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Telekommunikation Gewinneinbruch: Telekom unterschätzt den Wettbewerb

10.08.2006 ·  Die Deutsche Telekom leidet unter starkem Preisdruck: Die Gewinne des Konzerns sind in allen Geschäftssparten stärker gesunken als erwartet. Das Unternehmen reduziert seine Umsatz- und Gewinnziele.

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Europas größter Telekommunikationskonzern Deutsche Telekom, hat im zweiten Quartal den Wettbewerb am deutschen Markt deutlich zu spüren bekommen und einen Gewinneinbruch erlitten, der stärker ausfiel als erwartet. Der Umsatz legte zwar zu, doch blieb der Wert ebenfalls unter den Schätzungen der Analysten.

Die Telekom reagierte mit einer Senkung der Umsatz- und Gewinnziele für dieses und das kommende Jahr auf die Entwicklung. Wie die Telekom mitteilte, ging das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,2 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zurück. Analysten hatten einen geringeren Rückgang prognostiziert.

„Über alle drei strategischen Geschäftsfelder zeichnet sich ab, daß sich insbesondere der Preisdruck stärker als zuletzt erwartet entwickeln wird“, teilte der Konzern mit. Für 2006 erwarte die Telekom nun nur noch einen Umsatz von 61,5 Milliarden Euro bis 62,1 Milliarden Euro statt bislang 62,1 Milliarden Euro bis 62,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb dem Unternehmen ein um 14 Prozent niedrigerer Nettogewinn von gut einer Milliarde Euro. Der Umsatz legte dank des Auslandsgeschäfts um knapp drei Prozent auf 15,1 Milliarden Euro zu; die Analysten hatten mit 15,2 Milliarden Euro gerechnet. Im Inland waren die Erlöse um 4 Prozent rückläufig.

Ricke: Wettbewerbsdruck unterschätzt

Ricke sagte am Donnerstag in Bonn, die Telekom habe „unglaublich viele Möglichkeiten“, im Wettbewerb um Märkte und Kunden zu gewinnen. „Sie können sicher sein: Wir werden gewinnen“, sagte er. Das Umfeld habe sich dramatischer verändert, als man es Ende vorigen Jahres und noch Anfang 2006 angenommen habe. „Wir waren im ersten Halbjahr mit einer Wettbewerbsintensität in Deutschland konfrontiert, die wir (...) so nicht erwartet hatten“, erläuterte Ricke.

Die bisherige Strategie, mit mehr Investitionen ein deutliches Wachstum zu erreichen, stoße an ihre Grenzen. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß der Konzern im Inland nicht mehr wächst“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Gegensteuern will er mit Preissenkungen und Kosteneinsparungen. Neue Tarife sollen auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin Ende August vorgestellt werden.

Gewinnerwartungen reduziert

„Im kommenden Jahr soll der Umsatz weiter moderat steigen“, so der Konzern. Bislang hatte die Telekom sich ein Umsatzplus von fünf Prozent für 2006 und 2007 vorgenommen. Wegen der erwarteten geringeren Umsätze reduzierte die Telekom auch ihre Gewinnerwartungen. Demnach soll 2006 ein bereinigtes Ebitda von 19,2 Milliarden Euro bis 19,7 Milliarden Euro statt bislang 20,2 bis 20,7 Milliarden Euro erzielt werden.

Für 2007 wird ein bereinigtes Ebitda in der gleichen Größenordnung erwartet. Ursprünglich sollte der operative Gewinn dann wieder auf 21,7 bis 22,2 Milliarden Euro steigen.

Alle drei Sparten des Konzerns betroffen

Die Korrektur der Gewinnziele betrifft alle drei Sparten des Konzerns. Demnach erwartet die Telekom im Geschäftsfeld Breitband/Festnetz für 2006 nur noch ein bereinigtes Ebitda von 8,8 bis neun Milliarden Euro nach bisher 9,4 bis 9,6 Milliarden Euro. Der Umsatz soll hier höchstens noch 24,6 bis 25 Milliarden Euro erreichen und nicht mehr 24,8 bis 25,2 Milliarden Euro. Bereits dieses Ziel war im Mai gesenkt worden.

Das erst jüngst leicht erhöhte Umsatzziel für das Mobilfunkgeschäft ließ die Telekom für 2006 mit 31,9 bis 32,3 Milliarden Euro bestehen. Allerdings rechnet sie jetzt mit einem geringeren bereinigten Ebitda von 9,8 bis zehn Milliarden Euro nach bislang zehn bis 10,2 Milliarden Euro.

Dividende auf Vorjahreshöhe

Auch die Geschäftskundensparte T-Systems läuft wohl nicht so wie erhofft. Trotz der Übernahme der Volkswagen-IT-Sparte Gedas rechnet die Telekom mit weniger Umsatz und operativem Gewinn als bislang. Demnach soll der Umsatz von T-Systems 2006 nur noch 12,6 bis 12,8 Milliarden Euro betragen statt 13,4 bis 13,6 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebitda erwartet die Telekom nun bei 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro nach bislang 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro.

„Für das Geschäftsjahr 2006 beabsichtigt der Vorstand, dem Aufsichtsrat die Ausschüttung einer Dividende zumindest auf Vorjahreshöhe von 0,72 Euro je Aktie vorzuschlagen“, teilte die Telekom zudem mit.

Der Goldesel heißt Auslandsgeschäft

Das Auslandsgeschäft gab dem Umsatz Schwung: Als Goldesel des Konzerns erwies sich einmal mehr das Mobilfunkgeschäft in den USA und Großbritannien. Die Mobilfunksparte erwirtschaftete von Januar bis Juni im Ausland ein Umsatzplus von 16,6 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro.

Die Telekom-Tochter T-Mobile USA nimmt derzeit am Bieterverfahren für UMTS-Mobilfunklizenzen in den USA teil. Zum Stand der Versteigerung wollte sich Ricke nicht äußern.

Telekom will Aktien zurückkaufen

Die Telekom will insgesamt rund 62.730.182 Millionen eigene Aktien zurückerwerben und einziehen, wodurch das Grundkapital herabgesetzt wird. Die rund 62 Millionen Aktien entsprechen in etwa 1,4 Prozent des Grundkapitals, teilte das Telekommunikationsunternehmen am Donnerstag mit.

Die Anzahl der Aktien entspreche in etwa der, die im Rahmen der Verschmelzung der T-Online International AG auf die Deutsche Telekom AG neu ausgegeben worden seien. Zum Aktienrückkauf sei das Unternehmen auf der Hauptversammlung am 3. Mai ermächtigt worden, hieß es weiter. Der Aufsichtsrat habe der Einziehung zugestimmt. Wie das Unternehmen mitteilte, soll der Rückkauf voraussichtlich am 14. August beginnen und bis zum 30. September dauern.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters und Dow Jones
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