wovon viele allerdings derzeit wertlos sind, weil sie zum Kauf von T-Aktien für 30 Euro oder gar für 62,69 Euro berechtigen. Nun soll die Hauptversammlung am 18. Mai beschließen, das für die Aktienoptionen reservierte, "ungenutzte" genehmigte Kapital einzuziehen. Ricke will dieses Vergütungsinstrument nicht verteufeln, sagt aber: "Den Aktienoptionen haftet der Makel der Vergangenheit an."

Vergütung besteht zukünftig aus drei Elementen

Die neue Vergütung für Vorstand und jetzt nur noch die obersten 1500 Führungskräfte des Konzerns sei in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel ausgearbeitet worden, versicherte Ricke. Vom Aufsichtsratspräsidium wurden jetzt drei Elemente der Vergütung beschlossen: ein Fixum, das rund 40 Prozent der Gesamtbezüge ausmacht, ein erfolgsabhängiger Jahresbonus (rund 40 Prozent Anteil) sowie für die restlichen 20 Prozent ein Bonus, der von der mittelfristigen Zielerreichung abhängt (Mid-Term-Bonus).

Der Jahresbonus, der derzeit bis zu 150 Prozent des Festgehalts erreichen kann, wird auf höchstens 120 Prozent herabgesetzt. Maßstab ist die Erreichung von Konzernzielen sowie von individuell vereinbarten Zielen. Der mittel- und langfristige Erfolg wird über einen Zeitraum von drei Jahren gemessen, und zwar an zwei gleich gewichteten Parametern: Das absolute Erfolgsziel ist erfüllt, wenn der Kurs der T-Aktie in drei Jahren um 30 Prozent steigt. Das relative Erfolgsziel ist geschafft, wenn die T-Aktie in drei Jahren den Dow Jones Euro Stoxx Total Return Index schlägt, der neben der Kursentwicklung auch die Ausschüttung einbezieht.

Beispielrechnung anhand von Rickes Gehalt

Wie sich die Neuregelung konkret auswirken wird, erläutert Ricke am Beispiel seiner Bezüge. Als einziger Telekom-Vorstand hatte er schon vor einem Jahr sein Gehalt offengelegt. Für 2003 bekommt er 1,25 Millionen Euro festes Gehalt zuzüglich 1,375 Millionen Euro Bonus, insgesamt also 2,625 Millionen Euro. Der variable Anteil erreicht damit 110 Prozent des Fixums (bei für 2003 maximal möglichen 150 Prozent).

In diesem Bonus spiegelt sich der gelungene Kraftakt beim Schuldenabbau und der Gewinnabschluß für 2003 wider. In diesem Jahr kann Ricke nach dem neuen Modell im allerbesten Fall erwarten: 1,25 Millionen Euro Festgehalt, 1,5 Millionen Euro Jahresbonus sowie 0,75 Millionen Euro Mid-Term-Bonus, der erst in drei Jahren ausgezahlt wird, wenn die Kursziele der Aktie erreicht sind.

Telekom will Gehälter aller Vorstände nennen

Die Deutsche Telekom wird am 30. März in ihrem Geschäftsbericht erstmals die Gehälter aller Vorstandsmitglieder aufschlüsseln, was bislang nur zehn der 30 Dax-Unternehmen tun. Im Jahr 2004 erhalten alle Vorstandsmitglieder außer dem Vorsitzenden und seinem Stellvertreter Karl-Gerhard Eick einheitlich 750 000 Euro Fixum.

Für Personalvorstand Heinz Klinkhammer und den Ende April ausscheidenden Josef Brauner (T-Com) bedeutet das eine Senkung des Grundgehalts zugunsten einer Aufstockung der variablen Vergütung. Aufgrund der hohen variablen Komponenten würden die Gesamtbezüge der Vorstandsmitglieder auch künftig unterschiedlich ausfallen, sagte Ricke. Die Pensionszusagen für Vorstände weist das Unternehmen als Gesamtsumme aus.

Der Konzern habe mit dem Tarifabschluß, der für 70.000 Tarifkräfte und 55.000 Beamte eine Wochenarbeitszeitverkürzung von 38 auf 34 Stunden bringt, einen Schritt nach vorn getan, strich Ricke heraus: "Wir sichern Beschäftigung und senken zugleich die Kosten." Zwar erhöhten sich aufgrund der Arbeitszeitverkürzung mit Teil-Lohnausgleich die Kosten pro Arbeitsstunde, die Personalkosten insgesamt verminderten sich aber um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Die Aufsichtsratsvergütung bei der Telekom

Ein interessanter Teil in der Vita von Jörg Siebert findet sich in der Rubrik Sport. 1968 war er mit dem Deutschland-Achter Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in Mexiko, zuvor zweimal deutscher Meister und einmal Europameister. Damit die Stoess-Mitarbeiter körperlich fit bleiben, hat Siebert in der Firmenzentrale einen Fitneßraum einrichten lassen. Siebert wurde am 2. April 1944 in Wetzlar geboren. Nach dem Wirtschaftsingenieurstudium kam er zur Prüfungsgesellschaft Ar-thur Andersen. 1978 fing er als Controller bei Stoess an, seit 1989 steht er an der Konzernspitze. Siebert ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2004, Nr. 75 / Seite 14 , Stü.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 10 11

30.05.2012 09:46 Uhr
  Vortag
Dax 6.331,38 −1,02%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.379,21 −1,07%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2453 −0,29%
Rohöl Brent Crude 105,92 $ −0,87%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.