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Telekommunikation Telekom muß die Gebühren senken

13.04.2006 ·  Ortsgespräche im Festnetz könnten bald günstiger werden: Konkurrenten der Telekom müssen ab Juni weniger Gebühren für die Durchleitung der Gespräche zahlen. Im Schnitt sinken die Preise um zehn Prozent.

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Im Dauerstreit über die Regulierung ihres Netzes hat die Deutsche Telekom abermals eine Schlappe hinnehmen müssen: Die Deutsche Telekom erhält künftig weniger Geld von Wettbewerbern, die die lokalen Telefonnetze des Branchenführers nutzen. Der Konzern rechnet deshalb mit dreistelligen Millioneneinbußen. Die Bundesnetzagentur senkt ab Juni die so genannten Zusammenschaltungs-Entgelte im Telekommunikationsmarkt im Schnitt um zehn Prozent. Die Telekom sprach am Donnerstag von einer skandalösen Entscheidung und erwägt rechtliche Schritte. Der ehemalige Staatsmonopolist erwartet nun nach eigenen Angaben in den kommenden drei Jahren einen Gewinnrückgang in Höhe von insgesamt 200 Millionen Euro. Die Verbraucher können nach Angaben von Telekom-Konkurrenten dagegen mit niedrigeren Tarifen rechnen.

Die Telekom hatte Anfang Februar bei der Netzagentur eine Erhöhung der Gebühren für die Durchleitung von Telefonaten auf lokaler Ebene beantragt. Nach ihrem Willen sollten die Entgelte für die 474 lokalen Verbindungspunkte in der Hauptzeit je Minute auf 0,79 (bislang: 0,59) Cent und in der Nebenzeit auf 0,54 (0,4) Cent angehoben werden. Die Netzagentur fogte dem Antrag jedoch nicht, sondern senkte die Gebühren vielmehr auf 0,52 Cent beziehungsweise 0,36 Cent. Die Entgelte zahlen müssen Telekommunikationsfirmen, deren eigenes Netz auf lokaler Ebene schwach ausgebaut ist und die deshalb auf das Netz der Telekom angewiesen sind. Die neuen Tarife gelten bis zum 30. November 2008.

Telekom: Behauptungen aus dem Reich der Märchen

Behördenchef Matthias Kurth bezeichnete die Gebührensenkung bei den Lokalverbindungen als angemessen. Sie sorge zudem für Anreize bei Investitionen in die Netzinfrastruktur. Die Entscheidung schaffe Planungssicherheit für alle Marktteilnehmer und trage der Kostenentwicklung bei Telefonnetzen Rechnung, erklärte Kurth.

Die Telekom zeigte sich dagegen empört. Die Darstellung der Netzagentur, sie habe bei ihrer Entscheidung die Kostenstrukturen der Telekom zugrunde gelegt, treffe nicht zu, sagte der Regulierungsexperte der Telekom-Festnetzsparte T-Com, Frank Schmidt. „Diese Behauptung gehört ins Reich der Märchen“, sagte er.

Die Telekom hatte erklärt, daß sie ohne Tariferhöhungen im lokalen Bereich weniger Anreize für Investitionen sehe. Die Markt- und Kostenstrukturen hätten sich seit 2003 stark verändert. Während die Kosten für den Netzbetrieb unverändert blieben, würden wegen des Vormarschs der Wettbewerber immer weniger lokale Gespräche über die T-Com abgewickelt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden 2005 mehr als die Hälfte der Fernverbindungen und mehr als ein Drittel der Lokalverbindungen von Wettbewerbern der T-Com abgewickelt.

Gemischte Reaktionen der Konkurrenz

Die Reaktionen von Telekom-Konkurrenten auf die Gebührensenkung fielen gemischt aus. Positiv äußerte sich der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). „Auch wenn der Regulierer unserer Forderung nicht in voller Höhe nachgekommen ist, erhalten insbesondere die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren massiv in den Ausbau ihrer Breitbandnetze investiert haben, durch die heutige Entscheidung die für weitere Investitionen notwendige Planungssicherheit“, erklärte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Von den niedrigeren Gebühren würden nun auch die Verbraucher profitieren, da die Verbindungsentgelte ein wesentlicher Bestandteil der Endkundenpreise seien.

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) bezeichnete die neue Gebührenstruktur dagegen nur als teilweise gelungen. „Die Absenkung des absoluten Entgeltniveaus ist eine Entscheidung zu Lasten des Infrastrukturwettbewerbs“, kritisierte Geschäftsführer Rainer Lüdermann. Auf Dauer seien zu niedrige Gebühren deshalb kontraproduktiv. Der Verband vertritt Unternehmen, die oft stark in eigene Netze investiert haben, die zum Teil von der Telekom gegen Gebühr genutzt werden.

Die Telekom-Aktie gab im Handelsverlauf um 0,5 Prozent nach auf 13,42 Euro.

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