Home
http://www.faz.net/-gqm-u4lo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Telekommunikation Nokia navigiert

08.02.2007 ·  Der Handyhersteller Nokia steigt in das Geschäft mit der mobilen Navigation ein. Damit greift der finnische Konzern vor allem die etablierten Anbieter auf diesem Marktsegment an.

Von Johannes Winkelhage
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Der Handyhersteller Nokia erweitert sein Geschäftsmodell und steigt direkt in das Geschäft mit der mobilen Navigation ein. Damit startet der finnische Konzern erstmals einen Dienst, der völlig unabhängig von seinen Mobiltelefonen funktioniert. Wie die Nokia Oy aus Helsinki mitteilte, werden vom kommenden Samstag an Karten für 150 Länder kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt und können von dort auf das Handy oder den Taschencomputer (PDA) geladen werden. Das Kartenmaterial kommt von den Anbietern Tele Atlas und Navteq, die diesen Markt in einem Duopol beherrschen.

Die dazugehörige Software läuft auf den Geräten mit dem Nokia-Betriebssystem der Serie 60, die im Segment der Multimedia-Handys (Smartphone) bei weitem dominiert. Die Nokia-Lösung funktioniert aber auch mit dem Betriebssystem Windows Mobile von Nokias Erzrivalen Microsoft. Zusammen mit einem Empfänger für das global verfügbare Positionssignal der GPS-Satelliten wird damit aus vielen Handys oder PDA ein vollwertiges Navigationssystem. Auf den Nokia-Geräten wird der Dienst Nokia-Maps heißen. Für die anderen Anbieter läuft er unter dem Namen Smart-2-Go.

Navigationsfunktion ist kostenpflichtig

Damit greift der finnische Konzern vor allem die etablierten Anbieter auf dem Navigationsmarkt - wie die niederländische Tom Tom oder Navigon aus Hamburg - an, deren Geräte meist mit begrenztem Kartenmaterial ausgeliefert werden. Zusätzliche Karten oder Aktualisierungen kosten extra. Bei Nokia hingegen werden auch diese Erneuerungen der Karten nach Angaben von Ralph Eric Kunz, der bei Nokia Multimedia für die Navigationslösungen zuständig ist, weiterhin kostenlos sein. „Wir müssen die Leute dazu bringen, die Lösung zu nutzen, bevor wir dafür etwas berechnen“, erklärte Kunz während einer Internetpräsentation am Donnerstag. Die Karten können aus dem Internet auf einen Computer geladen und dann auf das Handy überspielt werden. Der Kunde kann sie aber auch direkt über das Mobilfunknetz beziehen, was aber zu hohen Kosten für die Übertragung führen kann.

Ganz kostenlos ist der Nokia-Dienst allerdings nicht. Während man seine Position oder eine Route auf der Karte bestimmen kann, ohne dafür zu zahlen, ist die Navigationsfunktion - mit den entsprechenden Anweisungen zum Abbiegen - kostenpflichtig. Die von Nokia dafür ausgewiesenen Preise sind allerdings sehr niedrig. Sie reichen von einer Pauschale für zum Beispiel die Navigation in Deutschland von 6,49 Euro für eine Woche bis zu einem Pauschalpreis von knapp 100 Euro für europaweite Navigation für drei Jahre. Dies liegt weit unter den Preisen, die heute von anderen Anbietern von Handy-Navigation je Route oder als monatliche Pauschale erhoben werden.

„Wir glauben, dass wir damit die Grundregeln dieses Geschäftes verändern“, sagte Kunz und fügte hinzu: „Wir wollen durch die kostenlose Abgabe der Karten eine Gemeinschaft von Nutzern entwickeln, die dann für zusätzliche Dienste wie die Navigation zahlen. Wir wollen so schnell wie möglich so viele Nutzer wie möglich gewinnen und haben daher auch eine Version für die Windows-Plattform angeboten.“ Zu den Diensten, an denen Nokia später auch verdienen will, gehören die als Location-based-Sercives bezeichneten Leistungen, die dem Kunden auf seinen aktuellen Standort zugeschnittenen Informationen oder Angebote liefern. So plant das Unternehmen zum Beispiel die Zusammenarbeit mit Hotelvermittlungssystemen. Von Beginn an sollen daher schon 15 Millionen Plätze von Interesse wie Museen, Kinos und Restaurants aber auch Tankstellen und Apotheken auf den Karten abgebildet sein.

Quelle: F.A.Z., 09.02.2007, Nr. 34 / Seite 19
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 10 11

30.05.2012 09:42 Uhr
  Vortag
Dax 6.322,36 −1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,95 −1,16%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2449 −0,31%
Rohöl Brent Crude 105,75 $ −1,03%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.