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Telekommunikation DSL-Werbung verwirrt die Kunden

13.12.2004 ·  „Sturzflugpreise“ gegen „Warum-Warten-Wochen“: Internet-Zugangsdienste machen den Einstieg ins schnelle Internet schmackhaft. Allerdings sollten Kunden auf Fußnoten achten. Gespart wird oft nur kurzfristig.

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„Sturzflugpreise“ gegen „Warum-Warten-Wochen“: Die Internet-Zugangsdienste liefern sich im Weihnachtsgeschäft eine millionenschwere Werbeschlacht um die lukrativen DSL-Kunden. Während in der Werbung immer von Ersparnissen in Höhe mehrerer hundert Euro geredet wird, sind die tatsächlichen Kosten häufig aber in kaum lesbaren Fußnoten aufgeführt.

Um den Einstieg in das schnelle Internet schmackhaft zu machen, spendieren fast alle Anbieter ihren Kunden ein Modem und übernehmen die Bereitstellungsgebühr für den DSL-Anschluß, die von der Telekom verlangt wird. Gratisstunden oder eine zeitweise Befreiung von der Grundgebühr werden häufig als weitere Anreize zugefügt.

323 Euro im Jahr für das Einsteigerpaket

Was die Online-Dienste gerne in die Fußnoten packen: DSL ist in Deutschland kein billiges Vergnügen. Jeden Monat werden 16,99 Euro oder mehr für den reinen DSL-Anschluß fällig. Dazu kommt der DSL-Tarif, der für Einstieger zwischen 0 Euro (Lycos, GMX, Arcor, Freenet) oder 9,95 Euro (T-Online) im Monat schwankt. Zusammen werden bei T-Online also rund 323 Euro im Jahr für das Einsteigerpaket fällig. Dagegen verpuffen die versprochen Einsparungen meist schnell: Die 150 Gratisstunden, die zum Beispiel AOL dazugibt, beziehen sich nur auf den ersten Monat. Vom zweiten Monat an muß voll gezahlt werden. Auch die Grundgebührbefreiung, die T-Online in die Ersparnis einrechnet, gilt nur einen Monat und nur für die Flatrate. Da andere Zugangsdienste für Einsteigertarife wesentlich niedrigere Grundgebühren verlangen, kann der Spareffekt, auf das Jahr gerechnet, schnell ins Gegenteil umschlagen.

Wer bereit ist, den Telefonanschluß ganz zu wechseln, kann die DSL-Kosten senken. Anbieter wie Arcor, Hansenet oder Versatel, die allerdings nicht flächendeckend vertreten sind, berechnen für das Bündel aus DSL-Anschluß und DSL-Pauschaltarif meist erheblich weniger als die Zugangsdienste, die auf einen DSL-Anschluß der Telekom aufsatteln. Sollten viele Kunden aus diesem Grund der Telekom und damit auch den Online-Diensten den Rücken kehren, steigt der Druck auf die Telekom, ihre Preise zu senken. Noch ist allerdings die Wechselrate nicht hoch genug, um den nötigen Druck aufzubauen, heißt es in der Branche.

Telefonieren via Internet

Einen weiteren Kostenaspekt wird die Internet-Telefonie bringen. DSL-Nutzer können untereinander über die Internet-Leitungen kostenlos miteinander telefonieren. Dieser Vorteil wächst mit der Zahl der Nutzer. Daher wollen die drei Anbieter Freenet, Web.de und Indigo Networks (Sipgate) ihre Netze zusammenschalten. Ihre rund 200.000 Nutzer könnten dann innerhalb der Netze kostenlos miteinander telefonieren. United Internet verfolgt zur Zeit noch eine Alleinstrategie; T-Online und AOL werden im kommenden Jahr in den Markt einsteigen.

Der späte Markteintritt hat den Unternehmen bisher nicht geschadet, denn erst im kommenden Jahr wird die Internet-Telefonie für richtige Spannung sorgen. Noch hat die Internet-Telefonie den Charakter einer eher zweitrangigen Zusatzfunktion des DSL-Zugangs. Sollte aber im kommenden Jahr die Zwangstrennung zwischen Telefon- und DSL-Anschluß aufgehoben werden, könnte die Internet-Telefonie schnell zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor im DSL-Geschäft werden. Kunden könnten dann ihren Telefonanschluß bei der Telekom abbestellen und nur noch über das Internet telefonieren. Entscheidend für die Akzeptanz des Kunden werden der Preis und die Möglichkeit der Nummernmitnahme sein. Sollte beides zu attraktiven Bedingungen möglich sein, werden nicht nur im Internet-Markt, sondern auch im Telefongeschäft die Karten neu verteilt.

Quelle: ht., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2004, Nr. 291 / Seite 19
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