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Telekommunikation Im DSL-Markt verrohen die Sitten

03.04.2006 ·  Der Preiskampf im Breitbandmarkt nimmt zu und der Umgang unter den Wettbewerbern wird rauher. Die Zahl der Abmahnungen und einstweiligen Verfügungen steigt deutlich an. Besonders das Westerwälder Unternehmen 1&1 steht in der Kritik.

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„Lebenslang kostenlos telefonieren“ - mit diesem Slogan wirbt 1&1 um Kunden für DSL-Internetanschlüsse. Nur wer das Kleingedruckte liest, erfährt, daß das Angebot natürlich weder lebenslang noch kostenlos ist. Präzise formuliert können Kunden, die für 29,99 Euro im Monat einen superschnellen 16-Megabit-DSL-Anschluß bei 1&1 bestellen, für die Dauer der Vertragslaufzeit unbegrenzt über die Internetleitung in das deutsche Festnetz telefonieren.

Wer nach Vertragsabschluß zu einem anderen DSL-Anbieter wechselt, verliert das Recht auf die Telefonate. Zusätzlich werden Gespräche in Handynetze und ins Ausland extra berechnet; für Telefonate in die europäischen Nachbarländer berechnet 1&1 sogar 9 Cent die Minute, was etwa dem Fünffachen des üblichen Call-by-Call-Preises entspricht.

50 Prozent mehr Abmahnungen

Diese aggressive Werbung hat seit Jahresanfang, seitdem der Preiswettbewerb abermals an Schärfe gewonnen hat, spürbar zugenommen. Inzwischen haben sich die Kabelnetzbetreiber im Preiswettbewerb an die Spitze gesetzt und haben damit den Druck auf die DSL-Branche erhöht. Entsprechend senden sich die Anbieter gegenseitig immer häufiger Abmahnungen und einstweilige Verfügungen zu.

„1&1 verzeichnet sichtbar mehr Abmahnungen - sowohl eingehende wie ausgehende“, sagte ein Sprecher. In der Branche wird von 50 Prozent Anstieg gegenüber dem Vorjahr gesprochen. Anders als früher ignorieren einige Anbieter gerichtliche Anweisungen und nehmen lieber die Zahlung eines Ordnungsgeldes in Kauf, sagt ein Branchenkenner.

Über negative Kommentare regt sich keiner mehr auf

Immer wieder in der Kritik steht 1&1. Das Unternehmen bietet zum Beispiel superschnelle DSL-Verbindungen mit 16 Megabit Übertragungsgeschwindigkeit an. Die Konkurrenz reibt sich an der Werbung, weil die neue Technik im größten Teil Deutschlands noch gar nicht verfügbar ist. Die Kunden bekommen zunächst einen langsameren DSL-Anschluß und werden umgestellt, sobald 16 Megabit verfügbar sind. „Die Antragsgegnerin (1&1) verkauft dem Kunden ... die Mercedes-E-Klasse zu dem entsprechenden Preis, stellt ihm aber mehr oder weniger ungefragt nur einen VW Golf zur Verfügung“, formulierte ein Richter in einer einstweiligen Verfügung das Verhalten.

Auch die Deutsche Telekom scheint mit ihren Methoden nicht zimperlich zu sein. Kunden, bei denen der Wechsel zu einem anderen Telefonanbieter nicht reibungslos funktioniert, bekommen Anrufe von der Telekom, ob sie wegen der Umstellungsprobleme nicht doch wieder zur Telekom zurückwechseln wollen, berichtet ein Branchenkenner. Über negative Kommentare in Foren über Wettbewerber regt sich in der Branche ohnehin niemand mehr auf.

Quelle: ht., F.A.Z., 03.04.2006, Nr. 79 / Seite 23
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