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Telekommunikation Ericsson setzt auf sinkende Mobilfunktarife

22.07.2005 ·  Vorstandschef Svanberg: Wachsender Verkehr braucht mehr Infrastruktur/Umsatz steigt um 18 Prozent

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Carl-Henric Svanberg freut sich auf sinkende Mobilfunkpreise. "Die niedrigeren Minutenpreise vor allem in Europa werden zu einer deutlich höheren Nutzung und damit einem wachsenden Verkehr in den Mobilfunknetzen führen. Das erfordert Investitionen in die Infrastruktur, und davon wird Ericsson profitieren", sagte der Vorstandsvorsitzende des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson im Gespräch mit dieser Zeitung.

"Der Gesamtmarkt für die Infrastruktur der Mobilfunknetze wird im laufenden Jahr moderat, das bedeutet, um bis zu 9 Prozent an Umsatz gewinnen. Dabei wurden in den ersten beiden Quartalen knapp zweistellige Zuwächse verzeichnet. Im Jahresverlauf wird sich dies aber nicht fortsetzen", erwartet Svanberg, rechnet für Ericsson allerdings weiterhin mit deutlich höheren Wachstumsraten.

Für ihn steht es auch außer Frage, daß es dem Mobilfunk durch sinkende Preise gelingen wird, immer mehr Telefonminuten aus dem Festnetz an sich zu binden. Da Ericsson vor allem die Ausrüstung von Mobilfunknetzen als Geschäft betreibt, sind dies gute Nachrichten für Svanberg. Diese Tendenz zeigt sich schon in den Zahlen, die das Unternehmen am Donnerstag für das zweite Quartal 2005 vorgelegt hat.

Umsatz legte um 18 Prozent zu

Der Umsatz steigt gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um 18 Prozent auf 38,4 Milliarden schwedische Kronen oder umgerechnet knapp 4,1 Milliarden Euro. Davon entfallen allein 28,8 Milliarden Kronen auf die Mobilfunknetze. In diesem Kerngeschäft ergibt sich ein Plus von 19 Prozent im Jahresvergleich, das trotz eines durchschnittlichen Preisrückgangs von jährlich 10 Prozent erreicht wurde.

Noch stärker ist allerdings mit einem Zuwachs von 25 Prozent der Umsatz mit Serviceleistungen gewachsen, der jetzt 6,2 Milliarden Kronen (660 Millionen Euro) im Quartal erreicht. Svanberg setzt große Hoffnungen auf dieses Segment. Neben der normalen Wartung der Mobilfunknetze gehört immer öfter auch der vollständige Betrieb des Netzes zu den Aufgaben, die an Dienstleister wie Ericsson ausgelagert werden. "Der Betrieb der Mobilfunknetze ist mit der Einführung von UMTS sehr viel komplexer geworden", betont Svanberg und läßt keinen Zweifel daran, daß dies seiner Meinung nach zu steigenden Kosten auf der Seite der Netzbetreiber führt. "Wir beschäftigen häufig genauso viele Mitarbeiter für die Wartung eines Netzes wie der Netzbetreiber für den täglichen Betrieb. Da gibt es enorme Überschneidungen. Durch eine Auslagerung des Netzbetriebs kann der Netzbetreiber seine Kosten daher deutlich senken, und es bleibt auch für Ericsson noch eine anständige Marge übrig." Schon heute betreut Ericsson 48 Netze mit insgesamt 43 Millionen Kunden komplett. "Der größte Umsatzanteil im Servicebereich entfällt noch auf die Netzwartung. Der Anteil der Komplettverträge steigt aber, und die Zahl der Interessenten für solche Lösungen nimmt deutlich zu. Ericsson sieht hier großes Wachstumspotential", erläutert Svanberg.

Ertrag steigt weiter

Ericsson hat in den vergangenen Monaten aber nicht nur auf der Absatzseite Fortschritte gemacht. Der Quartalsgewinn erhöhte sich von 0,31 auf 0,37 Kronen je Aktie oder insgesamt 5,8 Milliarden Kronen (610 Millionen Euro). Dies gefiel den Anlegern am Donnerstag: Der Aktienkurs legte im Handelsverlauf in der Spitze um 2,6 Prozent auf 27 Kronen zu.

Die Käufer störten sich offenbar nicht an der leicht gesunkenen Rohmarge - eine in der Branche wichtige Kennzahl - von Ericsson, die im zweiten Quartal auf 45,9 Prozent abfiel. Im ersten Quartal wurden noch 48,5 Prozent erreicht.

Svanberg erklärte dies unter anderem mit dem höheren Wachstum im Servicegeschäft. "Dies Segment mit niedrigerer Rohmarge wächst schneller als die anderen Segmente mit höheren Margen. Daher ist unsere Rohmarge im zweiten Quartal leicht gesunken. Hinzu kommt, daß der sehr profitable Umsatz mit Software im ersten Quartal etwas höher war als im zweiten."

Wachstum durch UMTS

Wachstumstreiber ist für den Ericsson-Chef auch die künftige Technik, die auf den jetzt betriebenen UMTS-Netzen aufbauen wird. "In den kommenden Jahren wird die Technik mit dem Namen ,Super-3G' in den Netzen eingeführt, die Übertragungsraten bis zu 30 Megabit in der Sekunde ermöglicht. Die Netzbetreiber werden verstärkt darauf achten, so viele Netzbestandteile wie möglich bei einer solchen Aufrüstung nutzen zu können. Daher wird diese Weiterentwicklung von UMTS eher einen evolutionären Charakter haben", erwartet Svanberg. Svanberg bezeichnete darüber hinaus die in Europa eingesetzte Variante der UMTS-Technik - die Abkürzung der Fachleute nennt diese WCDMA - als die am schnellsten wachsende UMTS-Variante. Inzwischen seien international 65 dieser Netze in Betrieb, und die Zahl der Kunden habe sich allein innerhalb des abgelaufenen Quartals auf 28 Millionen erhöht. Die weltweite Marktdurchdringung schätzt er auf 30 Prozent oder rund 1,9 Milliarden Nutzer.

Er warnt aber davor, übermütig zu werden: "Die Branche hat das Wachstumspotential des Mobilfunkmarktes regelmäßig unterschätzt. Aber in den Zeiten der Euphorie wurde die ganze Branche von dem starken Wachstum davongetragen. Das hat sich danach bitter gerächt. Wir haben daraus gelernt, daß wir keinen Erfolg mehr für selbstverständlich halten. Alles wird permanent hinterfragt."

Quelle: jcw., F.A.Z., 22.07.2005, Nr. 168 / Seite 15
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