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Telekommunikation Siemens verkauft Handygeschäft ganz an Benq

07.06.2005 ·  Der Siemens-Konzern steigt aus dem defizitären Handygeschäft aus und nimmt für die Übertragung an die taiwanische Benq eine Millionenlast in Kauf. Benq strebt an, bereits 2006 im gemeinsamen Mobilfunkgeschäft Gewinn zu machen.

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Der Münchener Siemens-Konzern steigt ganz aus dem defizitären Handygeschäft aus und nimmt für die Übertragung an den taiwanischen Hersteller Benq eine Millionenlast in Kauf.

Benq werde im Laufe des vierten Quartals des Geschäftsjahres 2004/05 (zum 30. September) das Mobiltelefongeschäft von Siemens übernehmen, teilte der Münchener Konzern am Dienstag mit. Das taiwanische Unternehmen - eine Ausgliederung des Computerkonzerns Acer - könne die Marken- und Namensrechte von Siemens für fünf Jahre nutzen. Siemens übernimmt gleichzeitig neue Aktien von Benq im Volumen von etwa 50 Millionen Euro, was einem Anteil von etwa 2,5 Prozent entspreche. Insgesamt entstehe aus der Transaktion für Siemens eine Ergebnisbelastung von rund 350 Millionen Euro vor Steuern.

Nach der Übernahme will Benq im gemeinsamen Mobiltelefongeschäft 2006 die Gewinnzone erreichen. Benq-Finanzchef Eric Yu hob am Dienstag in Taipeh zudem das Absatzziel von Benq im laufenden Jahr auf 15 Millionen Mobiltelefone von bisher geplanten zehn Millionen Stück an.

Hauptsitz in München

„Benq's und Siemens' Mobiltelefongeschäfte ergänzen sich hervorragend hinsichtlich Technologie und regionaler Aufstellung“, erklärte Siemens weiter. Zukünftiger Hauptsitz des Mobiltelefongeschäfts werde München sein. Die Hauptversammlung von Benq und die Kartellbehörden müßten dem Vorhaben noch zustimmen. Ein Siemens-Sprecher ergänzte, die Mitarbeiter der Sparte würden von Benq zu jetzigen Konditionen übernommen. Dies schließe die übernahme des Beschäftigungssicherungsvertrages, der im vergangenen Jahr für deutsche Werke geschlossen wurde, mit ein.

Der Bereich für Schnurlostelefone für das Festnetz sei von der jetzigen Vereinbarung nicht erfaßt. Daher betreffe die Vereinbarung nur rund 6.000 Mitarbeiter des Konzerns. Die Weiterführung des Standorts Kamp-Lintfort sei ein wichtiges Kriterium bei der Suche nach einer Lösung für das Handygeschäft gewesen.

Arbeitnehmervertreter sind skeptisch und sehen Chancen

Die Arbeitnehmervertreter im Siemens-Aufsichtsrat beobachten den Verkauf der Handysparte an den taiwanesischen Benq-Konzern mit Sorge. „Ich sehe das sehr kritisch“, sagte IG-Metall-Vize und Siemens-Aufsichtsrat Berthold Huber am Dienstag der dpa. „Siemens katapultiert sich aus dem Handymarkt heraus.“ Noch im vergangenen Jahr habe der Konzern betont, wie wichtig es sei, in dem Wachstumsmarkt als Komplettanbieter vertreten zu sein. Nun gebe es einen radikalen Wechsel in der Geschäftspolitik. Die Arbeitnehmer stünden vor einer ungewissen Zukunft.

Zwar steige Benq als Übernehmer in alle vertraglichen Pflichten ein, sagte Huber. Der Fortbestand des Werks in Kamp-Lintfort sei damit vorerst gesichert. Wie es danach weiter gehe, müsse aber abgewartet werden. „Ich hätte es lieber gesehen, wenn die Handysparte bei Siemens geblieben wäre.“ Die IG Metall wolle versuchen, in den Detailverhandlungen weitere Garantien für die Arbeitnehmer durchzusetzen. „Es ist ja noch etwas Zeit.“
Huber sieht aber in dem Geschäft auch Chancen. Benq sei ein aufstrebender Anbieter, der Bedarf an Produktionskapazitäten habe. „Das spricht für die Standorte in Europa.“ Zudem sei zu hoffen, daß BenQ mit dem Endkonsumentengeschäft besser zurecht komme als Siemens. „Es bestand ja Handlungsbedarf.

Siemens suchte seit Monaten nach einem Partner für seine Handy-Sparte, die dem Konzern zuletzt dreistellige Millionenverluste eingebracht hatte. Durch den Preiskampf am Markt und interne Probleme wie etwa einer schweren Softwarepanne bei neuen Modellen im vergangenen Jahr hatte Siemens im Markt mit Mobiltelefonen zuletzt deutlich an Boden verloren und lag im ersten Quartal auf Rang fünf der weltgrößten Handy-Hersteller nur noch marginal vor Konkurrent Sony Ericsson.

Benq stellt neben Mobiltelefonen auch Produkte wie Flachbildschirme, Laptops oder CD-Rom-Laufwerke her. Seine Mobiltelefone fertigt Benq nur zu rund einem Drittel für den Vertrieb unter eigener Marke, die anderen Geräte sind Fremdproduktionen für andere Hersteller wie Branchenführer Nokia.

Quelle: FAZ.NEt mit Material von Reuters, dpa
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Von Holger Steltzner

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