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Telekommunikation Microsoft drängt weiter in den Mobilfunkmarkt

15.12.2003 ·  Der Softwarekonzern Microsoft arbeitet intensiv am Einstieg in den Markt für Handy-Betriebssysteme. Erst vor wenigen Tagen hat Debitel mit einem Gerät von Motorola das erste Windows-Handy auf den Markt gebracht.

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Der Softwarekonzern Microsoft arbeitet weiter intensiv an einem Einstieg in den Markt für Handy-Betriebssysteme. So werden derzeit in Deutschland Gespräche mit allen großen Netzbetreibern über die Markteinführung entsprechender Geräte geführt. Dies bestätigte Michael Müller-Berg, der für Microsoft in Deutschland die Geschäftskunden aus der Medien- und Telekommunikationsindustrie betreut, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Der Markt für die Betriebssysteme im Mobiltelefon wird heute noch vom finnischen Konzern Nokia beherrscht. Einerseits lizenziert Nokia diese Software selber an andere Hersteller, auf der anderen Seite dominiert das Unternehmen aber auch den britischen Betriebssystementwickler Symbian, der ein umfassendes Softwareprodukt für künftige Multimediahandys anbietet.

Bisher wenig Endgeräte für Windows Mobile

Microsoft hingegen geht mit dem Produkt Windows Mobile an den Markt. Bisher gibt es allerdings wenig Endgeräte, die die Microsoft-Software nutzen. So brachte im Jahr 2002 der französische Mobilfunkanbieter Orange das erste Multimediahandy mit Windows-Software auf den Markt, das von dem asiatischen Hersteller HTC gefertigt wurde.

Inzwischen haben sich allerdings auch mehrere andere Hersteller entschieden, ihre Modellpalette um Geräte mit Microsoft-Betriebssystemen zu erweitern. So verkauft Orange inzwischen auch ein entsprechendes Gerät von Motorola. In Deutschland ist es der Serviceprovider Debitel, der mit dem Gerät von Motorola seit wenigen Tagen das erste Windows-Handy auf den Markt gebracht hat. Eine Kooperation zwischen Microsoft und dem Marktführer T-Mobile war Anfang des Jahres 2003 gescheitert. Aus Branchenkreisen hieß es damals, daß es technische Probleme mit den Geräten gegeben habe.

In einem neuen Anlauf setzt Müller-Berg jetzt zunächst auf die Kooperation mit Serviceprovidern wie der Debitel. "Unser Ziel ist es, hier erste Erfahrungen zu sammeln und dann weitere Serviceprovider zu überzeugen." Auch zum Marktstart der schnellen Mobilfunktechnik UMTS im Verlauf des kommenden Jahres rechnet er nicht damit, daß die großen Netzbetreiber Microsoft-Handys auf UMTS-Basis anbieten werden.

Hohe Erwartungen bei Microsoft

Mittelfristig sind die Erwartungen bei Microsoft allerdings recht hoch gesteckt. In den kommenden fünf bis sieben Jahren soll der Anteil an dem Markt für die Handy-Betriebssysteme auf bis zu 20 Prozent steigen, erläutert Müller-Berg. Bisher liegt dieser Anteil noch unter 10 Prozent. Erfolgreicher ist der Softwarekonzern allerdings im Segment der sogenannten PDS, der Kleincomputer für die Westentasche.

Hier erreicht Microsoft nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner inzwischen einen Anteil von 42,3 Prozent der Stückzahlen. Am Wert der Geräte gemessen beträgt dieser Anteil sogar 54,2 Prozent. Der ehemals marktdominierende Konkurrent Palm kommt bei den Stückzahlen noch auf einen Anteil von 46 Prozent.

Mobilfunkanbieter sollen Lizenzgebühren übernehmen

Voraussetzung für Microsoft für die Kooperation mit den Mobilfunkanbietern ist nach Angaben von Müller-Berg aber, daß die Netzbetreiber die Lizenzgebühren für die Software akzeptieren, die zwischen 5 bis 15 Dollar je Gerät liegt. "Wir zahlen nicht für den Markteintritt mit, ohne zum Beispiel zu wissen, wie viele Stückzahlen abgenommen werden", erläutert er und spielt damit auf die Subvention der Geräte durch die deutschen Mobilfunkanbieter an.

Die Netzbetreiber seien ja auch nicht bereit, die Softwarehersteller an den späteren Einnahmen aus dem Geschäft zum Beispiel mit der mobilen Datenübermittlung zu beteiligen, mit denen die anfänglichen Marketingaufwendungen refinanziert würden. Eine solche Beteiligung am Umsatz entspreche auch nicht dem Geschäftsmodell von Microsoft und sei nicht beabsichtigt.

Netzbetreiber setzen auf mobile Datendienste

Müller-Berg verweist aber darauf, daß gerade die mobilen Datendienste zu einer deutlichen Steigerung des Durchschnittsumsatzes pro Nutzer (Arpu) führten, wenn der Kunde ein entsprechend ausgerüstetes Gerät - zum Beispiel mit Microsoft-Software - nutze. So hätten die Erfahrungen mit diesen Geräten bei Orange gezeigt, daß dieser Arpu, der in der Branche als eine Schlüsselgröße für den Erfolg eines Unternehmens gesehen wird, bei den Nutzern des Microsoft-Handys um rund 30 Prozent angestiegen sei. "Andere Netzbetreiber in Europa erhoffen sich einen Anstieg des Arpu von 1 bis 2 Euro, wenn sie von mobilen Datendiensten sprechen", verdeutlicht Müller-Berg.

"Orange hat jetzt Erfahrung damit, wie man diese Geräte und damit auch die Datendienste vermarktet", sagt er weiter. Damit liege das Unternehmen rund ein Jahr vor der Konkurrenz und könne diesen Vorsprung als Wettbewerbsvorteil nutzen. Zwar habe es auch in diesem Fall Schwierigkeiten mit der Technik gegeben, man könne aber generell "nicht Pionier sein", wenn man eine vollkommen risikolose Markteinführung eines Produkts betreiben wolle.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2003, Nr. 291 / Seite 19 , jcw.
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