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Telekommunikation Proteststurm gegen die Telekom-Pläne

25.10.2006 ·  Die Gewerkschaft Verdi will die von der Telekom geplanten Gehaltseinbußen im Servicebereich nicht kampflos hinnehmen. 45.000 Mitarbeiter sollen aus der Festnetzsparte T-Com in eigene Service-Gesellschaften ausgegliedert werden.

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Die Forderung der Deutschen Telekom nach Lohnverzicht und Mehrarbeit für 45.000 Mitarbeiter der Festnetzsparte T-Com hat auf der Arbeitnehmerseite einen Proteststurm ausgelöst. Einhellig verurteilten die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und die Beamtenvertretung (DPVKOM) die Pläne.

„Hier wird ein unglaubliches Drohpotential aufgebaut, um die Löhne zu drücken“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Lothar Schröder dieser Zeitung. Schröder gehört dem Aufsichtsrat des Konzerns an, der am 5. Dezember über den Strategiewechsel beraten will. Statt weitere teure Abfindungs- und Vorruhestandsprogramme aufzulegen, will die Telekom 35.000 Techniker und Kundendienstmitarbeiter in eine neue Untergesellschaft namens „T-Service“ ausgliedern.

Ebenso sollen die rund 10.000 Call-Center-Stellen in einer eigenen, als GmbH & Co. KG verfaßten Gesellschaft zusammengefaßt werden. Ziel der Telekom ist es, die Bezahlung in diesen Einheiten in Richtung des „marktübliches Niveau“ abzusenken. Nach Angaben des Konzerns liegt es um 30 bis 50 Prozent unter den bei der Telekom gezahlten Gehältern.

Telekom erwägt Verkauf der Einheiten

„Das ist eindeutig falsch und unseriös. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen“, sagte Schröder. Auch längere Arbeitszeiten sollen dazu beitragen, die im Vergleich zu Wettbewerbern niedrige Produktivität zu verbessern und die Arbeitskosten zu senken. Für den Fall, daß sich die Tarifpartner gegen die neuen Konditionen sperren, hat die Telekom einen Verkauf der neuen Einheiten angekündigt.

„Es gibt keine Drohung. Wir wollen mit unserem Tarifpartner ausführlich diskutieren, wie wir die Jobs stabilisieren. Dabei sind marktfähige Gehälter und Arbeitszeiten ausschlaggebend. Wenn wir wider Erwarten nicht zusammenfinden, ist eine Dekonsolidierung eine Alternative, die auch funktioniert“, sagte Personalvorstand Heinz Klinkhammer dieser Zeitung.

Im Konzern verweist man auf den kürzlich erfolgreich abgeschlossenen Verkauf von Call Centern der Beschäftigungsgesellschaft Vivento. Dabei haben rund 700 Mitarbeiter den Konzern verlassen. Auch sie werden bei ihrem neuen Arbeitgeber nach einer Übergangszeit kräftige Einbußen hinnehmen müssen.

Stellenabbau steht vor dem Ende

Die Telekom lockt die Gewerkschaft und den Betriebsrat mit dem Versprechen, den Personalabbau nach Abschluß des laufenden Programms zu beenden. Zuvor sollen bis 2008 aber weitere 32.000 Mitarbeiter über Abfindungen und Vorruhestand den Konzern verlassen. Seit der Privatisierung 1995 hat er schon rund 100 000 Stellen gestrichen.

„Über 2008 hinaus ist kein weiteres Personalabbauprogramm geplant“, sagte Klinkhammer. Den Beamten – allein bei der T-Com sind 45.000 Staatsdiener aus Behördenzeiten beschäftigt – werde aber auch danach die Vorruhestandsregelung offenstehen. Sie ist bis 2010 angelegt. Schröder verlangt von der Telekom, den bereits geplanten „völlig unsinnigen“ Personalabbau zurückzunehmen.

Frank Weigand von der Beamtenvertretung DPVKOM sieht in dem Strategiewechsel ein Druckmittel auf die Mitarbeiter, die das Programm bisher nur sehr zögernd angenommen hätten. „Aber seit dem Verkauf der Vivento-Call Center ist die Nachfrage explosionsartig gestiegen, weil die Kollegen Angst bekommen“, sagte er. „Der Vorstand ist nicht in der Lage, klaren Kurs zu halten. Jetzt steht er vor den Trümmern und muß solche Amokfahrten machen“, sagte Weigand. Erst vor zwei Jahren sei beispielsweise die Arbeitszeit verkürzt worden, jetzt gehe es wieder in die andere Richtung. „Von den Beamten wird kein einziger in die neuen Gesellschaften wechseln“, sagte Weigand voraus. Auch die Beamtengehälter kann die Telekom nicht kürzen. Allerdings denkt sie darüber nach, ihnen längere Arbeitszeiten als den Tarifangestellten zu verordnen.

Harter Wettbewerb

Im Festnetz steht die Telekom unter hartem Wettbewerbsdruck. Zuletzt hat sie jeden Monat mehr als 150.000 Kunden verloren. Von der neuen Struktur erhofft sich der Konzern neben der Kostensenkung einen besseren Service, um Kunden zu halten und neue zu gewinnen. „Wir wollen das möglichst mit eigenem Personal erreichen. Aber nur mit marktüblichen Gehältern und Arbeitszeiten können wir zu attraktiven Preisen anbieten“, sagte Klinkhammer.

Verdi und der Gesamtbetriebsrat werfen dem Konzern vor, die Arbeitnehmerinteressen den Erwartungen der Börse zu opfern. „Wenn sich die Beschäftigten darauf einlassen, können sie gleich Überweisungsbelege an die Aktionäre ausfüllen“, sagt Schröder. Die Börse reagierte indes kaum auf die Telekom-Pläne. In einem stabilen Umfeld gab die T-Aktie leicht nach. Viele Analysten verwiesen auf den heftigen Widerstand gegen die neue Strategie und bezweifelten, daß die angestrebten Kosteneinsparungen erreicht werden.

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