25.04.2005 · Aus verschiedenen Quellen ist zu hören, daß die Regulierungsbehörde in dieser Woche den Preis für die „letzte Meile“ zum Kunden senken will. Die Telekom fordert 17,40 Euro im Monat von der Konkurrenz.
Von Helmut Bünder und Johannes Winkelhage"Die Teilnehmeranschlußleitung ist die ,Mutter aller Vorleistungsprodukte' der Deutschen Telekom." Mit diesen Worten beschreibt Gerd Eickers, der Präsident des Branchenverbandes VATM, die Bedeutung der besser als "letzte Meile" bekannten Telefonleitung vom Hauptverteiler der Deutschen Telekom zum Kundenhaushalt.
Obwohl deren Wettbewerber diese Leitung seit Jahren anmieten und dadurch den Kunden komplett übernehmen können, gibt es Streit um dieses Vorleistungsprodukt, das in Fachkreisen auch als TAL bezeichnet wird. Der Grund: Die Wettbewerber sind mit dem Preis von derzeit 11,80 Euro, den die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) der Telekom als Monatsmiete zugesteht, ganz und gar nicht einverstanden und fordern eine Absenkung unter die Grenze von 10 Euro. Die Telekom hingegen hat auf rund sechzehntausend Druckseiten begründet, warum sie den TAL-Preis auf 17,40 Euro angehoben sehen will. Ihr Hauptargument ist das in den Leitungen gebundene Kapital, für das ein hoher Renditeanspruch angesetzt wird. Die Wettbewerber halten dagegen, daß die Anschlüsse zum größten Teil schon vor Jahren gelegt worden und längst abgeschrieben seien.
Quellen: RegTP denkt über Absenkung nach
Bis zum Ende dieser Woche muß nun die RegTP den TAL-Preis neu festsetzen. Dies wird das gesamte Preisgefüge auf dem Telekommunikationsmarkt maßgeblich beeinflussen. Denn aus dem TAL-Preis leiten sich direkt oder indirekt auch die Preise für eine Reihe anderer Leistungen ab. Das gilt vor allem für das sogenannte Line-Sharing: Dabei wird der untere Frequenzbereich der Leitung weiter für die Sprachübertragung durch die Telekom genutzt, während Wettbewerber nur den oberen Frequenzbereich für den DSL-Zugang anmieten. Dafür zahlen sie bisher 2,43 Euro im Monat; bis Anfang Juli muß auch dieser Tarif neu justiert werden.
Aus verschiedenen Quellen ist inzwischen zu hören, daß die RegTP über eine leichte Absenkung der Monatsmiete für die TAL zwischen 0,50 Euro und 1 Euro nachdenke. Dies aber reicht den Wettbewerbern der Telekom nicht aus: "Bei einem TAL-Preis von weniger als 10 Euro werden wir in den kommenden zwei Jahren rund 500 Millionen Euro investieren und mehr als 700 Ortsnetze zusätzlich an unsere Netze anschließen", betont Peer Knauer, Präsident des zweiten Branchenverbandes Breko, der vor allem die lokalen und regionalen Telefongesellschaften vertritt. "Wenn die Absenkung der TAL nicht in diesem Maße erfolgt, werden diese Investitionen nicht getätigt, und die Stadtnetzbetreiber bauen ihre Netze nur noch marginal aus", erläutert Knauer.
Jeder Zehnte ist bisher von DSL abgeschnitten
Bisher sind mit rund 2,3 Millionen nur etwa 5 Prozent der knapp 40 Millionen Telefonanschlüsse in Deutschland an Wettbewerber vermietet. Dies ist meist in den großen Städten der Fall, wo diese durch den Anschluß von wenigen großen Hauptverteilern (HVT) an ihr Netz Zugang zu Tausenden von Teilnehmern erhalten. In den Randregionen und auf dem Lande ist die Telekom meist der einzige Anbieter für Sprache und den DSL-Zugang. Deren Konkurrenten argumentieren, daß sich Investitionen hier bisher betriebswirtschaftlich nicht rechnen. Die Kosten für den Anschluß des HVT, die Einmalentgelte für die Anmietung der TAL und die monatliche Miete seien zusammen zu hoch. Bisher dauere es rund drei Jahre, bis die Unternehmen mit diesen Kunden Gewinn erzielten. Diese Amortisationszeit könnte durch eine TAL-Absenkung reduziert werden.
Das Gegenargument für den Regulierer liegt auf der Hand: Niedrige TAL-Preise behindern den weiteren Ausbau alternativer Breitbandtechnologien wie die Funktechnik Wimax und das Fernsehkabel, welche die regionalen Lücken in der Versorgung mit schnellen Internet-Zugängen schließen könnten. Denn rund ein Zehntel der deutschen Bevölkerung ist bisher von DSL ganz abgeschnitten. Ein Grund dafür: In manchen Gebieten lassen die dort verlegten Glasfaserkabel diese Übertragungstechnik nicht zu.
Boomende Nachfrage spricht gegen Preissenkung
Die Alternativen jedoch rechnen sich schon heute nur mit ganz spitzem Bleistift. Und je schärfer der Preiswettbewerb, desto zurückhaltender werden Investoren wie die Kabelgesellschaft KDG, die über eine Aufrüstung ihres Netzes für Breitbandzugänge nachdenkt. Gegen eine starke Absenkung der TAL-Preise läßt sich auch die boomende Nachfrage ins Feld führen: Obwohl der Preis in anderen EU-Staaten zum Teil deutlich niedriger ist, verkaufen sich die Leitungen dort längst nicht so gut wie in Deutschland, wo die Telekom jeden Monat rund 100.000 neue TAL vermietet.
Dennoch verlangen die Wettbewerber, daß sich der Regulierer bei der Preisfestsetzung am europäischen Vergleichsniveau orientiert. Dies sei ein geeigneter Maßstab für die Kosten der "effizienten Leistungserbringung", die laut deutschem Telekommunikationsgesetz (TKG) die Richtschnur für die TAL-Preise bilden müssen. Dabei berufen sich VATM und Breko auf das "Konsistenzgebot" des neuen TKG. Ihrer Auffassung nach ergibt sich daraus die Verpflichtung, bei der Festsetzung des Tarifs die gleiche Vergleichsmarktmethodik anzuwenden wie bei anderen Vorleistungsprodukten. In diesem Fall würde der TAL-Preis auf jeden Fall unter die Marke von 10 Euro fallen. Im Wirtschaftsministerium und in der RegTP interpretiert man das Konsistenzgebot hingegen so, daß damit nur die Forderung nach in sich widerspruchsfreien Preisen für verschiedene Vorleistungsprodukte gemeint und einheitliche Methoden nicht vorgeschrieben seien.
Weiterverkauf unter Telekomtarif praktisch unmöglich
Während die Preise für DSL-Anschlüsse in den Städten deutlich unter das Telekom-Niveau gefallen sind, verharren sie auf dem Land ohne Wettbewerb oft auf dem alten Stand. Daran ändert auch nichts, daß andere Formen des Zugangs zum Endkunden, wie etwa der von der RegTP 2003 erzwungene Weiterverkauf von DSL-Anschlüssen der Telekom (Resale), jetzt in Gang kommen.
Hier ist die Marge zwischen dem Einkaufspreis, der frei ausgehandelt werden kann, und dem DSL-Endkundenpreis der Telekom so gering, daß ein Weiterverkauf unter dem Telekomtarif praktisch nicht möglich ist. Der Anteil der Wettbewerber an den rund 6,7 Millionen DSL-Anschlüssen liegt derzeit bei knapp 1,2 Millionen oder etwa 20 Prozent. Rund 240.000 Anschlüsse davon sind über Resale vermietet, an dem die Telekom gut verdient.
Pauschalpreis soll Billiganbieter fernhalten
Bisher geht daher das Kalkül der Telekom auf, den Wettbewerb aus den nichtstädtischen Regionen - in denen rund 60 Prozent der Bevölkerung leben - herauszuhalten. Dies ist nach Ansicht von Branchenkennern auch der Grund dafür, daß sie sich so vehement gegen niedrigere TAL-Preise sträubt. Die Mindereinnahmen von etwa 48 Millionen Euro im Jahr - bei einer Absenkung des TAL-Preises auf zum Beispiel 9,80 Euro - könnte die Milliardenbilanz des ehemaligen Monopolisten noch verkraften. Es ist der stärkere Wettbewerb um den Anschluß des Endkunden, der die Telekom schreckt. Dies gilt vor allem, weil die Telekom-Erlöse aus dem Verkauf von Telefonminuten zurückgehen. Schon heute erzielt die wichtige Festnetzsparte rund 60 Prozent ihres Umsatzes aus den Grundpreisen für den Telefonanschluß. Es ist Strategie des Konzerns, diese festen Einnahmen durch Bündeltarife mit freien Telefonaten am Wochenende oder ähnlichen Pauschalkomponenten nach oben zu treiben.
Die Rechnung ist einfach: Wer zum Telekom-Pauschalpreis telefoniert, wechselt nicht zu einem Billiganbieter. So entzieht sich die Telekom zunehmend dem Wettbewerb um die Preise für die Gesprächsminuten, den die Anbieter im Call-by-Call stetig verschärfen. Dazu hat die RegTP das Ihre beigetragen: Die Preise für die Zusammenschaltung mit dem Netz der Telekom, von denen die Call-by-Call-Anbieter wesentlich abhängen, sind in den vergangenen Jahren stärker gesenkt worden als die TAL-Preise.
Rund die Hälfte der Mitarbeiter sind Beamte
Um so mehr fürchtet die Telekom nun den Angriff auf den sicheren Umsatz aus den Grundpreisen und vor allem den Pauschalentgelten. Genau dieser aber ist in Gefahr, wenn der Kunde mit seinem Anschluß zur Konkurrenz wechselt. Diese Wettbewerbssituation für die Telekom wird sich künftig durch die Internet-Telefonie noch verschärfen. Hier zeichnet sich ab, daß die Sprachübermittlung zumindest für nationale Gespräche mittelfristig pauschal abgegolten wird. Wichtig ist daher, wer den DSL-Anschluß bereitstellt, der die Internet-Telefonie ermöglicht. Auch aus diesem Grund versucht die Telekom alles, um die Wettbewerber aus dem Anschlußbereich herauszuhalten.
Sich durch konsequente Kostensenkung auf einen verschärften Preiskampf einzulassen scheitert aber auch an der Vergangenheit des ehemaligen Staatskonzerns. Ausgerechnet im wettbewerbsintensiven und regulierten Festnetzgeschäft schiebt der Konzern den höchsten Beamtenanteil vor sich her. Rund die Hälfte der 100.000 Mitarbeiter in Deutschland sind noch immer Staatsdiener mit Beschäftigungsgarantie.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,95 | −1,16% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2449 | −0,31% |
| Rohöl Brent Crude | 105,75 $ | −1,03% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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