Home
http://www.faz.net/-gqm-p8hl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Telekommunikation Mobilfunker locken mit niedrigeren Preisen

02.08.2004 ·  Die Handy-Gesellschaften lassen von ihrer Hochpreisstrategie ab: Nach Vodafone hat nun auch T-Mobile einen Abendtarif eingeführt, der 1000 Minuten für 7,50 Euro je Monat enthält. Zudem bröckeln die Tarife für Multimedianachrichten und UMTS.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Die Handy-Tarife in Deutschland kommen ins Rutschen: Nach Vodafone hat nun auch T-Mobile einen Abendtarif eingeführt, der 1000 Minuten für 7,50 Euro je Monat enthält. Der Minutenpreis beträgt also nur einen Bruchteil der sonst üblichen Höhe. Auch die Preise für Multimedia-Nachrichten (MMS) sind im freien Fall: Statt Preisen bis zu 1,29 Euro berechnen die meisten Mobilfunker nur noch 39 Cent je Bildnachricht.

Bisher die höchsten Tarife in Europa

Die neuen Tarife scheinen ein Umdenken bei den Mobilfunkgesellschaften anzudeuten: Bisher haben die deutschen Handy-Nutzer die höchsten Gesprächstarife in Europa gezahlt. Während in Nachbarländern wie Österreich ein harter Preiswettbewerb unter den Mobilfunkern für günstige Tarife sorgt, zeigten sich vor allem die deutschen Marktführer T-Mobile und Vodafone bisher bemerkenswert einig, nur behutsam an der Preisschraube zu drehen. Die Kunden haben entsprechend elastisch auf den Preis reagiert und im Durchschnitt nur 75 Minuten im Monat mit dem Handy telefoniert. Das liegt etwa 40 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Mit ihrer Hochpreisstrategie haben sich die Anbieter aber keinen Gefallen getan: Obwohl die Preise für Mobilfunkgespräche in Deutschland an der Spitze in Europa liegen, befinden sich die Pro-Kopf-Umsätze mit Sprache mit rund 22 Euro am Ende der europäischen Rangliste. Nun scheinen die Unternehmen behutsam umzusteuern: Günstigere Tarife könnten mehr Handy-Gespräche und damit am Ende auch mehr Umsatz mit sich bringen.

Das gleiche Kalkül scheint für die Datendienste zu gelten: Die Tarifsenkung auf 39 Cent für eine MMS soll die Lust auf das Verschicken der Bildnachrichten heben und die dringend benötigten Umsätze mit Datendiensten ankurbeln. Vodafone hat darüber hinaus die Tarife für die Datenübertragung im Mobilfunknetz der dritten Generation (UMTS) leicht gesenkt und damit den Preiswettbewerb angeheizt. Konkurrent T-Mobile reagierte prompt mit einer neuen Tarifstruktur.

Moderne Handys dank hoher Subventionen

Die Voraussetzung für eine positive Entwicklung der Datendienste ist gegeben: Dank hoher Subventionen ist der Handy-Bestand in Deutschland sehr modern. Rund die Hälfte der Handy-Nutzer besitzen ein Gerät mit Farbdisplay, etwa 35 Prozent verfügen über ein Modell mit Fotokamera, hat eine Umfrage der Unternehmensberatung A.T. Kearney und des Judge Institute of Management Studies ergeben. Die hohen Gerätesubventionen der Netzbetreiber zahlen sich langsam aus: Rund 20 Prozent der deutschen Handy-Nutzer versenden zumindest gelegentlich eine Multimedianachricht, und 17 Prozent surfen im Internet und laden E-Mails herunter. Diese Werte sind im Vergleich zu den Vorreiterländern Japan und Südkorea eher gering, aber im europäischen Vergleich Spitze.

Angriff auf das Festnetz

Die neuen Gesprächstarife sind auch als Versuch der Mobilfunker zu werten, dem Festnetz die Kunden abzujagen. Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes haben bereits heute 25 Prozent der Haushalte mit Bewohnern jünger als 25 Jahre keinen Festnetzanschluß mehr. Mit steigendem Alter nimmt diese Quote zwar ab, doch sind inzwischen rund vier Prozent oder 1,6 Millionen Privathaushalte in Deutschland nur noch über das Handy zu erreichen. Schon seit einiger Zeit versuchen die kleinen Mobilfunkunternehmen E-Plus und O2, bisherige Festnetzkunden ganz an sich zu binden. E-Plus setzt dabei auf sehr niedrige Preise für die Mobiltelefonate vom Handy ins Festnetz. O2 hingegen bietet mit seinem Produkt Genion Telefonate vom Handy zum Festnetzpreis in einem kleinen Umkreis um den Wohnort des Kunden.

UMTS soll den neuen Datendiensten auch in den heimischen vier Wänden Schub verleihen, wie das Beispiel Surf@home zeigt: Die UMTS-Box von O2 empfängt Daten mit sechsfacher ISDN-Geschwindigkeit und transportiert sie im Haus per W-Lan zum Computer weiter. Die Übertragungstarife sollen dem Festnetzniveau entsprechen, verspricht O2. Die Box könnte vielen Haushalten, die das Internet nur selten nutzen, einen Anlaß geben, ganz auf den Festnetzanschluß zugunsten des Mobilfunks zu verzichten.

Allerdings halten die Internet-Unternehmen dagegen: Die Internet-Telefonie, die gerade den Sprung aus den Entwicklungslabors in die Haushalte geschafft hat, senkt die Gesprächskosten, erhöht aber gleichzeitig den Komfort. Per W-Lan lassen sich die Gespräche im Haus übertragen. Digitale Anrufbeantworter im Internet und Videotelefonie sind nur die ersten Entwicklungsschritte der Internet-Telefonie.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2004, Nr. 177 / Seite 15
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 10 11

30.05.2012 09:42 Uhr
  Vortag
Dax 6.322,36 −1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,95 −1,16%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2449 −0,31%
Rohöl Brent Crude 105,75 $ −1,03%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.