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Telekommunikation Ebay wirbt um Internet-Telefonieanbieter Skype

08.09.2005 ·  Der Internet-Marktplatz Ebay will den Anbieter von Internettelefonie Skype Technologies übernehmen - ein Strategieschwenk. Skype wäre eine potentielle neue Umsatzquelle für Ebay. Der Kaufpreis soll zwei bis drei Milliarden Euro betragen.

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In der Internetbranche bahnt sich ein überraschender Zusammenschluß an: Der Internet-Marktplatz Ebay Inc., Palo Alto (Kalifornien), führt nach einem Bericht des "Wall Street Journal" Übernahmeverhandlungen mit dem weltgrößten Internet-Telefonieanbieter Skype SA. Die Software von Skype ermöglicht kostenloses Telefonieren zwischen Computernutzern, erlaubt aber auch Telefonverbindungen in das klassische Festnetz. Als Preis für das luxemburgisch-britische Unternehmen sollen 2 bis 3 Milliarden Dollar im Gespräch sein. Selbst 5 Milliarden Dollar werden als Preis genannt. Weder Ebay noch Skype wollten Übernahmegespräche bestätigen. Dem Bericht zufolge befinden sich die Verhandlungen noch in einer sensiblen Phase und könnten scheitern.

Eine Kombination zwischen Ebay und Skype wäre ein Paukenschlag für die Branche, zumal Ebay sich mit einer solchen Akquisition so weit wie noch nie aus seinem Kerngeschäfts wagen würde. Bislang hat sich das Unternehmen bei Akquisitionen immer recht nahe an seinem ursprünglichen Geschäft mit Versteigerungen über das Internet bewegt. Im Jahr 2002 kaufte Ebay den Online-Bezahldienst Paypal. Im Juni dieses Jahres kam die Preisvergleichsseite Shopping.com hinzu. In Deutschland hatte Ebay im vergangenen Jahr die Autobörse Mobile.de erworben und dabei Yahoo ausgestochen. Ebay bewegt sich - nicht zuletzt mit der Übernahme von Shopping-com - vom Auktionshaus immer stärker in Richtung eines Marktplatzes, auf dem viele Güter von professionellen Händlern zu Festpreisen verkauft werden. In Deutschland stammen weit mehr als ein Drittel aller Angebote von Händlern.

Über die Motive wird gerätselt

Mit Kommunikationsdiensten wie Skype hatte Ebay bisher noch nichts zu tun. Über die Motive wird daher gerätselt. Skype wäre eine potentielle neue Umsatzquelle für Ebay, außerdem könnte das Unternehmen seine Nutzergemeinde vergrößern und eine Verbindung zwischen den beiden Plattformen schaffen. Die Börsianer konnten aber auch der möglichen Skype-Übernahme wenig abgewinnen: Am Donnerstag verlor das Papier im Handelsverlauf rund 3,6 Prozent auf 39 Dollar.

Ebay steht aber unter Zugzwang, sich neue Wachstumsgebiete zu erschließen. Nach Jahren ungebremster Dynamik hat Ebay in diesem Jahr mit seinen Ergebnissen wiederholt enttäuscht. Vor allem in den reifen Märkten wie den Vereinigten Staaten und Deutschland fielen die Steigerungsraten niedriger als gewohnt aus. Zwar hat Ebay in seinem jüngsten Quartalsbericht wieder eine Besserung im Geschäft gemeldet. Die Aktie kostet aber heute rund 30 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.

Yahoo kam nicht zum Zug

In den vergangenen Monaten waren viele Interessenten für Skype in der Diskussion: Yahoo hat wohl mit Skype-Gründer Niklas Zennström verhandelt, kam aber nicht zum Zug. Auch der Medienkonzern News Corp. von Rupert Murdoch, der im Moment sein Internetgeschäft stark ausbaut, wurde als Kandidat gehandelt. Spätestens seitdem aber Google bekannt gegeben hatte, Aktien für 4 Milliarden Dollar an der Börse zu verkaufen, wurde die Suchmaschine als heißer Kandidat für eine Skype-Übernahme gehandelt. Google will in das Geschäftsfeld Kommunikation einsteigen. Das Unternehmen hat gerade erst das Programm "Google Talk" gestartet, das aber bislang nur die Kommunikation zwischen Internetnutzern und nicht in Festnetze hinein erlaubt. Wettbewerber wie der Erzrivale Yahoo sind auf dem Feld der Kommunikation schon wesentlich weiter. Yahoo hatte nach der gescheiterten Skype-Übernahme das amerikanische Internet-Telefonieunternehmen Dialpad übernommen. Auch der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft ist Google in diesem Feld voraus: Erst in der vergangenen Woche hatte Microsoft für seine Online-Sparte MSN einen kleinen Internet-Telefonieanbieter aus Kalifornien gekauft.

Das Interesse an Skype ist so groß, da das zwei Jahre alte Start-Up zu den am schnellsten wachsenden Internet-Unternehmen der Welt gehört. Das Unternehmen bietet eine Software an, mit deren Hilfe sich Telefonate über das Internet sehr einfach und mit hoher Sprachqualität führen lassen. Da Skype die Software verschenkt, sind seit Beginn des Angebots im August 2003 schon 162 Millionen Versionen des Programms aus dem Internet geladen worden. "Wir haben inzwischen 53 Millionen registrierte Nutzer", sagte Skype-Sprecherin Kat James der F.A.Z.. Seit April ist die Zahl der Nutzer damit um 20 Millionen gestiegen.

Aber nur mit 4 Prozent dieser Nutzer erzielt Skype seinen Umsatz, den das Unternehmen aber nicht beziffert. Wichtigster Umsatzträger ist der Dienst Skype-Out, der für Gespräche aus dem Internet in das klassische Festnetz benötigt wird. "Mehr als zwei Millionen Kunden nutzen Skype-Out", sagte James. Seit April hat sich diese Zahl fast verdoppelt. Die Kunden haben inzwischen etwa 12 Milliarden Telefonminuten zum Preis von rund 2 Cent je Minute bei Skype gekauft. Einen großen Teil davon muß Skype aber an die jeweiligen nationalen Festnetzbetreiber wie die Deutsche Telekom abgeben. Weitere Einnahmequellen sind die Vergabe eigener Telefonnummern, digitale Anrufbeantworter und mobiles Telefonieren mit Hilfe lokaler Funknetze in den Skype-Zonen.

Zennström treibt das Wachstum mit großen Schwung voran. Vor wenigen Tagen ist Skype in den chinesischen Markt eingestiegen. Großes Potential erhofft er sich auch vom Mobilfunk: "Skype wird mobil. Heute ist die Internet-Telefonie meist an den Breitbandanschluß zu Hause gekoppelt. In den kommenden Jahren wird die Internet-Telefonie in die Mobiltelefone verlagert", sagte Zennström dieser Zeitung.

Quelle: lid./ht., F.A.Z., 9. September 2005
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