30.07.2007 · Die Lage auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt ist ernüchternd: Dem Festnetz bricht der Umsatz weg, und es droht die Konkurrenz durch die Internet-Telefonie. Darunter leidet vor allem die Deutsche Telekom.
Von Johannes WinkelhageDie Lage auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt ist ernüchternd: Dem Festnetz bricht der Umsatz weg, und es droht die Konkurrenz durch die Internet-Telefonie. Darunter leidet vor allem die Deutsche Telekom. Die Mobilfunkbetreiber hingegen sehen sich in dem weitgehend gesättigten Markt immer stärker durch neue Marken, die die Kunden in Nischenmärkten abholen, konfrontiert. Die Zugangsanbieter zum Internet (Internet-Service-Provider oder ISP) schließlich leiden besonders unter dem Preiskampf, der alle Segmente der Branche prägt. Angesichts dieses Zustandes ist es nur verständlich, dass alle Akteure auf der Suche nach neuen Wachstumsfeldern sind.
Konvergenzprodukte kommen
Eine Lösung: Die Unternehmen konzentrieren sich nicht mehr ausschließlich auf ihr klassisches Feld sondern versuchen, auch auf dem Gebiet der anderen zu wildern. Alle hoffen, auf diesem Weg einen größeren Anteil am Gesamtmarkt zu erhalten. So wird die viel diskutierte Konvergenz im Telekommunikationsmarkt, die das Zusammenwachsen der Dienste und Angebote beschreibt, nicht nur von der technischen Entwicklung getrieben. Branchenbeobachter sehen in ihr vielmehr eine strategische Notwendigkeit für die Unternehmen, die der Sicherung weiteren Wachstums dient.
Dies belegt auch eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft Capgemini Consulting, die auf die Voraussetzungen und Gründe für die Konvergenz speziell von Festnetz und Mobilfunkdiensten geschaut hat. Auch wurde gefragt, welche Unternehmen die besten Chancen in diesem Geschäft eingeräumt werden und was den Kunden für ein Konvergenzprodukt begeistern könnte.
Der Preis ist ausschlaggebend
Die Antwort auf die letzte Frage ist einfach: Der Preis ist das ausschlaggebende Argument, das ein solches Bündelangebot attraktiv macht. Der Kunde verlangt einen Preisabschlag dafür, dass er mit seiner gesamten Kommunikation zu einem Anbieter wechselt. Darüber hinaus ist er, das ist ein weiteres Ergebnis der Untersuchung, schon mit einfachen Dingen zufrieden. „Die Unternehmen denken schon einen Schritt voraus und preisen die besonderen Funktionen ihrer Bündelangebote. Der Kunde schaut aber im Wesentlichen auf den Preis“, sagt Michael Schwalbach, Principal bei Capgemini Consulting.
Auch war es den Befragten erheblich wichtiger, nur eine Rechnung zu bekommen, als ein einziges Gerät sowohl mobil als auch zu Hause nutzen zu können. Solche Versuche, den Kunden mit Technik zu begeistern, schlagen häufig fehlt. So hat zum Beispiel die Deutsche Telekom mit ihrem Telefon T-One, dass zu Hause über das Festnetz und unterwegs über das Mobilfunknetz telefoniert – trotz hohen Marketingbudgets – völligen Schiffbruch erlitten. Im März 2007 wurde das Angebot Ende 2006 auf den Markt gekommene Angebot aus dem Programm genommen.
Insgesamt rechnet die Untersuchung damit, dass rund die Hälfte der 39 Millionen Haushalte in Deutschland den gebündelten Produkten aus Festnetz, Mobilfunk und Internetzugang offen gegenüber steht. Rund 42 Prozent gaben aber auch an, überhaupt kein Interesse an einem solchen Angebot zu haben.
Der Markt wird jetzt verteilt
Nach Ansicht von Schwalbach wird dieser Zukunftsmarkt in Ansätzen schon jetzt verteilt. „Je mehr Dienste ein Kunde von einem Anbieter bezieht, desto schwieriger wird es für die Konkurrenz, ihn später aus diesem Verhältnis zu lösen.“
Vor allem die Deutsche Telekom könnte von der Konvergenz der Angebote profitieren. Mehr als ein Drittel der befragten Verbraucher und Experten geben dem ehemaligen Monopolisten hierbei gute Chancen, da der Konzern Festnetz und Mobilfunk schon heute unter einem Dach betreibt. „Die Telekom hat alle Bausteine für die konvergenten Produkte im eigenen Haus. Ob sie diese Chance nutzen kann wird sich zeigen“, sagt Schwalbach.
Wie andere integrierte Anbieter auch müsse der Konzern vor allem davon abkommen, aus Angst vor einer Kannibalisierung einzelner Geschäftsbereiche, immer wieder bei den Konvergenzprodukten mehr Rücksicht auf die eigenen Einzelsparten zu nehmen als auf die Kundenbedürfnisse zu achten. Das Ergebnis sei für den Kunden meist unattraktiv.
Keiner kennt Telefónica
Weniger gute Aussichten bei den Verbrauchern als die Deutsche Telekom hat hingegen die Kombination aus O2 und Telefónica – obwohl die Telefónica in Deutschland eines der größten Festnetze neben dem der Telekom betreibt. Das wissen 31 Prozent der Fachleute, aber nur 2 Prozent der Endkunden, die dieser Kombination daher keine große Kompetenz zusprechen. Im Mittelfeld rangieren hingegen Vodafone und deren Festnetz-Tochtergesellschaft Arcor, die schon heute jeweils konvergente Angebote im Portfolio haben. Der Büdelsdorfer Anbieter Freenet wird gerade einmal von 3 Prozent der Kunden genannt.
Während T-Mobile, Vodafone und O2 von den Festnetzangeboten in der eigenen Gruppe profitieren hat E-Plus als einziger Mobilfunkanbieter kein Festnetzangebot und geht einen eigenen Weg – obwohl Thorsten Dirks, der Vorsitzende der Geschäftsführung des Düsseldorfer Anbieters eine solche Kooperation nicht generell ausschließt. Nur zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch nicht so weit, heißt es im Unternehmen. E-Plus setzt im Kampf um zusätzlichen Umsatz eher auf die preisaggressiven Discountmarken wie Base oder Simyo. So verfolgt das Unternehmen nicht ohne Erfolg eher eine Strategie, die auf eine Substitution des Festnetzes durch Mobilfunkangebote, denn auf eine konvergente Lösung auf der Basis beider Übertragungswege.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,95 | −1,16% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2449 | −0,31% |
| Rohöl Brent Crude | 105,75 $ | −1,03% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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