25.07.2005 · In Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg kommen sie besonders häufig vor, aber auch in Bayern und Hessen sind sie zu finden: die weißen Flecken auf der DSL-Landkarte. Nun wollen die Kabelnetzbetreiber Breitband in die Fläche bringen.
Von Holger SchmidtIn Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg kommen sie besonders häufig vor, aber auch in Bayern, Hessen und Niedersachsen sind sie zu finden: die weißen Flecken auf der DSL-Landkarte. In diesen Regionen sind bisher keine schnellen DSL-Anschlüsse an das Internet verfügbar, wie der Breitbandatlas des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt.
Auch in den ländlichen Regionen mit hellgrünen, gelben oder roten Punkten kommt nur ein Teil der Haushalte in den Genuß einer schnellen Auffahrt auf die Datenautobahn. Die Punkte sind die sogenannten Hauptverteiler der Deutschen Telekom, die auch von Telekom-Konkurrenten wie Arcor, Hansenet und Versatel genutzt werden. Im Umkreis von durchschnittlich rund 3,5 Kilometer um aufgerüstete Verteiler können Haushalte einen DSL-Anschluß bekommen. Je weiter die Entfernung zum Hauptverteiler, desto geringer ist die Chance auf einen Anschluß.
Ausschluß aus der Informationsgesellschaft
Viele Menschen, die in den weißen Flecken wohnen, sind sauer. Ohne Breitbandanschluß sind sie von den Möglichkeiten der Informationsgesellschaft wie Studiengänge im Internet ausgeschlossen. "Gerade Freiberufler wandern vielfach aus diesen Regionen ab", sagt Martina Krogmann, Internetbeauftrage der CDU.
Zwar ist DSL nach Angaben der Telekom für 91 Prozent der Bevölkerung verfügbar, doch nur 18 Prozent der Haushalte und 55 Prozent der Unternehmen haben sich bisher einen DSL-Anschluß zugelegt, zeigt der Breitbandatlas. Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich weit abgeschlagen zurück, weshalb sich die Politiker inzwischen um das Standortproblem kümmern. "Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um das enorme Potential auszuschöpfen, das in dieser Technologie liegt", sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) bei der Vorstellung des Breitbandatlasses in Berlin. Bis zum Jahresende wolle man die Zahl der Breitbandnutzer von 8,5 auf zehn Millionen erhöhen. Zudem solle die Verfügbarkeit der Breitbandnetze bis 2008 bei mindestens 95 Prozent und die Nutzerquote bei 50 Prozent der Haushalte liegen, sagte Clement.
Dominanz des ehemaligen Monopolisten stark wie in keinem anderen Industrieland
Ein Grund für den Rückstand sehen Beobachter im mangelnden Wettbewerb auf dem deutschen Breitbandmarkt. In keinem anderen Industrieland sind die Dominanz des ehemaligen Telekom-Monopolisten und dessen Breitbandtechnik DSL so hoch wie in Deutschland. Andere Übertragungstechniken wie das Fernsehkabel, Satelliten oder Funk, die in anderen Ländern für einen funktionierenden Infrastrukturwettbewerb sorgen, spielen in Deutschland bisher keine wesentliche Rolle.
Die drei Netzbetreiber Kabel Deutschland, Kabel Baden-Württemberg und Ish haben zusammen nur rund 75.000 Kunden, die das Kabel auch für den schnellen Zugang zum Netz einsetzen. Der Berliner Satellitenanbieter Teles ist ebenfalls noch ein Zwerg im Vergleich mit der Telekom: "Wir haben 16.000 Kunden in Deutschland. Unsere Marktakzeptanz ist noch extrem niedrig", sagte der Vorstandsvorsitzende Sigram Schindler dieser Zeitung.
Gegenwind für die Telekom aus der Politik
Allerdings bekommt die Deutsche Telekom nun Gegenwind aus der Politik. Die Konzentration auf DSL solle überwunden werden, forderte Clement. Besonders beklagte er die schwache Position des Fernsehkabels in diesem Geschäftsfeld. Mit gerade 10 Prozent sei die Nutzung des Kabels völlig unzureichend. "Wir brauchen einen Wettbewerb verschiedener Breitbandtechniken. Deutschland darf kein DSL-Land bleiben", fordert auch Krogmann.
Mit einiger Verspätung bekommt die Telekom nun ernsthafte Konkurrenz. Kabel Deutschland, der größte Kabelnetzbetreiber in Deutschland, wird nach Informationen dieser Zeitung seine Netze in Rheinland-Pfalz und dem Saarland flächendeckend für das schnelle Internet aufrüsten. "Wir werden auch in die weißen Flecken gehen", sagte ein Sprecher. Rund 700.000 Kunden in den beiden Bundesländern könnten mit Internetzugängen und Telefoniediensten per Kabel versorgt werden. Rund 30 Millionen Euro will das Unternehmen in den nächsten Monaten in diesen zwei Ländern investieren. "Wir haben auch weiter gehende Pläne", sagte der Sprecher, ohne Details zu nennen.
Weiße Flecken locken Investoren
Auch Kabel Baden-Württemberg will flächendeckend präsent sein. "Wir wollen das Breitband-Internet in ganz Baden-Württemberg bis zum Jahr 2010 ausbauen", sagte ein Sprecher. Bisher sei das Kabelnetz für rund eine Million Haushalte modernisiert worden. 37.000 der 3,1 Millionen Kunden sehen über das Kabel nicht nur fern, sondern surfen zusätzlich im Internet. "90 Prozent davon telefonieren auch über das Kabelnetz", sagte der Sprecher.
Airdata, ein Anbieter von Funktechniken, hat es ganz auf die weißen Flecken in der DSL-Landkarte abgesehen. "Investoren sehen aufgrund der vielen weißen Flecken gute Chancen in Deutschland", sagte Airdata-Vorstand Christian Irmler dieser Zeitung. Seine Initiative "Deutschland will" hat ihm bereits 6500 Anfragen von Bürgermeistern, Wirtschaftsfördervereinen und Unternehmen gebracht, die gerne Breitband wollen, aber bisher keinen Zugang bekommen. "Die Menschen sind hungrig auf Breitband", sagte Irmler. Das Unternehmen bietet schnelle Zugänge in Teilen von Stuttgart und Berlin sowie in Bensberg an. In sieben weiteren Orten laufen die Ausbauplanungen.
Neben den neuen Techniken bekommt die Telekom auch Konkurrenz im eigenen Haus: Die Bundesnetzagentur wird die Entgelte für das sogenannte "Line-Sharing" wohl deutlich senken. "Ich gehe davon aus, daß die Line-Sharing-Entgelte auf ein in Europa übliches Niveau gesenkt werden", sagte Krogmann. Dazu gehören auch die Einmalentgelte. Dann können Unternehmen wie Telefonica oder AOL das Datenband der Telefonleitung günstig von der Telekom mieten, um den Wettbewerb um die DSL-Kunden anzufachen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,95 | −1,16% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2449 | −0,31% |
| Rohöl Brent Crude | 105,75 $ | −1,03% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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